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Wirtschaft

Hohe US-Arbeitslosenquote sinkt im Juli moderat

In vielen Teilen der Vereinigten Staaten grassiert das Coronavirus weiter - und torpediert damit auch den Öffnungskurs der US-Wirtschaft. Der Arbeitsmarkt erholt sich zwar weiter, die Zahlen von vor wenigen Monaten aber dürften lange außer Reichweite bleiben.



Lebensmittelausgabe
Menschen stehen Schlange vor einer Lebensmittelausgabe für Bedürftige im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Seit Mitte März haben in den USA Millionen Menschen zumindest zeitweise ihren Job verloren.   Foto: Michael Nagle/XinHua/dpa

Die Erholung am US-Arbeitsmarkt setzt sich inmitten der Corona-Pandemie gebremst fort. Die Arbeitslosenquote fiel im Juli von 11,1 im Vormonat auf 10,2 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Der gebremste Rückgang wird als Folge der Zunahme der Corona-Neuinfektionen in vielen Landesteilen gesehen. Analysten hatten aber eine noch etwas langsamere Erholung erwartet.

Wegen der Pandemie war die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten im April zunächst auf mehr als 14 Prozent geklettert - in den zwei Folgemonaten dann wieder gesunken. Vor der Krise hatte die Quote noch bei 3,5 Prozent gelegen.

Im Juli wurden nach Angaben der Behörde 1,8 Millionen Jobs in den Vereinigten Staaten geschaffen - im Juni hatte diese Zahl noch bei 4,8 Millionen gelegen. Die meisten Arbeitsplätze seien unter anderem in den Bereichen des Freizeit- und Gastgewerbes und im Einzelhandel entstanden.

Trotz der leichten Erholung in der größten Volkswirtschaft der Welt ist die Lage am US-Arbeitsmarkt weiter sehr angespannt. In der Woche bis einschließlich 1. August etwa stellten rund 1,2 Millionen Menschen einen Neuantrag auf Arbeitslosenhilfe, wie Daten vom Donnerstag zeigten. Auch in den Vorwochen lag die Zahl der Neuanträge deutlich über einer Million.

Die rasante Zunahme der Neuinfektionen im Juli in Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes - in denen rund ein Drittel der Bevölkerung lebt - zwang die Wirtschaft dazu, ihren Öffnungskurs zu verlangsamen. Der weithin beachtete ADP-Bericht zur Beschäftigung in der Privatwirtschaft zeigte für den Monat Juli am Mittwoch nur eine Zunahme um 167.000 Jobs. Analysten hatten mehr als eine Million erwartet.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die durchwachsenen Zahlen bei Twitter trotzdem als «großartig». Die Kommunikationschefin im Weißen Haus, Alyssa Farah, sprach vom «großen amerikanischen Comeback». Die führenden Oppositionspolitiker Nancy Pelosi und Chuck Schumer sahen die Lage weniger rosig: «Der jüngste Beschäftigungsbericht zeigt, dass die wirtschaftliche Erholung, die durch die vom Kongress verabschiedeten Investitionen ausgelöst wurde, nachlässt (...).» Mehr Anreize durch ein heftig umstrittenes Konjunkturpaket würden benötigt.

Experten bezeichnen das Verharren der Arbeitslosigkeit auf historisch hohem Niveau als besonders besorgniserregend, weil eine zusätzliche Arbeitslosenhilfe des Bundes in Höhe von 600 Dollar pro Woche aus einem Corona-Hilfspaket vom März Ende Juli ausgelaufen ist. Das Wegfallen der Hilfe dürfte Millionen Amerikaner schwer treffen und die Konjunktur insgesamt belasten - auch weil der Privatkonsum einen großen Teil der Wirtschaftsleistung ausmacht. Demokraten, Republikaner und Regierung wollten am Freitag erneut über ein weiteres Konjunkturpaket verhandeln, das auch die großzügige Arbeitslosenhilfe erneuern soll.

Die Arbeitslosenquote für den Monat Juli wird wegen der üblichen verzögerten Datenerhebung nur die Lage am Arbeitsmarkt bis Mitte des Monats abbilden. Eine etwaige Verschlechterung danach wegen der starken Zunahme der Neuinfektionen unter anderem in Florida, Texas, Arizona und Kalifornien wäre nicht mehr berücksichtigt.

US-Präsident Donald Trump, der sich im November um eine zweite Amtszeit bewirbt, hofft auf eine rasche Erholung der Wirtschaft. Die meisten Analysten sehen dies jedoch wegen der anhaltenden Pandemie deutlich skeptischer. Auch die US-Notenbank Federal Reserve geht wegen der Pandemie nicht mehr von einer sehr raschen Erholung aus.

In den USA gibt es nach Daten der Universität Johns Hopkins inzwischen etwa 4,9 Millionen bestätigte Coronavirus-Infektionen und rund 160.000 damit verbundene Todesfälle. Die Zahl der bestätigten Neuinfektionen mit dem Erreger lag zuletzt bei über 50.000 pro Tag.

© dpa-infocom, dpa:200807-99-75446/3

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07. 08. 2020
19:56 Uhr

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