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Wirtschaft

Neue Regeln für Haushaltsgeräte: Reparieren statt wegwerfen

Geht die Waschmaschine kaputt, steht man oft vor einer schwierigen Entscheidung: Lohnt sich eine Reparatur überhaupt noch? Für die Umwelt allemal, sagen Experten. Neue EU-Regeln sollen helfen, dass auch die Haushaltskasse profitiert.



Elektroschrott
Ausrangierte Haushaltsgeräte und andere Elektrogeräte in einem Sammelbehälter für Elektroschrott.   Foto: Christian Charisius/dpa

Lieber reparieren als wegwerfen: Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher und andere Geräte müssen ab 2021 so konstruiert sein, dass man sie leichter wieder flott machen kann. Die EU-Kommission beschloss derartige Vorgaben für Hersteller, um Umwelt und Klima besser zu schützen.

Umweltverbände und Verbraucherschützer jubeln, zumal dies auch den Geldbeutel schonen könnte.

Handwerker klagen seit längerem, dass Reparaturen komplizierter werden. Zum Beispiel lassen sich manche Gehäuse nicht öffnen. Oder wenn ein kleiner Schalter kaputt geht, muss gleich ein ganzes Modul ausgewechselt werden. Kritiker mutmaßen auch immer wieder, einige Hersteller legten es darauf an, dass Geräte nach einer bestimmten Zeit den Geist aufgeben - genannt «geplante Obsoleszenz».

Nach den neuen EU-Regeln sollen Geräte gleich so gebaut werden, dass man sie leichter reparieren und am Ende ihrer Lebenszeit auch recyclen kann. Es geht unter anderem um Kühlgeräte, Waschmaschinen, Geschirrspüler, elektronische Displays, Lichtquellen, Netzteile, Elektromotoren und Schweißbrenner, wie die EU-Kommission mitteilte.

Kern der neuen Vorschriften ist die Pflicht für Hersteller, Ersatzteile für sieben bis zehn Jahre nach dem Verkauf anzubieten und innerhalb von 15 Arbeitstagen zu liefern. Handwerkern müssen Informationen zum Gerät zur Verfügung gestellt werden. Zudem müssen «Ersatzteile mit allgemein erhältlichen Werkzeugen ausgetauscht werden können, ohne dass das betreffende Gerät dauerhaft beschädigt wird». Zum Paket gehören auch neue Vorgaben zum Wassersparen für Waschmaschinen und Geschirrspüler.

Der Rahmen für die neuen Vorschriften ist die seit langem geltende Ökodesign-Richtlinie. In Kraft treten sollen sie 2021, sofern jetzt kein Widerspruch der EU-Staaten oder des EU-Parlaments kommt. Dann gilt auch eine neue Kennzeichnung zum Energieverbrauch von Elektrogeräten.

Beides zusammen könnte nach Angaben der EU-Kommission enorme Einsparungen bringen. So soll der jährliche Stromverbrauch bis 2030 um 167 Milliarden Kilowattstunden sinken - etwa so viel wie der jährliche Bedarf von Dänemark. Das bedeute etwa 46 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid. Verbraucher sollen im Schnitt 150 Euro pro Jahr sparen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz nennt etwas andere Zahlen - der Umweltverband geht von 140 Milliarden Kilowatt weniger Strom und 20 Milliarden Euro Einsparungen bei Stromrechnungen aus. In der Tendenz stimmen die Umweltschützer aber mit der Brüsseler Behörde überein: Wegweisend seien diese Beschlüsse, ein wichtiger Wendepunkt in der Produktion und Nutzung von elektronischen Geräten. «Die EU zieht den Stecker für Stromfresser und geplante Obsoleszenz», meinte BUND-Expertin Caroline Gebauer.

Der EU-Verbraucherverband BEUC lobte: «Es ist entscheidend, dass wir den derzeitigen Wegwerf-Trend in die Tonne treten, denn er verschwendet natürliche Ressourcen und zieht Verbrauchern das Geld aus der Tasche.» Doch merkt BEUC kritisch an, dass drei Wochen Wartezeit auf Ersatzteile bei einer kaputten Waschmaschine für Familien eine Geduldsprobe wären. Der Verband bemängelt auch, dass Teile und Bauanleitungen nur professionellen Handwerkern angeboten werden und nicht Privatleuten, die selbst zum Schraubenzieher greifen.

Die Stiftung Warentest berichtete nach einem Test 2018, dass sich Reparaturangebote vom Profi bei bestimmten Geräten nicht lohnen - zumindest nicht für die Haushaltskasse. Genannt wurde das Beispiel Staubsaugers, bei dem ein Kabel kaputt war. Die Reparatur hätte 120 Euro kosten sollen, mehr als ein neues Gerät. Die Besitzerin ließ sich dann kostengünstig in einem Reparatur-Café helfen.

Für die Umwelt lohnt sich das Herrichten aber nach Angaben der Stiftung meist: «Ökologisch ist die Wegwerfstrategie ein Desaster.» Warentest rechnete für einen Geschirrspüler vor: «Ein Gerät, das in 15 Jahren viermal repariert wird, spart gegenüber einem Neukauf etwa ein Viertel Energie und andere Ressourcen ein.»

Der BUND sieht das genauso. Bei einem längeren Lebenszyklus spare man Energie bei Herstellung, Vertrieb, Verwendung und Entsorgung. «Eine Verlängerung der Lebensdauer von Waschmaschinen um nur fünf Jahre würde der EU so viele Emissionen ersparen, wie eine halbe Million Autos von der Straße zu nehmen», betonte der Umweltverband.

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 10. 2019
16:16 Uhr

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01. 10. 2019
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