Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

Immer mehr Mini- und Teilzeitjobber

Jung, weiblich und ohne deutschen Pass: Das sind Eigenschaften von vielen Menschen, die atypisch beschäftigt sind. Und es gibt regionale Unterschiede. Arbeitgebervertreter halten flexible Beschäftigungsformen für notwendig. Kritiker warnen vor Risiken.



Reinigungskraft
Eine Gebäudereinigerin wischt einen Flur. Ein Fünftel aller Kernbeschäftigten in Deutschland arbeitet in Teilzeit, einem Minijob oder ist befristet angestellt.   Foto: Jens Büttner

Ein Fünftel aller Kernbeschäftigten in Deutschland arbeitet in Teilzeit, einem Minijob oder ist befristet angestellt.

Die Zahl dieser sogenannten atypischen Beschäftigten rangiere weiterhin auf einem hohen Niveau, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung am Montag mit. Im Gesundheits- und Sozialwesen ist sie am höchsten, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Als Kernbeschäftigte gelten Arbeitnehmer im Alter zwischen 15 und 64 Jahren.

Grundlage für die WSI-Datenauswertung sind die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2017. Atypisch beschäftigt ist, wer in Teilzeit arbeitet, einen Minijob hat oder befristet beziehungsweise als Leiharbeiter angestellt ist. Ausgenommen sind Menschen die eine Ausbildung machen, in einem Ferienjob arbeiten oder etwa einen Dienst wie den Wehrdienst leisten.

Laut WSI gibt es unterschiedliche Faktoren, die mit atypischer Beschäftigung zusammenhängen - zum Beispiel das Geschlecht: Fast jede dritte Frau steckt in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis. Bei den Männern trifft dies hingegen nur auf knapp jeden Zehnten zu.

Atypische Beschäftigung ist laut dem Sozialverband VdK ein Risiko mit Blick auf die Rente. Viele Frauen verzichten zum Beispiel für die Kindererziehung auf Vollzeitstellen und arbeiten stattdessen in Mini- oder Teilzeitjobs. So erhielten sie später nur eine kleine Rente und seien besonders häufig von Altersarmut betroffen, erklärt VdK-Sprecherin Cornelia Jurrmann.

Flexible Beschäftigungsformen wie Minijobs sind aus Sicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) aber auch unverzichtbar für die Arbeitsmarktdynamik: «Sie erleichtern den Einstieg in Arbeit und bieten neue Beschäftigungsperspektiven für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose.»

In den Augen der Gewerkschaften ist das jedoch «Rosinenpickerei». «Der Arbeitgeber holt sich den Arbeitnehmer ran, wenn er ihn braucht und wenn er ihn nicht mehr braucht, wird er wieder entlassen», kritisiert der Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Johannes Jakob. Minijobs führten zu einer Entwertung der eigenen Qualifikation. «Die meisten sind nicht qualifikationsgerecht beschäftigt, der Fachkräftemangel wird verschärft.» Dasselbe gilt demnach für Leiharbeiter. Diese seien trotz abgeschlossener Berufsausbildung häufig als Helfer beschäftigt und verdienten deshalb weniger.

Auffällig sind Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. In Brandenburg ist der Anteil an atypisch Beschäftigten mit 14 Prozent am niedrigsten, in Bremen mit 26,2 Prozent dagegen am höchsten. In den Ost-Bundesländern ist die Quote nicht höher als 17,5 Prozent. Der Westen weist dagegen höhere Anteile auf: Hamburg hat mit 17,9 Prozent noch den niedrigsten unter den West-Bundesländern. Grund ist nach Auffassung des WSI die besser ausgebaute Kinderbetreuung im Osten. Das ermögliche vor allem Frauen, Vollzeit zu arbeiten.

Entscheidend ist auch das Alter: Berufsanfänger erhalten oft nur einen befristeten Vertrag und sind damit atypisch beschäftigt, wie das WSI schreibt. Unter den 15- bis 24-Jährigen betrifft das fast ein Drittel. Außerdem ist entscheidend, ob man Deutscher ist oder nicht und wie hoch der Bildungs- oder Berufsabschluss der Arbeitnehmer ist.

Besonders die Zahl der atypisch-beschäftigten Ausländer nahm über die Jahre zu. Durch die gute Konjunktur seit 2011 sank dagegen die Zahl der deutschen Frauen in atypischer Beschäftigung um knapp 450 000 und die der Männer um 183 000.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
08:46 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitgeberverbände Arbeitsmarktexperten Ausländer Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Deutsche Frauen Fachkräftemangel Geringfügige Beschäftigung Gewerkschaften Sozialverband VdK Sozialverbände Statistisches Bundesamt Zeitarbeiter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Frauenquote

28.08.2019

Mehr reguläre Jobs in Deutschland

Job ist nicht gleich Job. Die amtliche Statistik bezeichnet eine Reihe von Arbeitsverhältnissen als atypisch - etwa Zeitverträge, Leiharbeit oder kurze Teilzeit. Dank der guten Konjunktur finden Menschen häufiger Jobs, d... » mehr

Bundesarbeitsminister Heil besucht DHL

vor 9 Stunden

Neues Gesetz soll Ausbeutung von Paketboten verhindern

Schuhe, Bücher, Geräte - es gibt kaum etwas, was man nicht im Internet bestellen kann. Die Paketboten arbeiten dabei oft unter fragwürdigen Bedingungen. Die Regierung will das ändern. » mehr

Mindestlohn

10.07.2019

1,3 Millionen Beschäftigte arbeiteten unter Mindestlohn

Eigentlich darf die Lohnuntergrenze in Deutschland nicht unterschritten werden. Den DIW-Wirtschaftsforscher zufolge passiert dies dennoch öfter. » mehr

Analyse: Kriminelle Mitarbeiter verursachten hohen Schaden

04.09.2019

Kriminelle Mitarbeiter verursachten hohen Schaden

Bei Betrug lauert die Gefahr für Unternehmen vor allem intern: Kriminelle Beschäftigte richten in den eigenen Betrieben einer neuen Untersuchung zufolge deutlich mehr Schaden an als externe Täter. Dabei gelte: Wer einmal... » mehr

Stechuhr

14.05.2019

Arbeitgeber müssen Arbeitszeiten systematisch erfassen

Überstunden machen viele - aber längst nicht alle werden auch notiert. Der Europäische Gerichtshof fordert nun Erfassungssysteme für alle. Und erschrickt auch deutsche Arbeitgeber. » mehr

Reiner Hoffmann

24.08.2019

DGB-Chef: Tarifflucht im Osten setzt auch Westen unter Druck

Viele Unternehmen denken nicht volkswirtschaftlich genug, sagt der DGB-Bundesvorsitzende Reiner Hoffmann. Gute Bezahlung sorge für Stabilität der Wirtschaft. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand Hütte Suhl Suhl-Heinrichs

Brand Suhl-Heinrichs | 17.09.2019 Suhl-Heinrichs
» 16 Bilder ansehen

Unfall A71 bei Meiningen A 71

Unfall A71 bei Meiningen | 16.09.2019 A 71
» 5 Bilder ansehen

Erntedankfest Bücheloh Bücheloh

Erntedankfest Bücheloh | 16.09.2019 Bücheloh
» 41 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
08:46 Uhr



^