Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Kritik aus Italien verschreckt Finanzmärkte

Eine Aussage gegen den Euro aus Italien - und schon zittern die Märkte. Die Regierung beschwichtigt, die Situation des hoch verschuldeten Landes ist aber fragil.



Giuseppe Conte
Giuseppe Conte, Ministerpräsident Italiens, bekräftigt Italiens Zusammengehörigkeit zur Euro-Zone.   Foto: Craig Ruttle/AP

Euro-kritische Äußerungen aus Italien haben die Finanzmärkte verschreckt.

Das Land «würde mit einer eigenen Währung einen Großteil seiner Probleme lösen», davon sei er «sehr überzeugt», sagte Claudio Borghi, Finanzpolitiker von der Regierungspartei Lega, dem Programm Radio Anch'io. Italienische Anleihen gerieten in der Folge unter Druck, auch belasteten Borghis Aussagen den Kurs des Euro. Regierungschef Giuseppe Conte sah sich gezwungen, mögliche Szenarien eines Ausstiegs seines Landes aus der Euro-Zone zurückzuweisen.

«Der Euro ist unsere Währung, und sie ist für uns unverzichtbar», erklärte Conte auf Facebook. «Jede Äußerung, die auf eine andere Einschätzung hindeutet, ist als freie und beliebige Meinung zu betrachten, die nichts mit der Politik der Regierung, der ich vorsitze, zu tun hat.» Borghi, der Vorsitzender des Haushaltsausschusses in der Abgeordnetenkammer und bekannt für seine eurokritische Haltung ist, bekräftigte auf Twitter seinen Standpunkt - stellte aber auch klar, dass dieser nicht Teil des Regierungsvertrags sei.

An den Finanzmärkten fanden die Versicherungen wenig Beachtung. Weder italienische Staatsanleihen noch der Euro konnten ihre Kursverluste wieder wettmachen. Der Risikoaufschlag für italienische Staatspapiere stieg im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen auf ein Fünfjahreshoch. Die Rendite für italienische Staatstitel mit einer Laufzeit von zehn Jahren kam in die Nähe eines Vierjahreshochs. Außerdem geriet der Euro unter Druck. Wegen der neuen Turbulenzen büßte auch der Dax einen Großteil seiner Vortagsgewinne wieder ein und rutschte ins Minus.

Bereits am Freitag hatte Italiens Schuldenpolitik die Anleger vergrault: Die Regierungskoalition aus der Rechtspartei Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Neuverschuldung 2019 auf 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Die Vorgängerregierung hatte mit 0,8 Prozent geplant. In Rom türmt sich insgesamt ein Schuldenberg von 2,3 Billionen Euro, das entspricht 132 Prozent der Wirtschaftsleistung.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani forderte die Regierung am Dienstag auf, die Haushaltspläne zu überarbeiten. «Das Problem ist nicht die Europäische Kommission, es ist weder Brüssel, London noch New York, das Problem sind die Inhalte eines Haushalts, die die Märkte und Investoren verschrecken», sagte er vor Journalisten in Straßburg. Solange noch Zeit sei, müsse die Haushaltsplanung überarbeitet werden.

Wegen der Pläne zeichnet sich auch ein Streit zwischen der populistischen Regierung und der EU-Kommission ab. Äußerungen von Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Montag in Freiburg kamen in Italien gar nicht gut an. Er hatte eine strenge Gangart gegenüber Italien angemahnt und nach der Bewältigung der Griechenlandkrise vor einer neuen Krise gewarnt. Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini erklärte daraufhin, niemand glaube Junckers «Drohungen» und machte ihn und «andere europäische Bürokraten» für die Reaktionen der Märkte verantwortlich.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 10. 2018
17:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Antonio Tajani Claudio Borghi Europäische Kommission Facebook Finanzmärkte Jean-Claude Juncker Kritik Matteo Salvini Schuldenprobleme Twitter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Paschal Donohoe

09.07.2020

Paschal Donohoe wird Chef der Eurogruppe

Mit erst 45 Jahren übernimmt der irische Finanzminister Paschal Donohoe einen der mächtigsten Posten in Brüssel. Mitten in der Corona-Krise wartet viel Arbeit auf ihn. » mehr

Nadia Calviño

25.06.2020

Drei Bewerber im Rennen um Spitzenjob der Eurogruppe

Die meisten EU-Staaten haben auch die gemeinsame Währung und stimmen sich in der Eurogruppe ab. Deren Chef Mario Centeno räumt seinen Posten. Das Rennen um die Nachfolge wird spannender als gedacht. » mehr

Juncker und Conte in Brüssel

19.12.2018

Sieg der Vernunft? Italien und EU legen Haushaltsstreit bei

Italien fürchtete milliardenschwere Strafen aus Brüssel, die EU-Kommission ein weiteres Erstarken der Europa-Feinde. Nun ist der Streit um Roms Schuldenpläne gelöst. Vorerst. » mehr

ESM-Chef Klaus Regling

12.05.2020

ESM-Chef: Auch Italiens Schulden sind tragfähig

Die Eurostaaten pumpen in der Corona-Krise Milliarden in die Wirtschaft - und verschulden sich enorm. Aber der Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus beschwichtigt. » mehr

Bahn

11.05.2020

Bund plant milliardenschwere Hilfen für die Deutsche Bahn

Die Kunden sollen davon möglichst wenig spüren: Die Bahn muss in der Corona-Krise kräftig sparen - nur dann will der Bund mit Milliarden helfen. Dafür soll auch der Vorstand Verzicht üben. » mehr

Flaggen

11.06.2019

Defizitstreit mit Italien: EU-Staaten stützen die Kommission

Für das Strafverfahren gegen Italien wegen seiner Haushaltslöcher hat die EU-Kommission Rückendeckung der EU-Staaten bekommen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand in Meiningen Meiningen

Brand Spartenheim Meiningen | 04.08.2020 Meiningen
» 17 Bilder ansehen

Brand Muellverbrennung

Brand Müllverbrennung Zella-Mehlis | 02.08.2020 Zella-Mehlis
» 25 Bilder ansehen

Waldbrand Lauscha

Waldbrand Lauscha | 02.08.2020 Lauscha
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 10. 2018
17:03 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.