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Wirtschaft

GfK: Kauflaune der Verbraucher im Keller

Wer traut sich angesichts der coronabedingten Lage, eine große Anschaffung zu machen? Eher wenige, sagen die Konsumforscher der GfK. Die Kauflaune in Deutschland ist auf einem Allzeittief.



Einkaufsstraße
Einkaufsmeile Hohe Straße in Köln.   Foto: Oliver Berg/dpa

Der Ansturm der Verbraucher auf Toilettenpapier, Reis oder Teigwaren in der Corona-Krise scheint nachzulassen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Absatz dieser Produkte zuletzt gesunken. Wein, Bier und Kondome waren dagegen gefragt - jedenfalls vor Ostern. Grundsätzlich wollen die Menschen in der Krise ihr Geld zusammenhalten. Die Stimmung der Verbraucher ist so schlecht wie nie.

Die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Kurzarbeit in der Corona-Krise hat den Konsumklimaindex auf einen historischen Tiefstand gedrückt, wie der Nürnberger Marktforscher GfK mitteilte.

«Die Verbraucher befinden sich in einer Schockstarre», sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Die Menschen gingen davon aus, dass Deutschland durch die Coronakrise in eine schwere Rezession stürzen wird. «Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung befinden sich im freien Fall.» Für Mai rutscht der monatlich ermittelte Konsumklimaindex, der sich als Prognose jeweils auf den Folgemonat bezieht, deutlich unter die Nulllinie.

Der Konsum macht in Deutschland einen Anteil von etwa 55 Prozent der Wirtschaftsleistung aus und hat damit signifikante Bedeutung für Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes.

Bei der Auswahl der Produkte, die gekauft werden, hat die Corona-Krise der GfK zufolge einen deutlichen Wandel herbeigeführt. Bedingt durch das Arbeiten von zu Hause seien die Verkäufe von Computern, Laptops aber auch von Spielekonsolen in den fünf großen europäischen Märkten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien deutlich in die Höhe geschnellt, so die Konsumforscher.

Zudem seien Online-Verkäufe stark im Trend - mit einem Plus von 100 Prozent in der Woche nach dem 30. März, fanden die Konsumforscher weiter heraus. Dies sei aber längst nicht genug, um die Verluste im stationären Handel auszugleichen. Der Gesamtmarkt schrumpfte in den fünf größten Ländern Europas um 14 Prozent.

Geändert hat sich das Bild bei Waren des täglichen Bedarfs, auf die es in den vergangenen Wochen einen regelrechten Ansturm gegeben hatte.

Nach einer eingeschränkt repräsentativen Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes lag beispielsweise der Absatz von Toilettenpapier in der Woche nach Ostern (13.-19.4) wie schon in der Vorwoche fast zwei Drittel unter dem Durchschnittswert der Monate August 2019 bis Januar 2020.

Auch bei anderen Produkten wie Teigwaren, Reis und passierten Tomaten, mit denen sich die Verbraucher zuvor in großem Stil eingedeckt hatten, sank der Absatz. Als Gründe vermuteten die Statistiker kurzzeitige Engpässe beim Angebot sowie eine Sättigung des Bedarfs.

Eine ähnliche Entwicklung konstatierte das Marktforschungsunternehmen Nielsen. In den vergangenen Wochen habe sich mehr als ein Drittel der Verbraucher in Deutschland im Lebensmitteleinzelhandel und in den Drogeriemärkten bevorratet, sagte Jens Ohlig, Vorsitzender der Geschäftsführung von Nielsen Deutschland, Österreich und der Schweiz der Deutschen Presse-Agentur. «Aktuell beobachten wir jedoch, dass sich die Einkäufe ... langsam wieder in Richtung Normalbereich bewegen.»

Das liegt nach seiner Einschätzung auch daran, dass sich die Verbraucher mit bestimmten Produkten für längere Zeit eingedeckt haben. «So beobachten wir etwa bei Toilettenpapier oder Suppen im Vorjahresvergleich bereits einen Rückgang», sagte Ohlig. Das Marktforschungsunternehmen wertet die Absatzentwicklung bestimmter Produkte im Lebensmittelhandel und bei Drogerien im Vergleich zur Vorjahreswoche aus.

Vor Ostern (6.-12.4) deckten sich die Verbraucher nach Angaben der Wiesbadener Behörde mit Bier (plus 26 Prozent) oder Wein (plus 3 Prozent) ein. In den Wochen davor und danach war die Nachfrage nach Alkohol dagegen eher unterdurchschnittlich. Auch der Absatz von Kondomen war vor den Feiertagen vergleichsweise hoch (plus 6 Prozent). Besonders begehrt waren sie den Angaben zufolge aber vom 12. bis 22. März (plus 56 Prozent).

Überdurchschnittlich groß ist weiterhin die Nachfrage nach Seife und Desinfektionsmitteln, auch wenn die Verkaufszahlen den Angaben zufolge nicht mehr so hoch sind wie im März.

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 04. 2020
16:21 Uhr

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23. 04. 2020
16:21 Uhr



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