Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Handwerk beklagt immer mehr Bürokratie

Die Handwerksbetriebe ächzen unter immer mehr bürokratischen Vorschriften. Das gefährde auf Dauer sogar Betriebe - so stellt es der Zentralverband dar. Und hat zahlreiche Vorschläge.



Handwerk
Stein um Stein: Ein Maurer bei seiner Arbeit.   Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Das Handwerk dringt bei der Bundesregierung vehement auf weniger Bürokratie in den Betrieben - damit könnten auch Wartezeiten für die Kundschaft sinken.

«Ständig neue Pflichten und Anforderungen machen dem Handwerk das Leben schwer», sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur. «Immer mehr Zeit verbringen Handwerkerinnen und Handwerker am Schreibtisch, statt in der Werkstatt oder beim Kunden zu sein. Nicht zuletzt liegt in diesen bürokratischen Bürden ein Grund für lange Wartezeiten.» Handwerker hätten ihren Beruf nicht gelernt, um als «Buchhalter» zu enden. Das Wirtschaftsministerium begrüßte Vorschläge des Handwerks für weniger Bürokratie.

Kunden warten oft Wochen, bis ein Handwerker zu ihnen kommt. Dies liegt aber auch am Fachkräftemangel in bestimmten Berufen. Das Handwerk macht gute Geschäfte, viele Betriebe suchen nach Mitarbeitern und können nach Branchenaussagen nicht alle Aufträge annehmen. Wollseifer hatte der dpa vor ein paar Wochen gesagt: «Leider kann ich bei den Wartezeiten auf einen Handwerker noch keine Entwarnung geben, die werden mittelfristig erst einmal nicht geringer.» Es kämen nicht genügend Handwerker nach.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerk (ZDH) hat nun einen umfassenden Katalog zum Abbau von Bürokratie in den Unternehmen erarbeitet - er wurde am Mittwoch an den Staatsminister im Kanzleramt, Hendrik Hoppenstedt, überreicht.

Der Verband listete mehr als 50 Vorschläge auf. Die sollen vor allem kleine Betriebe zu entlasten. Konkret schlägt der Verband zum Beispiel Ausnahmen von der Bonpflicht vor, außerdem sollten Dokumentationspflichten beim Mindestlohn verringert werden. Das Handwerk will zudem Erleichterungen bei Ausschreibungen und beim Datenschutz sowie längere Eichfristen.

Handwerksbetriebe bräuchten daneben zeitliche Freiräume, in denen sie nicht ad hoc auf gesetzliche Änderungen reagieren müssten. So sollten Gesetze einheitlich an einem von zwei Stichtagen im Jahr, etwa am 1. Januar und 1. August, in Kraft treten. Weiter heißt es, neue Vorschriften überforderten die Betriebe häufig bei der Umsetzung oder seien zu unflexibel gestaltet, um unkompliziert angewendet zu werden.

Wollseifer sagte, die bürokratischen Vorgaben, Regelungen und Pflichten hätten ein «völlig übertriebenes Ausmaß» angenommen. «Überbordende Bürokratie erweist sich immer häufiger als - um es ruhig drastisch zu formulieren - Betriebskiller. Wenn die Belastungen durch Bürokratie nicht deutlich zurückgefahren werden, werden wir gerade im Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen künftig erhebliche Verluste haben.» Die bürokratische Belastung schrecke auch viele junge Handwerker ab, sich selbstständig zu machen.

Es sei eine der drängendsten Aufgaben der Politik, Belastungen spürbar abzubauen. «Das, was bislang beim Bürokratieabbau gemacht wurde, kommt in der Praxis nicht an.» Wollseifer machte deutlich, bisherige Maßnahmen reichten nicht aus.

Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte, der ZDH renne beim Ministerium «offene Türen» ein: «Auch für uns ist der Abbau von Bürokratie vor allem für kleine und mittlere Unternehmen ein wichtiges Anliegen und prägender Bestandteil unserer Mittelstandsstrategie.» Die Regierung habe im vergangenen Jahr ein Gesetz zur Bürokratieentlastungsgesetz verabschiedet. «Wir bleiben hier aber nicht stehen, sondern werden weiter intensiv daran arbeiten, die Unternehmen von bürokratischen Lasten zu befreien.»

Bundestag sowie Bundesrat hatten im vergangenen Jahr ein Paket für weniger Bürokratie beschlossen. Dieses sah etwa vor, dass die Krankmeldung auf Papier durch eine digitale Bescheinigung für den Arbeitgeber ersetzt wird. Bei Hotelübernachtungen müssen Gäste künftig keine Meldescheine mehr auf Papier ausfüllen. Zuvor hatte bereits der Bundestag die Maßnahmen verabschiedet. Insgesamt ging es um Entlastungen von 1,1 Milliarden Euro.

Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
16:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Bundeskanzleramt CDU Deutsche Presseagentur Deutscher Bundesrat Deutscher Bundestag Handwerk Handwerker Handwerksbetriebe Hendrik Hoppenstedt Ministerien Mitarbeiter und Personal Peter Altmaier Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Wirtschaftsminister Wirtschaftsministerien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Altmaier

vor 14 Stunden

Wirtschaft beklagt Lücke bei Corona-Hilfen

Viele Firmen stehen in der Coronavirus-Krise mit dem Rücken zur Wand. Verbände kritisieren, dass bei vielen Unternehmen die Hilfe nicht ankommt. Der Wirtschaftsminister versucht zu beschwichtigen. » mehr

Kurzarbeit

10.03.2020

Bund stemmt sich mit Kurzarbeitergeld gegen Corona-Rezession

Gestrichene Flüge, abgesagte Messen, leere Hotels: Die Folgen der Coronakrise für die Wirtschaft werden von Tag zu Tag größer. Die Regierung will Tatkraft demonstrieren - und bringt ein erstes Notfallgesetz im Schnellver... » mehr

Coronakrise

18.03.2020

Arbeitsminister Heil: Lohnausfälle möglichst gering halten

Die Bundesregierung will mit Kurzarbeitergeld und Hilfskrediten für Firmen die Folgen der Coronavirus-Krise für die Wirtschaft dämpfen. Arbeitsminister Heil sieht aber auch die Unternehmen in der Pflicht, um Lohnausfälle... » mehr

Scholz und Altmaier

22.03.2020

Corona-Krise: Nachbesserungen beim Kreditprogramm

Es sind dramatische Tage. In der Coronavirus-Krise mit ihren drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens droht eine riesige Pleitewelle. Die Regierung stemmt sich mit aller Macht dagegen. Doch reichen die geplant... » mehr

KfW

23.03.2020

Corona-Krise: Sonderkreditprogramm für Firmen startet

Das Sonderprogramm der Regierung für unbürokratische Kredite an Unternehmen zum Abfedern der Krise ist an den Start gegangen. Wirtschaftsverbände fordern aber bereits Nachbesserungen. » mehr

Rückkehr zur Meisterpflicht

12.12.2019

Comeback der Meisterpflicht - steigen nun die Preise?

Der Meisterbrief als Qualitätssiegel - so sieht es der Zentralverband des Handwerks. Der Bundestag vollzieht bei der Meisterpflicht eine Kehrtwende. Was könnten die Folgen für Kunden sein? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
16:44 Uhr



^