Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

IG Metall vermisst politische Führung bei der Klimawende

Die deutsche Industrie steht vor gewaltigen Umbrüchen. Die IG Metall hat sich die Klimawende auf die Fahnen geschrieben. Ihr Chef nimmt die Regierung in die Pflicht.



Jörg Hofmann
Das von der Koalition auf den Weg gebrachte Klimapaket zeige deutlich, dass in den maßgeblichen Ministerien immer noch ein starkes Sektordenken herrsche, sagt der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann.   Foto: Marijan Murat/dpa

Die IG Metall vermisst bei der Energie- und Mobilitätswende eine klare politische Führung der Bundesregierung.

Das von der Koalition auf den Weg gebrachte Klimapaket zeige deutlich, dass in den maßgeblichen Ministerien immer noch ein starkes Sektordenken herrsche, sagte der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann der Deutschen Presse-Agentur. Die Industrie werde unter extremen Veränderungsdruck gesetzt, ohne dass die Politik die Rahmenbedingungen entsprechend regele.

So sehe er im Klimapaket zwar beispielsweise Fortschritte etwa zur ordnungsrechtlichen Durchsetzung der notwendigen Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, sagte Hofmann. Auf der anderen Seite gebe es aber auch noch «eine ganze Reihe von Leerstellen», etwa bei der Durchsetzung der notwendigen Stromtrassen oder zur Zweitverwertung gebrauchter Antriebs-Batterien. Der Umstieg auf Elektromobilität verliere seine Klimawirksamkeit, wenn der verwendete Strom noch lange Zeit mit Kohle produziert werde.

Die von der IG Metall betreuten Branchen wie Auto- und Maschinenbau stünden mitten in gewaltigen Umbrüchen, meinte der Gewerkschafter. «Durch seine regulatorischen Vorgaben steht der Staat in einer besonderen Verantwortung, dass es dabei gerecht zugeht.» Ziel der Gewerkschaft sei es, möglichst viele Jobs in Deutschland zu halten und neue Arbeitsplätze dort anzusiedeln, wo alte wegfallen.

Hofmann griff in diesem Zusammenhang die Arbeitgeber an, die wie etwa der Zulieferer Continental die aktuelle Entwicklung als Vorwand missbrauchten, um große Teile der Produktion nach Osteuropa zu verlagern. «Das halte ich für unlauter», sagte der Gewerkschafter und kündigte entschlossenen Widerstand der Beschäftigten an. «Wir brauchen eine schlagkräftige Industrie, um die Klimawende zu bewältigen.»

Die IG Metall strebt nach Hofmanns Worten in möglichst vielen Betrieben konkrete tarifliche Zukunftsvereinbarungen an. Ein zentrales Element werde dabei die Qualifizierung der Beschäftigten für sich verändernde Berufsbilder sein. Auch die Politik müsse es unterstützen, «Brücken in die Arbeitswelt von morgen» zu bauen. Ziel müsse es sein, Fachkräfte zu halten statt sie zu entlassen. Die Vorschläge aus dem Bundesarbeitsministerium zur Ausweitung der verschiedenen Kurzarbeitergelder gingen in die richtige Richtung.

Unmittelbar vor dem Gewerkschaftstag seiner Organisation in Nürnberg (6.-12. Oktober) kündigte Hofmann auch eine breit angelegte Initiative zur gewerkschaftlichen Arbeit in den Betrieben an. Die anstehenden Herausforderungen bräuchten auch neue Formen und Strukturen gewerkschaftlicher Arbeit. Daher müssten auf vielfältige Weise Menschen angesprochen werden, die sich für ihre Kollegen und die Gewerkschaft engagieren wollten. Dies könne auch in temporären Projekten geschehen.

«In den Betrieben entscheidet sich, ob wir unsere Konfliktfähigkeit schärfen können, ob wir zu gesellschaftlichen Themen mobilisieren und ob wir in den Tarifverhandlungen Stärke zeigen können», sagte Hofmann. In Nürnberg sollen die Delegierten über einen entsprechenden Antrag beraten. Dabei werde den Metallern kein Konzept von oben übergestülpt, sondern ihnen selbst die konkrete Gestaltung überlassen.

Zu dem alle vier Jahre stattfindenden Gewerkschaftskongress tritt Hofmann mit unveränderter Vorstandsmannschaft zur Wiederwahl an. Aus Berlin werden unter anderem Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
07:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitnehmer Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundesminister für Arbeit und Soziales Bundesministerium für Arbeit und Soziales CDU Deutsche Industrie Deutsche Presseagentur Fachkräfte Gewerkschaften Hubertus Heil IG Metall Jörg Hofmann Kanzler Ministerien Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Tarife (Löhne und Einkommen)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bundestag

13.07.2020

Wirtschaftsverbände stemmen sich gegen Lieferkettengesetz

Gibt es künftig verbindliche Vorgaben für deutsche Firmen, dass weltweit und auch bei Zulieferern Menschenrechte eingehalten werden? In der langen Debatte um ein Lieferkettengesetz steht der nächste Schritt bevor. Die Wi... » mehr

Arbeit im Schlachthof

20.05.2020

Regierung beschließt Maßnahmen in Fleischbranche

Kritik gab es schon lange, nun soll es schnell gehen: Nach mehreren Corona-Ausbrüchen in Schlachtbetrieben geht die Politik schärfere Regeln für die Branche an - Ärger gibt es vor allem um ein Verbot. » mehr

Arbeitsmarkt

09.04.2020

650.000 Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet

Immer mehr Betriebe melden in der Corona-Krise Kurzarbeit an. Arbeitsminister Heil hat jüngst eine Erhöhung der Wirtschaftshilfe in Aussicht gestellt. Gewerkschaften machen nun Druck. » mehr

Einkommen

30.06.2020

Mindestlohn soll schrittweise auf über 10 Euro steigen

Seit gut fünf Jahren gilt der Mindestlohn, der einst heftig umkämpft war. Inmitten der Corona-Krise steht nun fest: Die Lohnuntergrenze soll weiter herauf - aber zeitlich gestreckt und zunächst vorsichtig. » mehr

IG Metall - Jörg Hofmann

vor 5 Stunden

IG Metall schlägt Vier-Tage-Woche zur Rettung von Jobs vor

Die IG Metall bringt zur Rettung von Jobs in der Metall- und Elektroindustrie eine Vier-Tage-Woche ins Gespräch. «Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. » mehr

Ausbildung

24.06.2020

Staat will Unternehmen Corona-Prämien für Ausbildung zahlen

Aus der Wirtschaftskrise soll nicht auch noch eine Ausbildungskrise werden. Deshalb hat das Bundeskabinett Hilfen für angeschlagene Unternehmen auf den Weg gebracht, die trotzdem ihre Azubis halten und weiter ausbilden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Picknickkonzert in Kloster Veßra Kloster Veßra

Picknick-Konzert Kloster Veßra | 14.08.2020 Kloster Veßra
» 12 Bilder ansehen

Dachstuhl geht in Flammen auf

Dachstuhlbrand in Sonneberg |
» 29 Bilder ansehen

Unwetter Meiningen 11.08.20 Meiningen

Starkregen in Meiningen | 11.08.2020 Meiningen
» 4 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
07:10 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.