Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Gläubigerversammlung stimmt Galeria-Rettungsplan zu

Damit dürfte der Weg frei sein für die Sanierung des angeschlagenen Warenhausriesen. Doch der Preis ist hoch. Tausende Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Und viele Lieferanten und Vermieter werden nur einen Bruchteil des ihnen zustehenden Geldes erhalten.



Gläubigerversammlung
Arndt Geiwitz (l), Gerallbevollmächtigter von Galeria Karstadt Kaufhof, und Sachwalter Frank Kebekus sprechen zu Beginn der Gläubigerversammlung des Warenhauskonzerns miteinander.   Foto: Oliver Berg/dpa

Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) bekommt noch eine Chance.

Die Gläubigerversammlung des Warenhauskonzerns stimmte dem von der Unternehmensführung unter Aufsicht des Sachwalters Frank Kebekus erarbeiteten Insolvenzplan zur Rettung des Traditionsunternehmens zu. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen.

In einem nach dem Ja der Gläubiger verschickten Mitarbeiterbrief sagte GKK-Finanzvorstand Miguel Müllenbach: «Der heutige Tag ist der Startschuss für einen Neuanfang, denn unser Unternehmen hat jetzt wieder eine gesunde Basis und die Aussicht auf eine sichere Zukunft.»

Das Insolvenzfahren soll nach den Plänen der Unternehmensführung noch in diesem Monat abgeschlossen werden. Der Warenhausriese könne sich dann voraussichtlich schon im Oktober wieder ohne insolvenzrechtliche Einschränkungen und schuldenfrei dem Wettbewerb um die Kunden stellen, betonte Müllenbach. «Wir werden dann stärker und besser aufgestellt sein als vor der Corona-Krise, die voraussichtlich schon im Herbst noch einige Unternehmen in Schieflage bringen wird, die sich, anders als wir, hoch verschuldet haben.»

Für die Gläubiger bedeutet der Schritt allerdings den Verzicht auf einen Großteil des Geldes, das ihnen der Warenhauskonzern noch schuldet. Insgesamt müssen die Lieferanten, Vermieter und sonstigen Gläubiger nach dpa-Informationen auf mehr als zwei Milliarden Euro verzichten.

Große Opfer verlangt die Sanierung auch von den Beschäftigen. Denn der Neuanfang bedeutet das Aus für fast 50 Warenhäuser, die nach Einschätzung der Firmenleitung keine Perspektive mehr haben - und der Schritt bedeutet den Verlust des Arbeitsplatzes für rund 5000 Mitarbeiter. In vielen der betroffenen Warenhäuser hat der Ausverkauf schon begonnen. Viele Kommunen befürchten durch die Schließung der Warenhäuser außerdem eine verringerte Attraktivität ihrer Fußgängerzonen.

Für die Gläubiger gab es trotz der hohen finanziellen Einbußen kaum eine andere Wahl, als dem Plan zuzustimmen. Denn bei einer Ablehnung des Insolvenzplans hätten sie wohl überhaupt nichts von ihrem Geld wiedergesehen. Bei einer Weiterführung können sie dagegen - auch durch einen dreistelligen Millionen-Zuschuss des GKK-Eigentümers René Benko - zumindest damit rechnen, knapp 5 Prozent ihrer Forderungen bezahlt zu bekommen.

Galeria Karstadt Kaufhof war durch die Corona-bedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Das Unternehmen berichtete damals, es erwarte allein in diesem Jahr durch Corona einen Umsatzverlust von einer Milliarde Euro.

Mitte Juni kündigte der Warenhausriese dann an, im Rahmen seiner Sanierungspläne insgesamt 62 der 172 Warenhäuser schließen zu wollen. Dank der Zugeständnisse von Vermietern und Hilfen von Kommunen gelang es seitdem aber noch einmal, die Zahl der Schließungsfilialen auf 46 zu reduzieren. Durch den Sanierungsplan erhofft sich Galeria Karstadt Kaufhof nun eine relativ schnelle Erholung.

© dpa-infocom, dpa:200901-99-391970/6

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 09. 2020
23:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Geld Gläubigerversammlung Insolvenzrecht Karstadt Kaufhof Warenhaus AG Krisen Kunden Mitarbeiter und Personal Vermieter Warenhausketten Warenhauskonzerne Warenhäuser
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Galeria Karstadt Kaufhof

17.07.2020

Sechs weitere Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen gerettet

Nach Verhandlungen mit den Vermietern streicht der Handelsriese «buchstäblich in letzter Sekunde» seine Schließungsliste noch einmal zusammen. Mehr als 500 Mitarbeiter können aufatmen. Doch für 50 Filialen bleibt es beim... » mehr

Stephan Fanderl

10.06.2020

Karstadt-Kaufhof-Chef Fanderl verlässt den Konzern

Der Manager war schon in den vergangenen Wochen trotz der sich zuspitzenden Krise beim Essener Warenhausriesen nicht mehr in Erscheinung getreten. Nun räumt er den Chefsessel. So mancher dürfte ihm keine Träne nachweinen... » mehr

Galeria Karstadt Kaufhof

20.05.2020

Sanierer: Drittel der Karstadt-Kaufhof-Filialen vor Aus

Der Warenhauskonzern rechnet bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von rund 1,4 Milliarden Euro durch die Corona-Krise. Deshalb sind harte Einschnitte geplant. Bei mehr als einem Dutzend Warenhäusern steht das Weiterbestehen ... » mehr

Galeria-Kaufhof-Filiale in Hamburg

30.09.2020

Nach Insolvenz: Galeria Karstadt Kaufhof startet neu

Vor sechs Monaten musste der letzte deutsche Warenhauskonzern Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen. Nun will er neu durchstarten. Doch mehr als 40 Warenhäuser und zahlreiche Arbeitsplätze bleiben bei der Sanieru... » mehr

Protest

17.10.2020

Galeria-Protest: Mitarbeiter prügeln Benko-Pappkameraden

Rund 2500 Beschäftigte verlieren laut Verdi nach Filialschließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof ihren Job. Am letzten Tag tragen sie «ihr» Warenhaus symbolisch zu Grabe. Als Prügelknabe muss dabei ein Papp-Abbild von Ei... » mehr

Karstadt

15.05.2020

Bei Galeria Karstadt Kaufhof droht Kahlschlag

Schock für die Beschäftigen der letzten deutschen Warenhauskette. Fast die Hälfte der Filialen steht angesichts der Umsatzeinbrüche durch die Corona-Krise zur Disposition. Doch es gibt noch einen Hoffnungsschimmer. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Wohnungsbrand Oberhof

Brand Oberhof Schloßbergstraße |
» 23 Bilder ansehen

Brand Halle Lengfeld

Brand Halle Lengfeld | 25.10.2020
» 6 Bilder ansehen

Keramikmarkt Römhild

Keramikmarkt Römhild |
» 45 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 09. 2020
23:54 Uhr



^