Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Wirtschaft

Guzmán: «Vertrauen in Argentinien ist beschädigt»

Der zweitgrößten Volkswirtschaft Südamerikas stand das Wasser schon bis zum Hals, dann wurde sie von der Corona-Pandemie erwischt. Ein Schuldenschnitt soll nun zum Befreiungsschlag werden - sonst droht die neunte Staatspleite.



Argentiniens Finanzminister Martin Guzman
Inmitten einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise setzt Argentinien auf einen neuen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF).   Foto: ---/Ministerio de Economia/dpa

Inmitten einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise setzt Argentinien auf einen neuen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF). «Wir arbeiten sehr konstruktiv mit dem IWF zusammen», sagte Wirtschaftsminister Martín Guzmán im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur und weiteren europäischen Nachrichtenagenturen in Buenos Aires.

«Argentinien setzt auf ein neues Programm.» Der IWF hat Argentinien bereits den größten Kredit seiner Geschichte über 57 Milliarden US-Dollar gewährt. Allerdings ist der Fonds in Argentinien äußerst unpopulär. Viele Menschen machen ihn für die sozialen Härten nach der jüngsten Staatspleite 2001 verantwortlich.

Das südamerikanische Land blickt auf eine wechselvolle Wirtschaftsgeschichte zurück. Einst eines der reichsten Länder der Welt litt es zuletzt immer wieder unter extremer Inflation, Kapitalflucht und einem ständigen Wechsel der Wirtschaftspolitik mit jeder neuen Regierung. «Das Vertrauen in Argentinien ist beschädigt», räumte Guzmán ein. «Wir brauchen wirtschaftliche Kontinuität.»

Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas steckt in einer schweren Krise. Die Inflationsrate betrug zuletzt mehr als 50 Prozent, für das laufende Jahr wird mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft von 5,7 Prozent gerechnet. Das Land leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer großen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht. Der IWF hatte die Schulden Argentiniens zuletzt als nicht tragfähig bezeichnet.

Derzeit verhandelt die Regierung mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt. «Wir sitzen alle am Verhandlungstisch, aber es fehlt noch eine gute Wegstrecke», sagte Wirtschaftsminister Guzmán im Interview. «Wir brauchen eine nachhaltige Lösung, die den beschränkten Möglichkeiten Argentiniens Rechnung trägt. Wir wollen nur Versprechen geben, die wir auch halten können.»

Insgesamt will die argentinische Regierung nach ausländischem Recht ausgegebene Staatsanleihen im Wert von rund 66 Milliarden US-Dollar umschulden. Sie hat ein Zahlungsmoratorium bis 2023, eine kräftige Kürzung der Zinszahlungen und einen geringfügigen Schuldenschnitt angeboten. Die Gläubiger, zu denen große Investmentgesellschaften wie Blackrock, Fidelity, Greylock Capital und Ashmore zählen, lehnen die Offerte bislang ab. «Wir sind flexibel bei der Kombination der verschiedenen Parameter, aber das Ergebnis muss für Argentinien bezahlbar sein.» Sollte keine Einigung gelingen, steuert Argentinien auf die neunte Staatspleite seiner Geschichte zu.

Zu dem langfristigen Plan des Wirtschaftsministers, der als Zögling von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz gilt, gehört die Stärkung des Exports. «Wirtschaftswachstum, Produktion für den Binnenmarkt und Exporte müssen Hand in Hand gehen, damit das Gleichgewicht gewahrt bleibt», sagte Guzmán.

Das umstrittene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Wirtschaftsbund Mercosur sieht er allerdings auch kritisch: «Die Gesellschaft ist zu wenig einbezogen worden, auf beiden Kontinenten. Das macht es schwer, einen solchen Vertrag zu legitimieren.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 05. 2020
07:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Argentinische Regierungen Deutsche Presseagentur Europäische Union Inflation Internationaler Währungsfonds Investmentgesellschaften Joseph E. Stiglitz Kredite Nachrichtenagenturen Staatsbankrott Südamerika Wirtschaftskrisen Währungsfonds Zinszahlungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Regierungstreffen

17.04.2020

Argentinien sucht Weg aus den Schulden

Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas muss mal wieder ihre Schulden restrukturieren. Argentinien steckt seit Jahren in der Rezession, die Corona-Pandemie verstärkt die Krise noch. Nehmen die Gläubiger das Angebot n... » mehr

Internationale Währungsfonds

20.02.2020

IWF empfiehlt Argentinien einen Schuldenschnitt

Der Internationale Währungsfonds glaubt nicht mehr daran, dass Südamerikas zweitgrößte Volkswirtschaft aus eigener Kraft der Krise entkommt. Jetzt sollen die privaten Gläubiger bluten. Die Kredite des IWF hingegen wird A... » mehr

Martín Guzmán

02.06.2020

Argentinien bekommt IWF-Unterstützung und verlängert Frist

Nicht erst seit der Pandemie steckt Argentinien in einer schweren Krise. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas muss Kredite restrukturieren. Nun haben sich Buenos Aires und der IWF angenähert. » mehr

Containerterminal im chinesischen Qingdao

24.06.2020

IWF senkt globale Wirtschaftsprognose erneut

Es ist die schwerste globale Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Corona-Pandemie führt auch in Industrieländern zu einem verheerenden Wachstumseinbruch. Für nächstes Jahr gibt es aber Hoffnung. » mehr

Schuldenstreit

06.07.2020

Argentinien macht Gläubigern letztes Angebot

Die Regierung in Buenos Aires streckt sich, um sich mit den Kreditgebern zu einigen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas ist völlig überschuldet, die Corona-Krise verschärft die Rezession. Kommt es zu keiner Über... » mehr

Inflation

16.01.2020

Inflationsrate in Argentinien klettert auf 53,8 Prozent

Damit gehört Argentinien zu den Ländern mit der höchsten Inflationsrate weltweit. Befeuert wurde die Teuerung vor allem von der heftigen Abwertung der Landeswährung Peso. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 7 Bilder ansehen

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 05. 2020
07:02 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.