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Wirtschaft

Lufthansa: Verhandlung mit Verdi abgebrochen

Der Druck auf die Lufthansa und ihre Beschäftigten wächst. Noch immer gibt es für keine Berufsgruppe in dem coronageschädigten Konzern eine gültige Sparvereinbarung.



Lufthansa
Ein stillgelegter Lufthansa-Jet auf dem Flughafen Frankfurt.   Foto: Boris Roessler/dpa

Bei der Lufthansa sind die Tarifverhandlungen über Corona-Sparbeiträge des Bodenpersonals vorerst gescheitert. Das Unternehmen hat die Verhandlungen nach 20 ergebnislosen Runden einseitig abgebrochen, bestätigte eine Sprecherin in Frankfurt.

Verdi sei aufgefordert, mit neuen Vorschlägen zu signifikanten Personalkosteneinsparungen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die bislang angebotenen Einsparungen in Höhe von rund 600 Millionen Euro reichten zur Bewältigung der sich verschärfenden Krise nicht aus.

«Die Verweigerungshaltung ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten», erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Vize-Vorsitzende des Lufthansa-Aufsichtsrats, Christine Behle. Sie wies auf die Staatshilfen in Höhe von rund neun Milliarden Euro hin, mit denen der Konzern gerettet werden musste. «Gerade auch vor diesem Hintergrund ist es absolut inakzeptabel, dass der Konzern gravierende Einkommensverzichte der Beschäftigten fordert, ohne im Gegenzug Garantien zum Beschäftigungsschutz oder zu Maßnahmen eines sozialverträglichen Arbeitsplatzabbaus zu geben.» Die Bundesregierung müsse nun ihren Einfluss geltend zu machen, verlangte Behle.

Verdi vertritt rund 35.000 Beschäftigte des Bodenpersonals und hat nach eigener Darstellung Sparbeiträge in Höhe von rund 600 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Lufthansa sei im Gegenzug aber nicht bereit, einen wirksamen Kündigungsschutz auszusprechen. Die Vereinbarungen sollten innerhalb von zwei Wochen kündbar sein. «Das ist wie eine Versicherung, die im Schadensfall nicht zahlt», sagte Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier.

Lufthansa verlangt nach eigenen Angaben von den verschiedenen Beschäftigtengruppen Einsparungen von 20 Prozent der Personalkosten. Das mache selbst im ungünstigsten Fall nur bis zu 18 Prozent der Bruttovergütung aus, erklärte die Unternehmenssprecherin. Verdi habe zuletzt aber nur Krisenbeiträge von 8 Prozent angeboten. «Dieser einstellige Prozentsatz reicht für die Bewältigung dieser einzigartigen Krise nicht aus.» Ohne einen signifikanten Beitrag seien betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr länger zu vermeiden.

Eine ähnliche Ausstiegsklausel hat Lufthansa für die rund 22.000 Flugbegleiter mit der Gewerkschaft Ufo vereinbart. Deren Vorstand empfiehlt dennoch seinen Mitgliedern in einer Urabstimmung, den Sanierungs-Tarifvertrag anzunehmen. Bei den Piloten haben Unternehmen und Vereinigung Cockpit noch nicht zueinander gefunden. Für den Fall des Scheiterns hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Der teilverstaatlichte Lufthansa-Konzern hatte nach dem Corona-Einbruch seinen weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Vollzeitstellen beziffert, von denen rund 11.000 auf Deutschland entfallen. Der Konzern rechnet mittelfristig mit einer um 100 Jets verkleinerten Flotte. Neben dem bereits eingeleiteten Verkauf der Catering-Sparte LSG Sky Chefs gilt ein (Teil-) Verkauf der Wartungstochter Lufthansa Technik als Möglichkeit, die milliardenschwere Staatshilfe wieder zurückzuzahlen.

© dpa-infocom, dpa:200813-99-156628/3

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13. 08. 2020
22:45 Uhr

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