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Wirtschaft

IWF: Weltwirtschaft kommt ins Stolpern

Handelskriege, Brexit und hohe Schulden: Die Weltwirtschaft wächst so langsam wie seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr. Auch das Autoland Deutschland ist für den Rückgang mitverantwortlich.



Hamburger Hafen
Container im Hamburger Hafen. Die deutsche Wirtschaft wird im laufenden Jahr voraussichtlich nur um 0,8 Prozent wachsen.   Foto: Daniel Bockwoldt

Die Weltwirtschaft geht 2019 durch eine Talsohle, und Deutschland ist an der Abschwächung des Wachstums kräftig beteiligt.

Die Volkswirtschaft der Bundesrepublik werde im laufenden Jahr nur um 0,8 Prozent wachsen, sagte die Chefvolkswirtin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Gita Gopinath, in Washington. Im kommenden Jahr soll es aber schon wieder aufwärts gehen und mit 1,4 Prozent Wachstum fast wieder das Tempo des Jahres 2018 (1,5 Prozent) erreicht werden. «Der Rückgang in Deutschland hat mit dem Automobilsektor zu tun», sagte Gopinath und verwies auf die Probleme mit dem neuen Verbrauchs- und Abgasmessstandard WLTP.

Weltweit werde das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr nur noch 3,3 Prozent betragen - nach 3,6 Prozent im Vorjahr, so der IWF. Das ist das langsamste Wachstum seit 2009, als die Wirtschaftsleistung als Folge der Finanzkrise schrumpfte. Im nächsten Jahr solle das Wachstum allerdings wieder das Tempo von 2018 aufnehmen, sagte Gopinath. Wenngleich dies nicht unbedingt sicher sei.

Ob die Vorhersage eintrifft, hängt unter anderem von Entwicklungen in Ländern wie Argentinien und der Türkei ab. Und von der Frage, ob etwa der Handelsstreit zwischen China und den USA, den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, endlich gelöst werden kann. «Wir hoffen sehr, dass es bald zu einer Einigung kommt», sagte Gopinath. Der Handelskrieg habe über den Druck auf die Preise für Bodenschätze auch Auswirkungen auf Entwicklungsländer, etwa für das ölreiche Nigeria.

Gopinath sprach von einem «heiklen Punkt», an dem die Weltwirtschaft angekommen sei - und wiederholte damit die Worte von IWF-Chefin Christine Lagarde. Glücklicherweise sei der Inflationsdruck nicht allzu groß. So könnten die Zentralbanken ihre Geldpolitik notfalls etwas lockern - so wie bei großen Notenbanken bereits geschehen, etwa in den USA, Japan und England.

Der IWF musste damit seine bereits im Januar nach unten korrigierte Prognose noch einmal zurücknehmen. Ein Teil des Problems liegt in den USA. Dort sind nach Darstellung des IWF die stimulierenden Effekte der Steuerreform von Präsident Donald Trump bereits verpufft.

Die größte Volkswirtschaft der Welt wird 2019 um 2,3 Prozent, im Wahljahr 2020 nur noch um 1,9 Prozent wachsen - weit entfernt von den Fantasieprognosen Trumps, der zum Teil ein Wachstum von weit mehr als vier Prozent in Aussicht gestellt hatte. Auch China, mit den USA in einen intensiven Handelsstreit verwickelt, lässt Federn. Von 6,6 Prozent 2018 geht es auf 6,3 Prozent im laufenden Jahr und 6,1 Prozent im nächsten Jahr zurück. Die Korrektur habe aber nicht nur mit dem Handelsstreit zu tun, sondern auch mit einer notwendigen geldpolitischen Straffung in China selbst und mit stärkerer Regulierung.

Der Rückgang beim Wachstum betrifft Schwellen- und Entwicklungsländer genauso wie Industrienationen - neben Deutschland auch weitere Länder in Europa. «70 Prozent der Weltwirtschaft haben sich verlangsamt», sagte Gopinath. Die Eurozone habe mehr Schwung verloren als angenommen.

Die Furcht vor einem ungeordneten Brexit trage zu der Problematik maßgeblich bei. Die Prognosen des IWF im Falle eines Austritts Großbritanniens aus der EU seien «ziemlich substanziell», sagte Gopinath. Bis 2021 würde Großbritannien nach einem Szenario des IWF 3,5 seiner Wirtschaftsleistung verlieren, der Verlust für die EU läge damit bei 0,5 Prozent. «Die Situation ist in Bewegung, Vorhersagen sind sehr schwierig», sagte Gopinath.

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 04. 2019
17:33 Uhr

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09. 04. 2019
17:33 Uhr



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