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Wirtschaft

Jobsicherung: IG Metall nennt keine konkrete Lohnforderung

Mit einem ungewöhnlichen Signal geht die IG Metall in die anstehende Metall-Tarifrunde. Sie will über sichere Jobs und Investitionen sprechen, statt knallhart zusätzliche Lohnprozente herauszuholen.



Stahlarbeiter
Stahlarbeiter am Hochofen 8 bei ThyssenKrupp in Duisburg: Die IG Metall will in der anstehenden Tarifrunde für die deutsche Metall-und Elektroindustrie zunächst auf eine konkrete Lohnforderung verzichten.   Foto: Roland Weihrauch/dpa

Die IG Metall will in der anstehenden Tarifrunde für die deutsche Metall-und Elektroindustrie zunächst auf eine konkrete Lohnforderung verzichten.

Am Freitag forderte der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann die Arbeitgeber zu Verhandlungen über ein «Zukunftspaket» für die rund 4 Millionen Beschäftigten auf.

Die Unternehmen sollten bis zum 3. Februar erklären, ob sie an Verhandlungen über Kündigungsverzicht, künftige Investitionen, Kurzarbeit und Qualifizierungen teilnehmen wollen. Ziel sei eine Einigung zu tariflichen Aspekten des Zukunftspakets und Entgelt noch vor Ende der Friedenspflicht am 28. April.

Sollten die Arbeitgeber zu diesem «Moratorium für einen fairen Wandel» nicht bereit sein, werde die IG Metall doch noch eine Lohnforderung aufstellen und eine «konfliktäre» Tarifrunde starten, die dann halt entsprechend später zu einem Abschluss komme.

Nach Vorstellungen der Gewerkschaft sollte jedes Unternehmen mitten im digitalen und ökologischen Wandel konkrete Pläne für die Zukunft entwickeln. Rund die Hälfte der Betriebe habe dazu aber noch keine oder keine ausreichenden Strategie, kritisierte Hofmann. Die IG Metall verlange daher Verhandlungsbereitschaft zu betrieblichen Zukunftsverträgen mit konkreten Investitions- und Beschäftigungsperspektiven.

Mit den Arbeitgeberverbänden wolle man den «Werkzeugkasten» zur Krisenbewältigung erweitern, sagte Hofmann. Die Gewerkschaft verlangt hier mehr Altersteilzeit, mehr Rechte zur beruflichen Weiterbildung sowie die möglichst einkommensneutrale Absenkung des Arbeitsvolumens, wenn die Auslastung sinkt. Die tarifgebundenen Firmen sollen sich für das Moratorium bereit erklären, keine einseitigen Jobstreichungen oder Produktionsverlagerungen zu veranlassen. Statt Stellenstreichungen sollen kürzere Arbeitszeiten, Kurzarbeit und Weiterbildung greifen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall reagierte positiv auf den Verhandlungsvorschlag. «Wir begrüßen, dass die IG Metall den Ernst der Lage anerkennt», hieß es beim Verband in Berlin. Jedes Unternehmen prüfe bereits ununterbrochen, ob Produkte, Produktion, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten noch passten. «Welche Voraussetzungen notwendig sind, den Strukturwandel anzugehen, und wie wir als Sozialpartner unseren Beitrag dazu leisten können, muss auch aus unserer Sicht im Mittelpunkt der Tarifrunde stehen.»

Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen habe als Garant jeder Beschäftigungssicherung oberste Priorität, mahnte NRW-Metall-Präsident Arndt Kirchhoff. «In dem vom Vorsitzenden der IG Metall vorgeschlagenen Prozess kann es nur darum gehen, effiziente tarifliche Instrumente zu entwickeln, die die Unternehmen der Branche in einem sehr schwierigen Umfeld unterstützen.»

Der Schwerpunkt zur Beschäftigungssicherung war bereits bei den Auftaktsitzungen der regionalen Tarifkommissionen in den vergangenen Wochen deutlich geworden. Höhere Entgelte für die rund 4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie sollen zwar ebenfalls durchgesetzt werden, stehen aber nicht im Mittelpunkt der gewerkschaftlichen Debatte. Auch Hofmann betonte, dass die Kaufkraft der Beschäftigten gestärkt werden müsse. Das würde einen Abschluss oberhalb der Inflation bedeuten. Ein Ende der Entgelterhöhungen werde es mit der IG Metall nicht geben, sagte der Gewerkschafter.

Der Verzicht auf eine konkrete Zahl ist bei der IG Metall kein Novum. Bereits in der Tarifrunde 2010 hatte die Gewerkschaft angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise nach der Lehman-Pleite die Jobsicherung in den Vordergrund gestellt. 2018 hatte sie 6,0 Prozent verlangt.

Erste Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern sollen auf regionaler Ebene im März beginnen. Die bestehenden Tarifverträge laufen zum 31. März aus, die Friedenspflicht endet am 28. April. Ab dem Folgetag sind Warnstreiks möglich.

Die Gewerkschaft agiert nach eigener Einschätzung aus einer Position der Stärke. Ende vergangenen Jahres habe man gut 2,26 Millionen Mitglieder gehabt, rund 8000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Beitragseinnahmen seien dennoch auf den Rekordbetrag von 598 Millionen Euro gestiegen.

Veröffentlicht am:
24. 01. 2020
18:08 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
24. 01. 2020
18:08 Uhr



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