Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Männer dominieren die Topetagen großer Familienunternehmen

Familienunternehmen wie Miele, Deichmann, Haniel und Co. gelten als Ikonen der deutschen Wirtschaft. Die traditionsreichen Firmen haben sich erfolgreich Veränderungen angepasst - doch in einem Punkt hinken viele hinterher.



Familienunternehmen
Frauen schaffen es einer Studie zufolge seltner in die Topetage großer Familienunternehmen als in börsennotierten Firmen.   Foto: picture alliance / dpa

Traditionsreich und frauenarm: Managerinnen schaffen es in großen Familienunternehmen seltener in die Topetage als in börsennotierten Firmen.

Nach einer Studie der gemeinnützigen Allbright-Stiftung lag der Anteil von Managerinnen in der Geschäftsführung der 100 umsatzstärksten Familienfirmen Anfang März bei 6,9 Prozent. Bei den 160 Konzernen der Börsenindizes Dax, MDax und SDax waren es insgesamt 10 Prozent - bei den 30 Börsenschwergewichten des Dax sogar 15 Prozent.

«Familienunternehmen in zweiter, vierter oder sechster Generation sind Anpassungskünstler, sie haben Jahrzehnte überlebt, weil sie immer rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und genutzt haben», sagten die Geschäftsführer der Allbright Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg. «Beim Frauenanteil in der Unternehmensführung haben sie aber noch einen "Blind Spot".»

Tradition sei bei Familienunternehmen ein sehr starker Wert, «aktuell droht er, die Erneuerung zu ersticken», sagte Ankersen weiter. «Es besteht die Gefahr, dass die Firmen die Weiterentwicklung ihrer Führungsstruktur verpassen - mit Folgen für ihre Zukunftsfähigkeit.»

Weniger als ein Drittel (29 Prozent) der großen Familienunternehmen hat eine Frau in der Geschäftsführung. Insgesamt arbeiteten der Studie zufolge am 1. März 406 Männer und 30 Frauen in der Topetage. Am höchsten ist der Frauenanteil mit 10,3 Prozent bei den 20 Konzernen, die auch an der Börse notiert sind. Dazu zählen BMW, Continental, Henkel, Merck oder Volkswagen. Unternehmen, die zu 100 Prozent in Familienbesitz sind, schneiden demnach mit einem Anteil von 4,8 Prozent deutlich schlechter ab.

«Diese Unternehmen stehen nicht so stark im Licht der Öffentlichkeit. Transparenz hilft, denn es wird zunehmend erwartet, dass Unternehmen für Vielfalt und Chancengleichheit ebenso sorgen wie beispielsweise für Nachhaltigkeit», sagte Ankersen.

Besser sieht es bei Aufsichts- beziehungsweise Verwaltungsräten insgesamt aus. Der Frauenanteil in den Kontrollgremien der großen Familienunternehmen beträgt 24,5 Prozent.

In der Eigentümerfamilie werden machtvolle Positionen wie der Vorsitz der Geschäftsführung oder des Aufsichtsrats der Studie zufolge vorwiegend Männern anvertraut. In nur zwei der großen Familienunternehmen haben weibliche Mitglieder den Angaben zufolge den Vorsitz der Geschäftsführung inne: Anna Maria Braun bei der Medizinfirma B. Braun Melsungen und Nicola Leibinger-Kammüller beim Maschinenbauer Trumpf.

Unter den Aufsichtsratschefs gab es Anfang März drei Frauen aus der Familie: Cathrina Claas-Mühlhäuser beim Landmaschinenhersteller Claas, Simone Bagel-Trah bei Henkel und Bettina Würth bei der Würth-Gruppe. Als familienfremde Managerin leitet Doreen Nowotne seit Mai das Kontrollgremium des Traditionsunternehmens Haniel.

«Über ihre machtvolle Position könnten die Familien ihre Unternehmen schnell und pragmatisch als Vorbilder an die Spitze bringen - sie müssen nur die strategischen Vorteile erkennen», argumentierten Ankersen und Berg.

Die Neubesetzungen im vergangenen Jahr - zwischen März 2019 und März 2020 - waren den Angaben zufolge weiblicher und internationaler. Demnach entfielen 22 Prozent der Neurekrutierungen in der Geschäftsführung von Familienunternehmen auf Managerinnen, 26 Prozent kamen aus dem Ausland. «Die Zahlen zeigen, dass erste Familienunternehmen anfangen umzudenken», sagte Ankersen.

Geholfen hat nach ihrer Einschätzung, dass die gesetzliche Quote für Frauen in Aufsichtsräten gezeigt hat, «dass es ausreichend qualifizierte Frauen gibt.

Man würde sie genauso für den Vorstand oder die Geschäftsführung finden.» Grundsätzlich sollte die Diskussion aber vor allem darüber geführt werden, «warum mehr Vielfalt in den Führungsgremien im Interesse der Unternehmen ist: Sie führen zu besseren und profitableren Entscheidungen».

Seit Anfang 2016 müssen die etwa 100 größten börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland frei werdende Aufsichtsratsposten mit Frauen neubesetzen, bis mindestens ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht ist.

Nach einem Bericht der Bundesregierung ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten dieser Unternehmen in diesem Jahr auf 35,2 Prozent gestiegen. Das sei ein Zuwachs von gut 10 Prozentpunkten seit Bestehen der Quote, teilte das Bundesfamilienministerium mit. Bei anderen Unternehmen liege der Frauenanteil bei «nur mageren» 19,9 Prozent. Stark unterrepräsentiert seien Managerinnen nach wie vor in Vorständen. 80 Prozent der Unternehmen hätten keine Frau in dem Führungsgremium.

Eine gesetzliche Quote für Vorstände gibt es bislang nicht. Die SPD macht bei diesem Thema allerdings Druck. In der Union gibt es Widerstände dagegen. Dem Gesetzentwurf zufolge sollen Vorstände großer börsennotierter Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern künftig mit wenigstens einer Frau besetzt sein, wenn sie mehr als drei Mitglieder haben. Das gilt, wenn Neubesetzungen anstehen.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, sie fordere das jetzt auch ein. «Mit Freiwilligkeit kommen wir einfach nicht weiter, ohne politischen Druck bewegt sich gar nichts. Umso wichtiger ist, dass wir endlich die Reform des Gesetzes für mehr Frauen in Führungspositionen angehen.»

Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 06. 2020
16:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aufsichtsratschefs Aufsichtsräte B. Braun Melsungen BMW Bundesfamilienministerium Claas Deutscher Aktien Index Franziska Giffey Frauen in Führungspositionen Führungspositionen Geschäftsführung Landmaschinenhersteller Managerinnen und Manager SPD Trumpf GmbH + Co KG Unternehmen Unternehmensführung Volkswagen AG Würth Gruppe
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Frauenanteil in Top-Etagen

11.12.2019

Frauenanteil in Top-Positionen steigt weiter

Vor genau fünf Jahren hatte die Bundesregierung eine Frauenquote für große Unternehmen auf den Weg gebracht. Konkret zielt diese auf das Männer-Frauen-Verhältnis in den Aufsichtsräten ab. Die Fünf-Jahres-Bilanz zeigt: Es... » mehr

Frauen in Führung kommunaler Firmen

14.07.2020

Frauen in Führung kommunaler Firmen unterrepräsentiert

Mehr als die Hälfte der Toppositionen kommunaler Unternehmen sind in Offenbach mit Managerinnen besetzt. In anderen größeren Städten sitzt keine Frau in einem Führungsgremium. » mehr

VW-Konzernchef Diess

09.06.2020

Umbau der VW-Spitze ging Eklat um Diess voraus

So sehr hat es bei VW lange nicht mehr gekracht: Vor anderen Managern stellt der Chef die Integrität des Aufsichtsrats in Frage - und wirft Kontrolleuren Straftaten vor. Ist der Verlust der Markenführung der Preis, den D... » mehr

Commerzbank

08.07.2020

Keine schnelle Lösung der Commerzbank-Führungskrise in Sicht

Die Commerzbank steckt in der Krise. Gleich an zwei zentralen Stellen braucht der Konzern neue Manager - und das ausgerechnet mitten in der Diskussion um harte Einschnitte. » mehr

Adidas - Kasper Rorsted

01.07.2020

Adidas-Personalchefin tritt nach Rassismus-Vorwürfen zurück

Adidas verliert in der Rassismus-Debatte seine Personalchefin. Die Britin Karen Parkin hatte sich im vergangenen Jahr eine Äußerung geleistet, die ihr nun das Amt kostete. Der fränkische Konzern muss nun Imagepflege betr... » mehr

Dax

24.07.2020

Dax nach Gewinnmitnahmen vor neuer Belastungsprobe

Nach dem kurzzeitigen Sprung über 13.000 Punkte auf das Februar-Niveau zu Beginn des Corona-Crash steht der Dax in der neuen Woche vor einer neuerlichen Belastungsprobe. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand Muellverbrennung

Brand Müllverbrennung Zella-Mehlis | 02.08.2020 Zella-Mehlis
» 25 Bilder ansehen

Waldbrand Lauscha

Waldbrand Lauscha | 02.08.2020 Lauscha
» 7 Bilder ansehen

Großeinsatz im Schwimmbad Lauscha

Chlor im Schwimmbad Lauscha ausgetretten |
» 21 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 06. 2020
16:05 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.