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Wirtschaft

Handwerker: Sinkende Preise, aber weiter lange Wartezeiten

Der Handwerkspräsident verspricht: Die Rückkehr zur Meisterpflicht sorgt für mehr Kapazitäten, dadurch sinken Preise. Von der Politik fordert er Entlastungen für Azubis.



Maurerhandwerk
Kunden können vorerst wohl nicht damit rechnen, dass Handwerker schneller kommen.   Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Kunden können vorerst nicht damit rechnen, dass Handwerker Aufträge bald schneller erfüllen.

«Leider kann ich bei den Wartezeiten auf einen Handwerker noch keine Entwarnung geben, die werden mittelfristig erst einmal nicht geringer», sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur. «Es kommen nicht genügend Handwerker nach.» Allerdings würden die Preise aufgrund der Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen sinken.

Vor 15 Jahren war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Sie ist nun aber für zwölf Gewerke wieder eingeführt worden - darunter sind Fliesen- und Parkettleger, Rollladentechniker und Raumausstatter. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, hatte kritisiert, die Änderungen seien ein Schritt zurück. «Aus Sicht der Verbraucher wird der Zugang zu Handwerksleistungen mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht schwieriger. Die Wartezeiten und die Preise können steigen.»

Dagegen sagte Wollseifer: «Durch die Wiedervermeisterung werden die Produktionskapazitäten nicht weniger, denn es gibt einen Bestandsschutz für Betriebe, die bereits ohne Meisterbrief auf dem Markt sind. Wir haben aber festgestellt, dass diese Betriebe weniger ausbilden. Wenn aber wesentlich weniger ausgebildet wird, dann führt dies zu Fachkräftemangel.»

Qualifiziert ausbilden könne im Handwerk nur der Meister, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. «Wenn wir nun wieder mehr Meister haben und wieder mehr ausgebildet wird, schaffen wir auch mehr Kapazitäten. Und wenn es mehr Kapazitäten am Markt gibt, dann wird es nicht teurer, sondern günstiger.»

Bis aber Handwerker zu Kunden kommen, kann es dauern. Dem aktuellen Konjunkturbericht des Handwerks zufolge dauert es im Gesamthandwerk inzwischen im Durchschnitt 9,1 Wochen, bis ein Auftrag erfüllt wird. In den Bau- und Ausbauhandwerken müssen Kunden sogar 13,4 beziehungsweise fast 10,6 Wochen warten.

«Schon seit Jahren bleiben jedes Jahr zwischen 16.000 und 20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt», sagte Wollseifer. «Das müssen wir ändern, denn nur wenn junge Menschen beruflich ausgebildet werden, stehen sie später als qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung. Aktuell fehlen uns im Handwerk um die 250.000 Fachkräfte.» Das Handwerk bemühe sich durch eine Imagekampagne, durch vielfältige Aktivitäten der Handwerksorganisation sowie neue Bildungsangebote, dass es langfristig besser werde. Wollseifer setzt zudem auf die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte nach Deutschland, wie er bereits deutlich gemacht hatte.

Er sagte weiter. «Wir müssen davon abkommen, dass rund 60 Prozent unserer Jugendlichen sich für Abi und Studium entscheiden und mehr als 100.000 jedes Jahr ihr Studium abbrechen. Wir brauchen eine Bildungsumkehr und die müssen wir entschlossen in Angriff nehmen.» Die berufliche Bildung müsse nicht nur in Sonntagsreden gleichwertig sein, sondern dies müsse sich auch in einer gleichwertigen finanziellen Förderung in der Praxis widerspiegeln.

«Wir müssen jungen Menschen auf den Weg geben, dass mit einer beruflichen Ausbildung Karriereperspektiven verbunden sind. Wir müssen Eltern, Lehrern und den Schulabgängern deutlicher machen, dass es in der beruflichen Bildung gleichwertige Entwicklungsperspektiven gibt wie mit einem Studium», sagte Wollseifer. Im Handwerk warteten ein sicherer Arbeitsplatz, ein guter Verdienst und die Perspektive, schon früh einen eigenen Betrieb zu führen.

Der Handwerkspräsident forderte zudem, für Azubis sollten während ihrer Ausbildung bei den Sozialabgaben die gleichen Regelungen wie bei Studenten gelten. «Warum etwa sind die Regelungen für Auszubildende bei der Kranken-, Pflege- und auch Unfallversicherung nicht genauso wie bei Studenten?» Studierende dürften bis zum 25. Lebensjahr auf dem Ticket ihrer Eltern kranken- und pflegeversichert sein. «Warum steht das Auszubildenden eigentlich nicht zu? Warum müssen sie gemeinsam mit dem Arbeitgeber Beiträge abführen?» Ähnlich sei dies bei der Unfallversicherung.

Für Studenten würden die Kosten von den Ländern getragen - also aus Steuermitteln. «Die von uns vorgeschlagenen Entlastungen kämen treffgenau den Betrieben zugute, die auch tatsächlich ausbilden. Es bedürfte keines komplexen Umlagesystems. Eine solche Entlastung könnte eine «wertschätzende Signalwirkung» haben.

Veröffentlicht am:
06. 01. 2020
07:14 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
06. 01. 2020
07:14 Uhr



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