Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Miele spart: Über 1000 Stellen werden abgebaut

Das Familienunternehmen sieht sich durch die Digitalisierung und preisaggressive Konkurrenten aus Asien unter Druck. Nicht nur mit Stellenstreichungen will der Konzern gegenhalten. Die IG Metall befürchtet: «Das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.»



Miele
Der Hausgerätehersteller Miele will bis Ende 2021 weltweit rund 1070 Stellen abbauen.   Foto: Ina Fassbender/dpa

Es war eigentlich ein goldener Oktober für Miele: Bei einer Umfrage des «Handelsblattes» wurde der Haushaltsgerätehersteller erst kürzlich im Bereich Elektrogeräte zur «Marke des Jahres» gewählt.

Außerdem wurde ein Miele-Gerät von der Stiftung Warentest zum Sieger im jüngsten Waschmaschinentest ausgerufen. Trotzdem kündigte die Miele-Konzernleitung einen einschneidenden Stellenabbau an.

Bis Ende 2021 sollen bei dem Familienunternehmen in einem ersten Schritt weltweit rund 1070 Stellen gestrichen werden, davon etwa 240 in Deutschland. Weitere 650 Stellen sollen bis Ende 2025 im Gütersloher Waschmaschinenwerk wegfallen, wie das Unternehmen mitteilte. Der Stellenabbau solle möglichst sozialverträglich erfolgen, hieß es bei Miele. Außerdem sollen an anderer Stelle - etwa im Digitalbereich - auch 470 neue Stellen entstehen. Das vor 120 Jahren gegründete Familienunternehmen beschäftigt weltweit gut 20.000 Mitarbeiter, mehr als 11.000 davon in Deutschland.

Bei der Gewerkschaft IG Metall schrillen angesichts der Meldungen aus Gütersloh die Alarmglocken. Der IG-Metall-Unternehmensbeauftragte Thomas Wamsler befürchtet, dass der nun angekündigte Stellenabbau noch nicht das letzte Wort ist. «Ich weiß, das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Gewerkschafter warf der Miele-Leitung eine «Salami-Taktik» vor. Es werde ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen gestartet. Gleichzeitig werde der Beschäftigungsabbau verharmlost. Nun gehe es darum, die Beschäftigten zu mobilisieren.

Miele betonte dagegen, der Stellenabbau sei notwendig, um den tiefgreifenden Veränderungen der Märkte durch die Digitalisierung und den immer preisaggressiveren Auftritt asiatischer Wettbewerber Rechnung zu tragen. Ziel sei es, allein im ersten Schritt durch Einsparungen bei Sachkosten und Personal rund 190 Millionen Euro pro Jahr einzusparen und so die Wirtschaftlichkeit der gesamten Miele-Gruppe nachhaltig zu sichern.

Die Ankündigung des Stellenabbaus kommt nicht ganz überraschend. Denn schon im November vergangenen Jahres hatte sich die Konzernleitung Berater von McKinsey ins Haus geholt und die Verlagerung von Teilen der Waschmaschinenproduktion nach Polen angekündigt.

Miele macht mittlerweile mehr als 70 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands. Deshalb treffen die aktuellen weltweiten Handelskonflikte das Gütersloher Unternehmen hart. Der mancherorts wieder aufkeimende Protektionismus mache das Geschäft nicht einfacher, klagte Geschäftsführer Markus Miele schon Anfang des Jahres in einem Interview.

Im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 hatte der Premiumhersteller die weltweite Konjunkturabkühlung bereits zu spüren bekommen. Nur dank der erstmaligen Einbeziehung der koreanischen Tochter Yujin Robot stieg der Umsatz noch einmal leicht um 1,5 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Ohne diesen Effekt hätte das Plus nur bei 0,2 Prozent gelegen.

Im wettbewerbsintensiven deutschen Markt musste Miele im abgelaufenen Geschäftsjahr sogar einen leichten Umsatzrückgang um 0,3 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro hinnehmen. Spürbare Rückgänge gab es außerdem in China, wo staatliche Restriktionen den Immobilienhandel erschwerten. In Hongkong dämpften die politischen Unruhen das Geschäft.

Mit dem Stellenabbau und einer Umstrukturierung wolle Miele nun aus einer Position der Stärke die Weichen für eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft stellen, heißt es im Unternehmen. Man wolle schlagkräftiger und wachstumsstärker werden. Das operative Geschäft soll deshalb künftig in acht Geschäftsbereichen gebündelt werden.

Das immer wichtiger werdende Digitalgeschäft - vom Marketing, über die Datenanalyse bis zum E-Commerce - soll künftig aus Amsterdam gesteuert werden. Und einer der Geschäftsbereiche - die «Wachstumsfabrik» - soll sich nur damit beschäftigen, neue Geschäftsfelder zu identifizieren. Es geht um neue Erlösquellen. «120 Jahre nach seiner Gründung stellt sich Miele grundlegend neu auf», hieß es in Gütersloh.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
16:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitnehmer Deutsche Presseagentur Familienunternehmen Gewerkschaften Handelskonflikte IG Metall Konzernführung McKinsey Mitarbeiter und Personal Personalabbau Stiftung Warentest Umsatzrückgang Umstrukturierung Unternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Motorenhersteller MAN

22.07.2020

Motorenhersteller MAN will 3000 Jobs in Deutschland abbauen

Kreuzfahrten sind in der Corona-Krise gerade nicht gefragt. Darunter leidet auch der Schiffsdieselhersteller MAN Energy Solutions. Das bedeutet für viele Mitarbeiter nun, dass sie ihren Job verlieren. » mehr

Airbus

01.07.2020

Wegen Jobbbau setzt Airbus Bundesregierung unter Druck

Was war das für eine Schreckensnachricht: Airbus will mehr als 5000 Stellen in Deutschland streichen. Keine 24 Stunden später heißt es, dass durchaus weniger Stellen wegfallen könnten - wenn die Bundesregierung dem Flugz... » mehr

Tuifly-Maschine

06.06.2020

Tuifly-Belegschaft attackiert Management

Der angekündigte harte Sparkurs bei der Fluggesellschaft Tuifly macht die Belegschaft wütend. Sie gibt dem Management eine Mitschuld an der jetzigen Situation und will um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen. » mehr

Karstadt

15.05.2020

Bei Galeria Karstadt Kaufhof droht Kahlschlag

Schock für die Beschäftigen der letzten deutschen Warenhauskette. Fast die Hälfte der Filialen steht angesichts der Umsatzeinbrüche durch die Corona-Krise zur Disposition. Doch es gibt noch einen Hoffnungsschimmer. » mehr

Commerzbank-Neuaufstellung

06.07.2020

Commerzbank nach Rücktritten um Beruhigung bemüht

Die Commerzbank braucht rasch eine neue Führung. Die Diskussion über die neue Strategie duldet keinen Aufschub. Erwartet werden drastische Einschnitte. » mehr

Fluggesellschaft Condor

22.07.2020

Ferienflieger Condor plant keine Kündigungen in der Krise

Noch in Juni mussten viele Mitarbeiter des Ferienfliegers Condor um ihre Jobs bangen. Nun soll es nach einer Einigung mit Arbeitnehmervertretern vorerst keine Kündigungen geben. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Montgolfiade Heldburg

Montgolfiade | Heldburg
» 24 Bilder ansehen

Brand Tettau Tettau

Großbrand Tettau | 09.08.2020 Tettau
» 39 Bilder ansehen

Flächenbrand Limbach Limbach

Flächenbrand Limbach | 09.08.2020 Limbach
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
16:10 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.