Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

IWF will höhere Löhne in Deutschland

Die erfolgsverwöhnte deutsche Wirtschaft schwächelt. Firmen sind verunsichert und investieren weniger. Der deutsche Finanzminister dagegen will Zuversicht verbreiten - und sieht Fortschritte im Kampf gegen Steuerdumping.



Lohn- und Gehaltsabrechnung
Der Internationale Währungsfonds IWF fordert höhere Löhne und Gehälter in Deutschland.   Foto: Arno Burgi

Der IWF will höhere Löhne und Gehälter in Deutschland. Nicht schnell genug gestiegene Löhne seien der Hauptgrund für den großen Handelsbilanzüberschuss Deutschlands, sagte der Europadirektor des IWF, Poul Thomsen, bei der Frühjahrstagung der Organisation in Washington.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat dagegen vor einem Schwarzmalen der wirtschaftlichen Lage in Deutschland gewarnt. Der SPD-Politiker wies am Freitag zugleich Forderungen nach Konjunkturprogrammen zurück. Scholz sagte in Washington, zwar habe sich das Wachstum in Deutschland verlangsamt. «Aber es ist unverändert ein Wachstum.»

Der IWF hatte Deutschland für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent prognostiziert - nach 1,5 Prozent im vergangenen Jahr. Die Bundesrepublik sackte damit noch stärker ab, als die insgesamt schon schwächelnde Eurozone. Die Experten forderten zudem, Deutschland müsse seine starke fiskalische Position mit niedrigen Schulden nutzen, um mehr in Infrastruktur und Bildung zu investieren und damit die Wirtschaft flott zu machen.

Der IWF erkannte jedoch auch an, dass Deutschland in jüngster Zeit einiges in dieser Richtung getan hat. Beispielsweise sei der Außenhandelsüberschuss von 2015 weit über acht Prozent inzwischen deutlich reduziert worden. «Aber wir wollen noch mehr sehen», sagte Thomsen.

Scholz verwies auch auf die stabile Lage des Arbeitsmarktes. Hunderttausende Stellen könnten besetzt werden, wenn es den Fachkräftemangel nicht gäbe. In diesem Zusammenhang forderte der IWF Deutschland auf, die Löhne und Gehälter zu steigern. «Im Lichte eines starken Arbeitsmarktes hoffe ich auf eine Erhöhung der Löhne in Deutschland», sagte Europadirektor Thomsen.

Der deutsche Konjunkturmotor ist deutlich ins Stocken geraten. Die Bundesregierung will ihre Wachstumsprognose erneut senken. Laut Medienberichten erwartet sie nur noch ein Plus des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent in diesem Jahr. Im Januar hatte die Regierung noch ein Wachstum von 1,0 Prozent erwartet. Die neue Prognose wird am Mittwoch vorgelegt.

Die Weltwirtschaft hat sich abgekühlt, dies belastet die exportabhängige deutsche Wirtschaft. Vor allem die Industrie schwächelt. Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte aber, die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Deutschland sei gering. Ein dramatischer Abschwung, der Konjunkturpakete notwendig machen würde, zeichne sich nicht ab. Weidmann geht von einer Erholung der deutschen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte aus.

Auch Scholz lehnte Konjunkturprogramme ab, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Bundesregierung habe ihre Investitionen bereits erhöht, sagte der Vizekanzler. Die Regierung werde am Kurs der «schwarzen Null» festhalten, also eines Etats ohne neue Schulden.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire hatte der «Financial Times» gesagt: «Es gibt viele Länder in der Eurozone, die die Mittel haben, mehr zu investieren.» Er nannte Deutschland, die Niederlande und Finnland. Auch der IWF vertritt seit langem die Meinung, Deutschland müsse mehr investieren.

Scholz bekräftigte mit Blick auf Handelskonflikte, die Politik müsse alles dafür tun, «politische Risiken» für die Weltwirtschaft zu verringern. Es gebe Signale, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China beigelegt werden könne. Zu drohenden höheren US-Einfuhrzöllen auf europäische Autos, sagte Scholz, er nehme die Stimmung bei der IWF-Tagung als «entspannt» und nicht als angespannt wahr. Höhere Zölle würden vor allem die deutsche Autoindustrie treffen.

Neben der weltwirtschaftlichen Lage ist die Frage der künftigen Besteuerung großer Konzerne ein Schwerpunkt in Washington. Scholz sagte, dr deutsch-französische Vorschlag einer generellen Mindestbesteuerung von Unternehmensgewinnen sei bei Gesprächen der G7-Finanzminister - auch mit den USA - auf große Zustimmung gestoßen.

Länder wie Irland haben mit niedrigen Unternehmenssteuern Digitalkonzerne wie Apple angelockt, die in Europa zwar Milliardengewinne erwirtschaften, aber kaum Steuern zahlen. Etwa ein Dutzend EU-Länder haben bereits nationale Digitalsteuern auf den Weg gebracht, etwa Frankreich und Österreich.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
17:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apple Bruno Le Maire Bundesbankpräsidenten Bundesfinanzminister Deutsche Autoindustrie Deutsche Finanzminister Finanzminister Französische Finanzminister Internationaler Währungsfonds Jens Weidmann Konjunkturprogramme Olaf Scholz Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Weltwirtschaft Weltwirtschaftbericht
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Olaf Scholz

12.04.2019

Erfolgsverwöhnte deutsche Wirtschaft schwächelt

Firmen sind verunsichert und investieren weniger. Der Finanzminister will Zuversicht verbreiten - und sieht Fortschritte im Kampf gegen Steuerdumping. » mehr

US-Internetkonzerne

17.07.2019

G7-Finanzminister beraten über Konzernsteuern

Steuern großer Internetkonzerne, Cybersicherheit und Kryptowährungen: Die Finanzwirtschaft erwartet digitale Herausforderungen. Beim Treffen der G7-Minister steht außerdem eine Personalie im Raum - und ein Streit. » mehr

Olaf Scholz

10.12.2019

Scholz drängt auf Steuer auf Aktienkäufe

Jahrelang stockt die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen auf europäischer Ebene. Finanzminister Scholz legt nun stattdessen einen Entwurf für eine Mini-Abgabe auf Aktien vor. Bei den beteiligten Staaten triff... » mehr

IWF tagt in Washington

11.04.2019

Frühjahrstagung von IWF und Weltbank startet in Washington

Der Internationale Währungsfonds sieht das Wachstum in aller Welt in Gefahr. In Europa sehen die Volkswirte Risiken auf den Finanzmärkten. Und auf der ganzen Welt steigt die Verschuldung. » mehr

Bahn baut aus

13.09.2019

EU-Partner erhoffen mehr Investitionen von Deutschland

Der Klimawandel ist jetzt auch ein Thema für die Finanzminister. Sie sehen viele Aufgaben auf sich zukommen. In Helsinki redeten sie aber auch darüber, was sie dennoch alle bewegt: die Suche nach Wachstum. » mehr

Olaf Scholz

07.11.2019

Banken-Vorstoß von Scholz findet Zuspruch

Deutschland war lange einer der größten Blockierer eines europaweiten Sicherungssystems für Sparguthaben. Jetzt bewegt sich der deutsche Finanzminister. Seine europäischen Amtskollegen sind erfreut, doch der Teufel liegt... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Neues Löschfahrzeug in Crock Crock

Neues Löschfahrzeug Crock | 11.12.2019 Crock
» 5 Bilder ansehen

Unfall Schnee Laster Bedheim Bedheim

Laster-Unfall Bedheim | 11.12.2019 Bedheim
» 31 Bilder ansehen

Hubschrauber-Säge Baumbeschneidung Sonneberg Sonneberg

Baumfällarbeiten Sonneberg | 09.12.2019 Sonneberg
» 37 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
17:27 Uhr



^