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Wirtschaft

Keine Tabus: Renault will nach Verlust Milliarden sparen

Die Ära von Autoboss Carlos Ghosn bei Renault ist vorbei - doch der Hersteller kommt nicht aus der Krise. Die Franzosen wollen nun gegensteuern. Fabrikschließungen sind nicht ausgeschlossen.



Renault
Die Krise bei Nissan schlägt nun auch beim französischen Partner Renault durch: Erstmals seit 2009 ist der Autobauer in die roten Zahlen gerutscht.   Foto: Uli Deck/dpa

Renault ist erstmals seit zehn Jahren in die roten Zahlen gerutscht und will nun massiv sparen. Die Kosten sollen um mehr als zwei Milliarden Euro sinken, ein Plan dafür ist im Mai geplant, wie Interimschefin Clotilde Delbos am Freitag sagte.

Dabei stehen auch Fabriken in Frankreich und in der ganzen Welt auf dem Prüfstand. «Wir haben kein Tabu, wir schließen nichts aus», sagte die Generaldirektorin bei der Vorlage der Geschäftszahlen in Boulogne-Billancourt bei Paris.

Delbos ließ erkennen, dass dringend gehandelt werden muss. Der Sparplan soll deshalb in Grundzügen noch vor der Ankunft des Italieners Luca de Meo verkündet werden. Der frühere Seat-Chef wird seinen neuen Posten als Generaldirektor bei Renault am 1. Juli antreten. Nach dem Skandal um den früheren Konzernchef Carlos Ghosn sucht der Hersteller schon länger nach einem Neuanfang - auch an der Spitze.

Der Fehlbetrag betrug im vergangenen Jahr 141 Millionen Euro nach einem Jahresüberschuss von 3,3 Milliarden Euro 2018. Der Umsatz des französischen Traditionskonzerns sank um 3,3 Prozent auf rund 55,5 Milliarden Euro. Zuletzt hatte es 2009 rote Zahlen gegeben. Der Verlust beruht teilweise auf einem kräftig gesunkenen Beitrag des kriselnden Partners Nissan. Die Japaner hatten bereits angekündigt, dass wegen schwacher Verkäufe erstmals seit elf Jahren einen Quartalsverlust eingefahren wurde.

Nissan trug bisher Milliardenbeträge zum Renault-Gewinn bei - diese Zeiten scheinen erstmal vorbei zu sein. Im vergangenen Jahr steuerte Nissan nur noch 242 Millionen Euro bei. Verluste bei Gemeinschaftsunternehmen in China belasteten zudem den Gewinn von Renault, auch Steuereffekte im Heimatland schlugen kräftig zu Buche.

Renault, an dem der französische Staat beteiligt ist, hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan. Die Japaner sind zu 15 Prozent an Renault beteiligt, haben aber dabei keine Stimmrechte. Der französische Hersteller will im Mai neue Projekte für die französisch-japanische Autoallianz ankündigen, die nach Ghosns Fall ebenfalls in eine heftige Krise geraten war.

Zurückhaltend zeigte sich Delbos bei Fragen zum einstmals schillernden Autoboss Ghosn. Sie ließ die Frage unbeantwortet, ob auch Renault den 65-Jährigen verklagen könnte. Nissan hatte den früher allmächtigen Architekten des Autobündnisses von Renault, Nissan und Mitsubishi auf Schadenersatz in Höhe von rund 10 Milliarden Yen (83 Mio Euro) verklagt. Damit solle ein Teil der finanziellen Schäden ausgeglichen werden, die Ghosn Nissan durch sein jahrelanges betrügerisches und korruptes Verhalten zugefügt habe, hatte es in Japan unverblümt geheißen.

Der Ex-Manager war am 19. November 2018 in Tokio unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde der gebürtige Brasilianer unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn floh dann Ende Dezember unter abenteuerlichen Umständen in einem Privatjet nach Beirut, angeblich in einer Kiste versteckt.

In Frankreich steht noch ein Rechtsstreit an um Ghosns Rente. Es geht um eine jährliche Zahlung von 800 000 Euro, außerdem fordert Ghosn laut Zeitung «Le Figaro» 15 Millionen Euro in Aktien. Schon bald ist ein Termin bei einem Arbeits-Schiedsgericht geplant.

Asien und insbesondere China machen Renault Sorgen. Delbos warnte vor Risiken im Zusammenhang mit der Covid-19 genannten Lungenkrankheit. Der Konzern habe dafür ein Krisenmanagement eingesetzt. Außer einem Standort in Südkorea würden derzeit alle Renault-Fabriken laufen. Aus der besonders betroffenen Region Hubei in Zentralchina kommen aber viele Auto-Teile, sagte Delbos. Die Auswirkungen seien deshalb schwer abzusehen. «Das Problem ist: Wir haben keine Sicht», sagte sie.

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 02. 2020
13:29 Uhr

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14. 02. 2020
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