Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Ja zur Bahnfusion von Alstom mit Bombardier

Das Nein der EU-Kommission zur Bahn-Fusion von Siemens und dem französischen Konkurrenten Alstom löste im vergangenen Jahr Empörung aus. Nun können zumindest die Franzosen etwas aufatmen.



Alstom
Der Bahntechnik-Konzern Alstom aus Frankreich plant die Übernahme der Zugsparte des kanadischen Unternehmens Bombardier.   Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Nach der geplatzten Elefantenhochzeit mit Siemens hat der Zughersteller Alstom nun aus Brüssel die Erlaubnis zur Megafusion mit einem anderen Konkurrenten: Das französische Unternehmen darf die Zugsparte des kanadischen Konzerns Bombardier übernehmen, wie die EU-Kommission am Freitag mitteilte.

Doch gelten Auflagen, und die betreffen auch Deutschland: Ein Teil der Bombardier-Produktion in Hennigsdorf bei Berlin muss verkauft werden. Zusammen beschäftigen die beiden Weltkonzerne etwa 9000 Menschen in der Bundesrepublik.

Im Februar 2019 hatte die EU-Kommission den Zusammenschluss von Alstom - bekannt vor allem als Hersteller des Hochgeschwindigkeitszuges TGV - und Siemens untersagt. Der Wettbewerb würde eingeschränkt, hieß es damals. Die Zugeständnisse der damaligen Partner hätten nicht ausgereicht. Nun machten Alstom und Bombardier Transportation so umfassende Angebote an die Brüsseler Wettbewerbshüter, dass diese Ja sagten. Ohne die Zusagen wäre auch diese Fusion wettbewerbsrechtlich bedenklich gewesen, erklärte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager.

So muss sich Bombardier Transportation von der Talent-3-Fernzugplattform trennen und eben auch von der Produktionsanlage für den Talent 3 in Hennigsdorf. Zudem will Bombardier seinen Projektanteil an der Kooperation für den Hochgeschwindigkeitszug V300Zefiro abgeben.

Alstom soll die Coradia-Polyvalent-Fernzugplattform und die Produktionsanlage im französischen Reichshoffen veräußern. In der Sparte Signaltechnik muss das neue Unternehmen Konkurrenten Technik und Informationen zur Verfügung stellen, um den Wettbewerb zu sichern. Die Genehmigung der EU-Kommission ist an die Bedingung geknüpft, dass die Zusagen vollständig umgesetzt werden.

Beide Unternehmen gehören zu den Weltmarktführern im Schienenverkehr. In ihren hochmodernen Zügen führen täglich Millionen Menschen in der EU, unterstrich Kommissarin Vestager. «Das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen wird künftig eine stärkere Marktstellung haben», fügte sie an. Doch bleibe dank der Zusagen der Wettbewerb erhalten, was Kunden und Verbrauchern zugute komme.

Alstom und Bombardier begrüßten Vestagers Entscheidung. Es stünden nun noch Genehmigungen anderer Wettbewerbsbehörden aus, doch solle die Übernahme spätestens Ende Juni 2021 abgeschlossen werden. Sie kostet Alstom nach Angaben vom Februar 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro.

Ob das Geschäft allerdings auch für die Beschäftigten der beiden Konzerne aufgeht, ist aus Sicht der Gewerkschaften noch nicht ausgemacht. Sie fürchten, dass Bombardier- und Alstom-Standorte wegen der Übernahme in Gefahr sein könnten. Bombardier Transportation hat in Deutschland mehrere Werke, Alstom betreibt sein größtes Werk in Deutschland.

«Für uns geht es jetzt erst richtig los», sagte IG-Metall-Hauptkassierer Jürgen Kerner. «Die Beschäftigten verdienen Sicherheit und Klarheit. Arbeitsplätze und Standorte müssen gesichert, Mitbestimmung und Tarifstandards gewahrt bleiben werden.» Gefordert seien ein Zukunftskonzept und Zusagen möglicher Käufer von Anlagen in Hennigsdorf. Die Politik müsse den Prozess begleiten. Die Konzerne kündigten Gespräche mit Arbeitnehmervertretern an.

Wettbewerbskommissarin Vestager hatte sich nach ihrem Veto gegen die Fusion Siemens-Alstom 2019 schwere Vorwürfe anhören müssen, einen «europäischen Champion» verhindert zu haben. Damals hatten sich sowohl die Bundesregierung als auch die französische Regierung enttäuscht über die Entscheidung der EU-Kommission gezeigt.

Diesmal sprach Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire von einer «guten Nachricht» für die europäische Bahntechnikbranche. «Diese Entscheidung erlaubt eine Stärkung von Alstom und Bombardier, indem ein maßgebliches, weltweit führendes Unternehmen geschaffen wird», erklärte Le Maire.

Aus Berlin hieß es nur: «Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nimmt die heutige Entscheidung der Europäischen Kommission zur Kenntnis. Die Zuständigkeit für die wettbewerbsrechtliche Prüfung des Zusammenschlusses lag allein bei der Europäischen Kommission.»

© dpa-infocom, dpa:200731-99-997288/4

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 07. 2020
21:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alstom Bombardier Bruno Le Maire Bundesministerien Bundesministerium für Wirtschaft Europäische Kommission Europäische Union Französische Regierungen Gewerkschaften Kanadische Konzerne Kartellämter Margrethe Vestager Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Siemens AG Weltkonzerne Wettbewerbshüter Wettbewerbsrecht
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bombardier Görlitz

17.02.2020

Milliarden-Deal: Alstom will Bombardier-Zugsparte kaufen

Die großen Bahntechnik-Konzerne Alstom, Siemens und Bombardier ringen seit langem um Zusammenschlüsse, um der chinesischen Konkurrenz Paroli zu bieten. Nun steht ein neuer Milliardendeal an. Aber auch dafür müssen die We... » mehr

Alstom

18.02.2020

Paris hofft auf Ja der EU-Kommission zur Bahnfusion

Ein Deal mit dem deutschen Industriegiganten Siemens wurde abgeblasen - nun darf es für Alstom kein Scheitern mehr geben. Paris setzt sich bei der EU persönlich für die Übernahme ein. Doch die Hürden gelten als hoch. Und... » mehr

Lufthansa

30.05.2020

Lufthansa-Rettung nimmt wichtige Hürde

Staatshilfe gibt es nur gegen Start- und Landerechte: Berlin und Brüssel haben sich auf zentrale Eckpunkte zur Rettung der Lufthansa geeinigt. In trockenen Tüchern ist das Paket aber noch nicht. » mehr

EU will in die Offensive

17.06.2020

EU will mehr Schutz vor Übernahmen aus dem Ausland

Nein, nein, die Vorschläge richteten sich nicht gezielt gegen China, betont die EU-Kommission. Die Behörde dringt auf faire Bedingungen im Wettbewerb. Peking dürfte über die Vorschläge aus Brüssel dennoch nicht erfreut s... » mehr

Europäische Kommission

08.07.2020

EU genehmigt deutschen Rettungsschirm für Unternehmen

Deutschland darf mit weiteren Milliardensummen die von der Corona-Pandemie gebeutelte Wirtschaft unterstützen. Doch die EU-Wettbewerbshüter machen noch einmal klar: Auch in der Corona-Krise müssen Regeln und Auflagen ein... » mehr

Lufthansa

26.05.2020

Lufthansa-Hilfspaket umstritten - EU-Auflagen möglich

Neun Milliarden Euro für die Lufthansa sind ein dicker Brocken. Entsprechend positionieren sich Gegner und Befürworter der Staatshilfen. Eine entscheidende Rolle könnte die EU spielen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Montgolfiade Heldburg

Montgolfiade | Heldburg
» 24 Bilder ansehen

Brand Tettau Tettau

Großbrand Tettau | 09.08.2020 Tettau
» 39 Bilder ansehen

Flächenbrand Limbach Limbach

Flächenbrand Limbach | 09.08.2020 Limbach
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 07. 2020
21:41 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.