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Wirtschaft

IWF sieht Finanzmärkte stabiler, aber dennoch anfällig

Die Stabilität der Finanzmärkte hat seit der Krise vor zehn Jahren zugenommen - aber Risiken gibt es dennoch. Der IWF sieht vor allem in Schwellenländern Anfälligkeiten - und entsprechenden Handlungsbedarf.



IWF-Tagung
IWF-Direktorin Christine Lagarde und der für Wirtschaft und Finanzen zuständige EU-Kommissar Pierre Moscovici auf der Jahrestagung auf Bali.   Foto: Firdia Lisnawati/AP

Aus Sorge vor einer neuen Finanzkrise und einem wachsendem Wohlstandsgefälle warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einer Lockerung der Regeln für die Finanzmärkte.

Unter der geltenden Regulierung seien die Märkte und Finanzinstitute zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise stärker als zuvor, sagte Tobias Adrian, Direktor für Geld- und Kapitalmärkte beim IWF, am Mittwoch in Nusa Dua (Indonesien). Allerdings seien neue Risiken hinzugekommen, etwa extrem hohe Immobilienpreise in Weltstädten wie London oder New York.

«Kurzfristige Risiken haben sich vergrößert und mittelfristige Risiken bleiben erhöht», fasste Adrian die Situation bei der Vorstellung des Berichtes zur Finanzmarktstabilität zusammen. Die weltweiten Handelsstreitigkeiten und dadurch sinkendes Vertrauen von Investoren etwa in China könnten zum Problem werden. In Ländern wie den USA hatte es zuletzt Bestrebungen gegeben, den Finanzmarktakteuren wieder mehr Spielräume zu lassen.

Nach Berechnungen von Welthandelsorganisation (WTO) und IWF würden China und die USA selbst zu den Verlierern zählen, sollte es zu einem ausgewachsenen Handelskrieg kommen. Bei Anwendung der bisher eingeführten und angekündigten Maßnahmen - inklusive Autozölle - würden die USA nach IWF-Berechnung 0,9 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung einbüßen und China 0,6 Prozent.

Bei einem vollen Handelskrieg würde laut WTO das internationale Handelsvolumen um bis zu 17,5 Prozent sinken - mit durchschlagender Wirkung auf die Weltwirtschaft. Durchschnittlich würde jedes Land 1,9 Prozent an Wirtschaftsleistung verlieren. Der IWF hatte in Weltwirtschaftsbericht am Dienstag die Prognose für das globale Wachstum zurückgenommen - von bisher 3,9 auf nur noch 3,7 Prozent.

IWF-Chefin Christine Lagarde forderte dazu auf, auf nationaler Ebene dafür zu sorgen, dass der Welthandel stärker den Menschen zugute kommt: «Wir müssen sicherstellen, dass der Handel effektiver organisiert wird, um für die Menschen Ergebnisse zu liefern.»

Zuvor hatte IWF-Chefökonom Maury Obstfeld darauf aufmerksam gemacht, dass die derzeit zu beobachtenden weltwirtschaftlichen Tendenzen zu weiteren Ungleichgewichten zwischen Arm und Reich führten. Der von den USA verursachte Handelsstreit bremse den Welthandel und führe damit zur Gefahr, dass wichtige Nachhaltigkeitsziele verfehlt werden.

Adrian rief die Entwicklungs- und Schwellenländer dazu auf, finanzielle Puffer gegen aufkommende Gefahren zu bilden. Sie seien durch neue Risiken an den Finanzmärkten besonders in Gefahr. Die größte Unsicherheit sei der starke Dollar mit schnell anziehenden Zinsen in den USA, die zu Kapitalabflüssen aus Schwellenländern führen könnten. Die US-Notenbank Federal Reserve könnte Ende des Jahres den vierten Zinsschritt in diesem Jahr unternehmen.

Ein großes Problem auch für Industrieländer ist laut Adrian der hohe Schuldenstand, vor allem außerhalb des Bankensektors. «Das Niveau an Schulden, die Haushalte, Unternehmen und Staaten halten, ist hoch, und es steigt weiter.» Gemeinsam wiesen 29 Länder mit großen Finanzsektoren einen Schuldenstand von 250 Prozent ihres zusammengerechneten Bruttoinlandsproduktes auf.

Es zähle jedoch nicht nur, wieviel Schulden ein Land habe, sondern auch, was auf der Habenseite der Bilanz stehe, sagte IWF-Direktor Vitor Gaspar, der am Mittwoch den Bericht zur Fiskalpolitik vorstellte. Es gebe großen Spielraum für Staaten, ihre Guthaben besser zu managen. «Regierungen könnten drei Prozent der Wirtschaftsleistung an Einnahmen heben», sagte Gaspar.

Vor allem müsse Transparenz geschaffen werden, damit die Bürger auch über die tatsächliche Wohlstandslage ihres Landes informiert seien. Das gelte besonders für Länder mit vielen Bodenschätzen wie Russland.

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dpa

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10. 10. 2018
14:45 Uhr

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