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Wirtschaft

Ökonomen: Deutsche Wirtschaft schrumpft weiter

Es mehren sich die Warnungen, dass die deutsche Wirtschaft nach einem Minus im zweiten Quartal auch in den Folgemonaten den Rückwärtsgang eingelegt hat. Steuert die größte Volkswirtschaft Europas nun auf eine scharfe Rezession mit drastisch steigender Arbeitslosigkeit zu?



Autoindustrie
BMW-Werk Leipzig: Der Abwärtstrend im Autogeschäft hat tiefe Löcher in die Bilanzen vieler Hersteller gerissen.   Foto: Jan Woitas

Die deutsche Wirtschaft verliert nach Einschätzung führender Ökonomen deutlich an Schwung und dürfte auch im dritten Quartal schrumpfen.

Die schwache wirtschaftliche Dynamik begründeten Forschungsinstitute am Mittwoch auch mit politischen Risiken wie dem Brexit und Handelskonflikten. Mit einer wieder anziehenden Konjunktur in Deutschland rechnen sie frühestens im nächsten Jahr. Das Handwerk dagegen berichtet von weiter guten Geschäften.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet im dritten Quartal ein Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Nicht ganz so pessimistisch ist das Essener RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung für die Monate Juli bis September: «In einer Kurzfristprognose rechnen wir mit minus 0,1 Prozent», sagte Vize-Konjunkturchef Torsten Schmidt. Schon im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,1 Prozent zum Vorquartal geschrumpft.

Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer «technischen Rezession». Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine sehr milde Rezession. Anders sähe es aus, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr im Vergleich zum Vorjahr schrumpft.

Damit wird jedoch derzeit nicht gerechnet. Zuletzt war dies 2009 infolge der globalen Finanzkrise der Fall; seitdem hatte die deutsche Wirtschaft ununterbrochen mit teils kräftigen Wachstumsraten zugelegt. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am 14. November Daten zur deutschen Wirtschaftsleistung im 3. Quartal.

«Eine scharfe Rezession im eigentlichen Sinne, also ein deutliches Unterschreiten der Auslastung in den Unternehmen mit drastisch steigender Arbeitslosigkeit, ist derzeit aber nicht in Sicht», sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). Allerdings: «Mit einem spürbaren Anziehen der Konjunktur ist frühestens im Verlauf des kommenden Jahres zu rechnen.» 2018 hatte die deutsche Wirtschaft noch um 1,5 Prozent zugelegt.

Für das Gesamtjahr 2019 trauen die Kieler IfW-Ökonomen und das RWI der größten Volkswirtschaft der Eurozone nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent zu. Für 2020 rechnet das RWI mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent, für 2021 mit 1,3 Prozent.

Die IfW-Forscher gehen für 2020 von einem Plus von 1 Prozent aus, 2021 dürfte die Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote wird aus Sicht des RWI in diesem und im nächsten Jahr wohl bei 5,0 Prozent liegen und 2021 auf 4,9 Prozent sinken. Das IfW prognostiziert indes einen Anstieg der Quote in den nächsten beiden Jahren auf 5,2 und 5,3 Prozent.

«Es mehren sich die Anzeichen, dass die Schwächephase anhält und die Konjunktur in Deutschland in einen Abschwung übergeht», warnte das RWI. Ähnlich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): «Deutschlands wirtschaftliches Fundament bröckelt bedenklich.» Die Produktionsleistung der auf den Export spezialisierten Industrie sinke seit einem Jahr deutlich. Es fehle vor allem die Nachfrage aus dem europäischen Ausland, allen voran aus Großbritannien und Italien. Bisher stütze eine kräftige Binnennachfrage. Deshalb rechnet das DIW in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent.

Das DIW forderte erneut mehr staatliche Investitionen. «Deutschland braucht in diesen schwierigen Zeiten einen Anker der Stabilität durch ein langfristiges Investitionsprogramm der Bundesregierung», sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. «Statt sich über die niedrigen Zinsen zu beklagen, sollte die Politik diese als Chance verstehen, um klug in die Zukunft zu investieren.»

Nach Darstellung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) spüren viele Betriebe die Abkühlung der Weltwirtschaft. «Der Brexit wirkt sich zusätzlich negativ auf die Wirtschaft in ganz Europa aus», sagte der DIHK-Chef Eric Schweitzer den Funke-Zeitungen. Der DIHK habe seine Konjunkturprognose für 2019 auf ein Plus von 0,6 Prozent gesenkt. Handwerkspräsident Peter Wollseifer hält dagegen: «Die Handwerkskonjunktur brummt weiter. Gravierende Einbrüche sind in den allermeisten Handwerksbereichen - zuallererst natürlich bei den konsumnahen Gewerken - weiterhin nicht absehbar», sagte er.

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dpa

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11. 09. 2019
14:09 Uhr

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11. 09. 2019
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