Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Wirtschaft

Koalition will Meisterbrief wieder stärken

Für Berufe wie Fliesenleger oder Rolladen- und Jalousienbauer gilt seit vielen Jahren keine Meisterpflicht mehr. Der Spitzenverband des Handwerks fordert seit langem, das wieder zu ändern. Die Koalition hat das aufgenommen - und kommt nun einen Schritt weiter.



Fliesenleger
Ein Fliesenleger bearbeitet Fliesen für eine Wand. Die Koalitionsfraktionen wollen den Meisterbrief stärken und streben eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen an.   Foto: Ina Fassbender

Eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen rückt näher. Eine Arbeitsgruppe der Koalitionsfraktionen Union und SPD verständigte sich auf Eckpunkte für eine Änderung der Handwerksordnung.

Der Meisterbrief im Handwerk sei die «beste Garantie» für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz und Leistungsfähigkeit, heißt es in dem Papier. Es lag der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag vor.

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen, etwa für Rolladen- und Jalousienbauer, Gold- und Silberschmiede oder Fliesenleger. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen.

Die Koalitionsfraktionen wollen nun, dass alle diese Gewerke sowie die Sozialpartner Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten sollen. Auf Basis dieser Konsultationsergebnisse soll in der Sommerpause ein

Gesetzentwurf erarbeitet werden, der im Herbst im Bundestag beraten werden kann. «Wir möchten, dass das Gesetz zum 1.1.2020 in Kraft treten kann», heißt es in dem Eckpunkte-Papier.

Ziele bei der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Rahmen von europa- und verfassungsrechtlichen Vorgaben sei es, die Leistungsfähigkeit sowie wettbewerbsfähige betrieblicher Strukturen

im Handwerk zu stärken, heißt es. Die Ausbildungsqualität solle gewährleistet sein, die Innovationsfähigkeit gesichert werden. Bei der Rückkehr von Gewerken in die Meisterpflicht solle sichergestellt werden, dass bestehende Betriebe in diesen Gewerken, die nicht über einen Meisterbrief verfügen, dauerhaft Bestandsschutz genießen.

Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) sagte, Ziel sei es, den Meisterbrief zu stärken. «Das haben wir bereits im Koalitionsvertrag vereinbart, jetzt gehen wir den nächsten Schritt.» Das

Wirtschaftsministerium erhalte den Auftrag, transparente und

gerichtsfeste Kriterien für die Ausweitung der Meisterpflicht zu entwickeln.

SPD-Fraktionsvize Sören Bartol sagte: «Wir wollen das Handwerk stärken und dabei für die Kunden sicherstellen, dass sie eine gute Qualität von Fachleuten bekommen. Dafür wollen wir den

Meisterbrief als Qualitätssiegel für einige Gewerke wieder einführen.»

Der Zentralverband des Handwerks dringt seit langem auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hatte vor Marktverzerrungen gewarnt. «Wir können nicht jeden wild drauflos arbeiten lassen», hatte er der dpa gesagt. Eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher zulassungsfreien Gewerken werde zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und fairen Marktbedingungen führen. Im Handwerk gebe es eine zunehmend Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen etwa bei der Qualität.

Die Monopolkommission dagegen hatte gewarnt, eine Ausweitung des «Meisterzwangs» dürfte zu einem deutlichen Rückgang der Betriebsgründungen in zulassungsfreien Gewerken führen. Die Kunden profitierten derzeit von der «stärkeren qualitativen Differenzierung» handwerklicher Leistungen. Das bedeutet, sie könnten selbst entscheiden, für welche Arbeit sie einen teureren Meisterbetrieb engagierten oder einen günstigeren Anbieter.

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte der dpa, das Handwerk und der Meisterbrief könnten nur mit den Beschäftigten zusammen gestärkt werden. «Damit das Handwerk wieder ein attraktiver Arbeitgeber wird, gehören neben dem Meisterbrief die Themen Tarifbindung und Arbeitsbedingungen ganz oben auf die Tagesordnung. Das sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.» Derzeit gelte nur noch für rund 30 Prozent der Beschäftigten im Handwerk ein Tarifvertrag. Gleichzeitig fehlten bereits jetzt 250 000 Fachkräfte.

Veröffentlicht am:
09. 04. 2019
15:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitnehmer Berufe CDU Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Fachkräfte Gefahren Handwerk Handwerksordnung Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Sören Bartol Verbraucherschutz Wirtschaftsministerien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Fachkräftemangel

29.04.2019

Fachkräftemangel ist «Mega-Thema» für Handwerk

Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend Mitarbeiter. Gerade in Firmen ohne Meisterbrief wird wenig ausgebildet. Das Handwerk hofft daher auf eine möglichst rasche Rückkehr zum Meisterbrief. » mehr

Strandurlauber

29.04.2019

Bundesregierung will Reisebranche in Deutschland stärken

Die Tourismuswirtschaft hat Millionen Beschäftigte. Zwar ist Deutschland als Reiseland immer beliebter. Die Branche klagt aber über hohe Kosten und viel Bürokratie. Die Regierung will nun handeln. » mehr

Bundeswirtschaftsminister Altmaier

21.05.2019

Nach EuGH-Urteil: Altmaier will nicht zurück zur Stechuhr

Das europäische Urteil zur Arbeitszeit könnte noch für Streit in der schwarz-roten Koalition sorgen. Es geht darum, ob und welche Konsequenzen in Deutschland gezogen werden müssen. Nun positioniert sich der Wirtschaftsmi... » mehr

Online-Handel

24.05.2019

Länder-Beschlüsse zu Plastikmüll und Fake-Shops

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln war eines der umstrittensten Themen bei der dreitägigen Konferenz der Verbraucherschutzminister (VSMK) in Mainz. Dennoch gibt es eine Reihe von Beschlüssen zu ganz unterschiedlichen Th... » mehr

Arbeitszeit

vor 11 Stunden

Arbeitszeit-Urteil: Familienunternehmer warnen

Zurück zur Stechuhr? Ein europäisches Urteil wirft viele Fragen auf. Inwiefern sind in Deutschland nun Konsequenzen nötig? Die Familienunternehmer haben eine klare Position. » mehr

Konditor

12.05.2019

Zahl der Konditoreien steigt seit Jahren

Die Konkurrenz durch Großbetriebe und Discounter setzt das Lebensmittelhandwerk unter Druck. Gegen den Trend behaupten sich die Hersteller von Torten, Pralinen und anderen süßen Leckereien. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schmalkaldener PrachtParade Schmalkalden

Prachtparade Schmalkaden Samstag | 25.05.2019 Schmalkalden
» 31 Bilder ansehen

25. Feuerwehr-Jugendleistungsmarsch in Eisfeld Eisfeld

25. Jugendleistungsmarsch | 25.05.2019 Eisfeld
» 11 Bilder ansehen

Schmalkalden feiert „Am Walperloh“ - Mit dem Schweizer Star-DJ Antoine Schmalkalden

Prachtparade Schmalkalden Freitag | 24.05.2019 Schmalkalden
» 20 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 04. 2019
15:51 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".