Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Wirtschaft

Große Nachfrage nach Lebensmitteln

Wegen der Coronavirus-Epidemie bleiben die Menschen zu Hause und kochen wieder mehr. Restaurants leiden darunter, Supermärkte machen ein Riesengeschäft. Schon wird über einen möglichen Engpass der Versorgung diskutiert.



Supermarktregal
Leergekaufte Regale in einem Supermarkt in Bayern.   Foto: Sven Hoppe/dpa

Das sich ausbreitende Coronavirus und die zunehmenden Einschränkungen im Alltag schlagen auf das Konsumverhalten durch. Die Supermärkte machen deutlich mehr Umsatz, der zugleich Restaurants und Kantinen fehlt.

In manchen Filialen waren Grundnahrungsmittel wie Mehl vorübergehend ausverkauft. Handelskonzerne und Bundesregierung versicherten unisono, es gebe keine Versorgungsengpässe. Hamsterkäufe sollten deshalb vermieden werden.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) appellierte an die Bürger, «ihre Vorräte mit Bedacht, Augenmaß und umsichtig aufzustocken - dann ist genügend für alle verfügbar, die Regale werden zeitnah wieder aufgefüllt». Für Hamsterkäufe gebe es keinen Anlass, sagte sie der dpa. «Gerade mit Blick auf die jetzige Situation ist nicht nur die Solidarität der Verbraucher untereinander gefragt, sondern auch Maß und Mitte.» Wichtig sei, nur das zu lagern, was auch normalerweise im Alltag genutzt und verbraucht werde.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) twitterte am Samstag: «Die Versorgung mit Lebensmitteln ist gesichert. Es besteht kein Grund zur Sorge, dass wir irgendwo Knappheiten haben. Es gibt leichte logistische Schwierigkeiten, aber die Lager sind gut bestückt. Für Hamsterkäufe gibt es keinen Anlass - sagen Sie es bitte weiter!»

Zuvor hatte Scheuer in der «Bild»-Zeitung von Pläne für den Fall gesprochen, dass sich die Situation zuspitze. Wenn zum Beispiel Polen die Grenzen schließe, habe das wegen fehlender Lkw-Fahrer aus dem Nachbarland direkte Auswirkungen auf die Versorgungslage in Deutschland. «Wenn wir dann zu Engpässen kommen, kann die Bundeswehr die Versorgung auffangen», sagte Scheuer. Das sei aber ein Szenario für den schlimmsten Fall, «soweit sind wir noch nicht».

Zwar hat Polen am Sonntag seine Grenzen für die Einreise von Ausländern geschlossen. Das gilt aber nicht für Lastwagenfahrer. Für den Warenverkehr blieben die Grenzen offen.

In Deutschland werden in der am Montag beginnenden Woche die meisten Schulen und Kindergärten erst einmal geschlossen, Kantinen arbeiten Notbetrieb, Barbesuche sind verboten oder die Gäste bleiben ohnehin fern.

Die Supermarktkette Rewe stellt seit Mittwoch eine deutlich erhöhte Nachfrage fest. Das betreffe vor allem Trockenlebensmittel wie Nudeln und Reis sowie Konserven und Drogerieartikel, teilte ein Sprecher des Konzerns am Samstag mit. Es gebe aber kein Problem bei der Warenversorgung. Die Hersteller lieferten weiterhin und die Regale würden zügig nachgefüllt.

«Es wäre nur sinnvoll, wenn die Leute, denen es möglich ist, den Einkauf auf die Woche verteilen, und nicht nur Freitagnachmittag und Samstagmorgen einkaufen», sagte der Sprecher. Dann hätten Mitarbeiter auch die Chance, die Regale schnell genug wieder zu befüllen.

Auch Branchenexperten beobachten, dass in Supermärkten anders und mehr eingekauft wird. Lieferdienste profitieren von der Lage ebenso. Auf Großkunden spezialisierte Lebensmittelhändler dagegen müssten mit deutlichen Einbußen rechnen, so die Fachleute. Die prekäre Situation für Hotels und Gaststätten schlage bei Großhändlern und Großmärkten durch.

Der Nachfragerückgang von Gastronomen, Hotels, Kitas und Kantinen sei deutlich spürbar, sagt Marcus Schwenke, Geschäftsführer des Großhandelsverbandes Foodservice. Einbrüche seien leicht zeitversetzt zum Gastgewerbe zu erwarten. Sollten Insolvenzen in der Gastronomiebranche zunehmen, könne dies dramatische Folgen für Großhändler haben - noch weit nach dem Pandemie-Ende, fürchtet der Verband, der Anbieter wie Metro und Selgros/Transgourmet vertritt.

Die Warnungen des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga verheißen nichts Gutes. «Die Umsatzeinbußen erreichen ein nie gekanntes Ausmaß», schlägt Dehoga-Präsident Guido Zöllick Alarm. Auch die private Nachfrage gehe spürbar zurück: «Inzwischen leidet die gesamte Branche in der gesamten Republik - ob Hotels, Restaurants, Caterer, Kneipen, Bars, Diskotheken und Clubs, ob Betriebs-, Stadion- und Verkehrsgastronomie» - ob in der Stadt oder auf dem Land.

Folgt man Experten der Boston Consulting Group (BCG), können Lebensmittelhändler nicht nur in Deutschland «über mehrere Wochen» mit einem anhaltenden Plus von 10 bis 15 Prozent rechnen. Zwei Haupttreiber gebe es: Zum einen lagerten Kunden Hygiene- und Gesundheitsprodukte ein. Andererseits mieden Menschen Restaurants und verbrächten mehr Zeit zu Hause. Das Onlinegeschäft sei zuletzt rasant gestiegen. Allerdings: Aus Angst vor Ansteckung könnten Konsumenten ihren Aufenthalt im Supermarkt begrenzen, was die Nachfrage nach frischen Produkten wiederum dämpfen dürfte.

BCG-Einzelhandelsexperte Markus Hepp macht in Deutschland in der Coronavirus-Krise drei Phasen aus. In der ersten Krisenwelle seien in hohem Maße Produkte wie Desinfektions- oder Reinigungsmittel gekauft worden. In Welle zwei seien Vorräte gebildet worden, nachdem klar gewesen sei, dass mit längerfristigen Auswirkungen zu rechnen sei.

Aktuell befinde sich Deutschland in Welle drei: Es gibt teils starke Einschränkungen im sozialen Leben. Dadurch steige die Nachfrage nach frischen Produkten. Aber auch nach Fertiggerichten, weil vermehrt zu Hause gekocht wird, sagt Hepp. «Das schlägt sich natürlich in den Verkaufszahlen dieser Kategorien nieder, wo wir beispielsweise 10 bis 20 Prozent Wachstum im italienischen Markt beobachten konnten.» Besonders negativ betroffen seien Großhändler für Restaurants oder Hotels, wo ein Einbruch der Nachfrage um bis zu 30 Prozent drohe.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 03. 2020
14:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Scheuer Boston Consulting Group Bundeswehr CDU CSU Delivery Hero Deutsche Presseagentur Gaststätten und Restaurants Großhändler Hamsterkäufe Handelskonzerne Italienischer Markt Julia Klöckner Kunden Produktionsunternehmen und Zulieferer Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Rewe Gruppe Supermärkte Twitter Wirtschaftsbranche Drogeriewaren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kühe auf der Weide

12.04.2020

Beim Fleischkauf spielt mehr Tierschutz keine größere Rolle

Seit einem Jahr gibt es auf Fleisch-Verpackungen im Supermarkt ein Label, das die Haltungsform der Tiere angibt. Hat das bei Angebot und Kunden etwas bewirkt? Und da ist auch noch ein Projekt der Politik. » mehr

Abstand

22.03.2020

Corona-Folgen: Spuckschutz», Abstandsregeln, Leergutmangel

Abstand halten lautet die Devise in Corona-Zeiten, das gilt auch für den Handel. Supermärkte rüsten entsprechend auf. Doch sie haben noch weitere Probleme - und an manchen sind die Kunden nicht unbeteiligt. » mehr

Lufthansa

30.05.2020

Lufthansa-Rettung nimmt wichtige Hürde

Staatshilfe gibt es nur gegen Start- und Landerechte: Berlin und Brüssel haben sich auf zentrale Eckpunkte zur Rettung der Lufthansa geeinigt. In trockenen Tüchern ist das Paket aber noch nicht. » mehr

Tiefkühlpizza

01.04.2020

Ist inzwischen weniger Zucker in Fertigprodukten?

Weniger Salz in Tiefkühlpizzen, weniger Zucker im Kinder-Müsli: Um bei «Dickmachern» gegenzusteuern, will die Bundesregierung Hersteller zu freiwilligen Umstellungen bewegen. Hat sich da schon etwas getan? » mehr

Luftverkehrsbranche darbt

16.03.2020

Sars-CoV-2: Reise-Veranstalter ziehen Notbremse

Grenzen sind weitgehend dicht. Touristikkonzerne greifen zu drastischen Maßnahmen, Airlines schränken ihr Angebot weiter ein. Reisen in Zeiten der Coronavirus-Krise wird im schwieriger - auch im Inland. » mehr

Supermarkt Real

Aktualisiert am 19.02.2020

Real ist verkauft - doch 34.000 Beschäftigte bangen weiter

Nach monatelangem Tauziehen sind die Verträge für den Verkauf von Real endlich unterschrieben. Die Supermarktkette soll nun zerschlagen werden. Doch bis Kunden und Mitarbeiter Klarheit über das Schicksal einzelner Filial... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Auto-Party in Meiningen

Party im Autokino Meiningen | 30.05.2020 Meiningen
» 60 Bilder ansehen

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis Zella-Mehlis

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis | 27.05.2020 Zella-Mehlis
» 12 Bilder ansehen

Brennender Lkw A73 Eisfeld-Nord

Lkw-Brand A73 Eisfeld | 26.05.2020 Eisfeld-Nord
» 28 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 03. 2020
14:05 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.