Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Wirtschaft

London wird für viele Autofahrer teurer

Nicht nur deutsche Städte haben mit Autoabgasen zu kämpfen, auch in der Weltstadt London treibt die Luftverschmutzung Bürger und Politik um. Die Metropole setzt nicht auf Fahrverbote - sondern auf den Geldbeutel der Pkw-Besitzer. Ein Vorbild?



London
Die neue Umweltmaut für die Londoner Innenstadt gilt für alle Autos, die nicht den von der Behörde definierten Standards entsprechen:   Foto: Monika Skolimowska

Im Kampf gegen schmutzige Stadtluft bittet London zur Kasse: In der Innenstadt müssen Fahrer älterer Autos eine neue Umweltmaut von umgerechnet rund 14,50 Euro pro Tag zahlen.

Grüne Schilder an der Straße markieren die «Ultra Low Emission Zone» im Zentrum der britischen Hauptstadt. Betroffen sind vor allem Diesel. Deutsche Umweltschützer lobten das Modell als vorbildlich.

Die neue Gebühr fällt zusätzlich zur City-Maut von umgerechnet knapp 13,40 Euro an und trifft auch Touristen, die in die Innenstadt fahren wollen. Sie soll die Belastung mit gesundheitsschädlichen Stickoxiden (NOx) senken, mit der auch viele deutsche Städte kämpfen - eine Umweltmaut gibt es in Deutschland aber bisher nirgends.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sagte, chronisch lungenkranke Kinder, Tausende vorzeitige Todesfälle und Milliardenkosten für den öffentlichen Haushalt rechtfertigten die zusätzliche Belastung der Autofahrer. Mit einer Bevölkerung von neun Millionen Menschen im Großraum London sei es «nicht nachhaltig», wenn alle mit dem Auto durch die Stadt führen. Und er versicherte: Alle Einnahmen steckt die Stadt in den öffentlichen Nahverkehr und die Verbesserung der Luft.

Der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel wird in Londons teils um ein Vielfaches überschritten. In den Straßen drängen sich die berühmten roten Busse, schwarzen Taxis, Lieferverkehr und Privatautos nicht nur während der Rushhour. Die «Tube» - das älteste U-Bahn-System der Welt - ist im Berufsverkehr hoffnungslos überfüllt, das Fahrradfahren bleibt trotz einiger neuer Rad-Schnellwege auf vielen Straßen gefährlich. Khan zufolge wirkte die neue Regelung schon, bevor sie in Kraft war. Tausende hätten ein neues Auto gekauft, um die Maut zu sparen.

Eine Gebühr für die Einfahrt in Innenstädte war auch in der von der Bundesregierung eingesetzten Verkehrskommission im Gespräch - allerdings ging es dort nicht um Stickoxide, sondern um Klimaschutz, und die Experten waren sich auch nicht einig, ob eine «Infrastrukturabgabe» der richtige Weg sei. Die Entscheidung darüber müssten gegebenenfalls die Kommunen treffen, hieß es Ende März.

Die deutschen Städte und die Bundesregierung versuchen auf anderen Wegen, die Luftverschmutzung in den Griff zu kriegen. Sie setzen etwa auf die Verbesserung der Abgasreinigung bei Pkw, Bussen, Müllabfuhr und Transportern. Wer ein saubereres Auto kauft, kann einen Extra-Rabatt bekommen. Der öffentliche Nahverkehr soll gestärkt und der Verkehrsfluss besser gesteuert werden. Die NO2-Belastung sinkt zwar, liegt aber vielerorts trotzdem noch deutlich über dem EU-Grenzwert. In Hamburg sind deshalb schon zwei Straßenabschnitte für ältere Diesel gesperrt, in Stuttgart ein großer Teil der Stadt.

In London dürfen weiterhin alle unterwegs sein, aber viele müssen zahlen. Es trifft vor allem Dieselfahrer: Die Gebühr wird fällig für Diesel der EU-Abgasnormen Euro 0 bis 5, die bis September 2015 erstmals zugelassen wurden. Benziner der Abgasnorm Euro 0 bis 3 sind ebenfalls betroffen, diese wurden bis Ende 2005 erstmals zugelassen. Auch Motorradfahrer werden zur Kasse gebeten, wenn ihr Fahrzeug der Norm Euro 0 bis 2 entspricht. Die Umwelt-Abgabe wird rund um die Uhr fällig, die City-Maut dagegen nur werktags zwischen 7.00 Uhr und 18.00 Uhr gilt. Kontrolliert wird mit Kameras.

Zahlen kann man unter anderem per App oder Telefon, Informationen dazu gibt es auf der Homepage des öffentlichen Nahverkehrs, «Transport for London». Die neue Umweltzone soll zunächst deckungsgleich mit der City-Maut sein und im Oktober 2021 ausgeweitet werden. Für Wohnmobile und Vans gibt es zusätzliche Gebühren im Großraum London, Infos zur Registrierung und Zahlung gibt es für Touristen unter anderem beim ADAC.

Deutsche Umweltschützer lobten das Londoner Modell: «Die weitere Verschärfung der Londoner Umweltzone ist ein Vorbild für viele, ähnlich belastete Metropolen in Europa», sagte etwa Jürgen Resch, der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Daniel Rieger vom Naturschutzbund Nabu sagte, es sei «gut vorstellbar», dass das Modell Schule mache, «wenn es auf anderem Wege nicht gelingt, die Menschen zum Umsteigen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu bewegen».

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 04. 2019
14:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Autofahrer City-Maut Deutsche Umwelthilfe Diesel Fahrverbote Luftverschmutzung Maut Modelle Umweltschützer Umweltzonen Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Dieselfahrverbot in Darmstadt

27.01.2020

Mehr als 16.000 Verstöße gegen Diesel-Fahrverbote

In vier deutschen Städten gibt es bislang Diesel-Fahrverbote. Doch halten sich die betroffenen Autofahrer daran? Und wie häufig wird die Einhaltung des Verbots kontrolliert? » mehr

Parkplätze in Innenstädten

02.01.2020

Autoverband VDA: Anwohnerparken nach Einkommen staffeln

Radwege oder Parkplätze? Städte müssen ihre knappen öffentlichen Flächen möglichst klug aufteilen. Vorschläge für eine intelligente Steuerung des Autoverkehrs gibt es viele - einige sind umstritten. » mehr

Verbot von Einweg-Plastik

24.06.2020

Verbot für Einweg-Plastik kommt Mitte 2021

Imbissbuden ohne Plastik-Gabel, Partys ohne Plastik-Trinkhalme, der Kaffee auf die Hand ohne Plastik-Rührstäbchen: Das soll in der EU ab Sommer 2021 Alltag werden. Das Verbot ist in Brüssel längst besiegelt. An der Umset... » mehr

Dieselfahrverbot

09.06.2020

Dieselabgase belasten Luft weniger: 25 Städte über Grenzwert

Monatelang bestimmte NO2 aus dem Auspuff von Dieselautos die Schlagzeilen, vom VW-Skandal über den Streit um Nachrüstungen bis zu Fahrverboten. Nun hat das Umweltbundesamt gute Nachrichten für Stadtbewohner. » mehr

Wilhelmstraße in Aachen

31.07.2019

Aachen schrammt knapp am Diesel-Fahrverbot vorbei

Diesel-Fahrverbote spricht das Oberverwaltungsgericht für Aachen zwar nicht aus. Aber die Richter machen dem Land NRW strikte Vorgaben. Jetzt müssen die Behörden neue Pläne für sauberere Luft vorlegen. » mehr

Abnehmer im Osten

28.01.2019

Viele alte Diesel aus Deutschland landen im Osten

Ältere Dieselautos sind in Deutschland kaum noch zu verkaufen. Doch in vielen östlichen EU-Ländern finden die Gebrauchten ohne Probleme Abnehmer. Umweltschützer sprechen von der «Müllhalde» Westeuropas. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Motorrad Waffenrod Waffenrod

Motorradunfall Waffenrod | 13.07.2020 Waffenrod
» 6 Bilder ansehen

Bad Salzungen

Gesuchte Männer | 13.07.2020 Bad Salzungen
» 5 Bilder ansehen

city skyliner weimar Weimar

City Skyliner in Weimar | 12.07.2020 Weimar
» 12 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 04. 2019
14:27 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.