Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Gespräche für mehr Nachtzüge laufen

Museumsreife Schlafwagen und ausgelegene Pritschen brachten Millionenverluste. Vor drei Jahren zog die Bahn die Notbremse. Nun setzt ein Umdenken ein. Kommen die Nachtzüge zurück?



Nachtzug
Blick in einen Nachtzug der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auf der Fahrt von Zürich nach Hamburg.   Foto: Christian Beutler/Keystone/dpa

Einsteigen, einschlafen - aufwachen, aussteigen: In Mitteleuropa reisen immer mehr Menschen in Nachtzügen. Nun gibt es Überlegungen, das Angebot weiter auszubauen. Auch die Deutsche Bahn ist beteiligt; sie hatte das Geschäft vor drei Jahren abgestoßen.

Für einen möglich Wiedereinstieg erhält der Staatskonzern jetzt die Rückendeckung des Eigentümers. «Ich bin dafür prinzipiell offen», sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) der Deutschen Presse-Agentur und verwies auf laufende Gespräche mit den Staatsbahnen Österreichs und der Schweiz.

In welcher Form sich die Deutsche Bahn engagieren könnte, ist noch offen. Es helfe kein Schnellschuss, warnte Scheuer. «Wenn wir wieder Nachtzüge bereitstellen, brauchen wir auch die entsprechenden Züge dafür.» Die Bahn hatte ihre rund 40 Jahre alten Schlaf- und Liegewagen 2016 den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) vermacht, weil sie damit regelmäßig Verluste einfuhr. Die Österreicher investierten dagegen in das Geschäft und ließen neue Züge bauen.

Die ÖBB lässt ihre Nachtzüge durch Deutschland, Italien, die Schweiz und Österreich fahren, von Mitte Januar an auch bis Brüssel. 2019 seien die Fahrgastzahlen um etwa 10 Prozent gestiegen, sagte ein Sprecher. Die ÖBB erwirtschafteten damit ein leichtes Plus. Mit gut eineinhalb Millionen Kunden bleibt es zwar ein Nischengeschäft, Konzernchef Andreas Matthä hält aber Ausschau nach weiteren Wachstumsmöglichkeiten.

Derzeit sei kein eigenes Angebot mit klassischen Schlaf- und Liegewagen geplant, hatte die Deutsche Bahn zum Jahreswechsel klargestellt. Allerdings werden unterschiedliche Kooperationsmodelle diskutiert, wie ÖBB-Chef Matthä kürzlich der «Wirtschaftswoche» sagte. «Wir könnten stärker beim Ticketvertrieb zusammenarbeiten oder Nachtzüge gemeinsam betreiben.» Man könne die Expansion auch in einem Gemeinschaftsunternehmen vorantreiben.

Vor dem Hintergrund der Klimadebatte wollen auch die Schweizerischen Bundesbahnen mehr Nachtzüge und dafür die Zusammenarbeit mit den ÖBB vertiefen, wie ein Sprecher sagte. Zürich sei nach Wien die zweitgrößte Drehscheibe für Nachtzugfahrten in Europa. Neue Strecken könnten auch durch Deutschland führen.

Die Deutsche Bahn lässt ihre Kunden derweil nachts in Intercity und ICE im Sitzen reisen. «Zudem unterstützt die DB AG die klassischen Nachtzugverkehre andere Anbieter, zum Beispiel mit Lokomotiven, mit Personal sowie im Vertrieb», antwortete der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. «An dieser zweiteiligen Strategie wird die DB AG festhalten.»

Der FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic kritisierte: «In Deutschland schläft die Bahn, in Österreich der Kunde - und kommt dabei noch ausgeruht und pünktlich ans Ziel.» Die Bahn solle sich an den ÖBB ein Beispiel nehmen. «Gerade im gehobenen Segment ist Komfort für Reisende ausschlaggebend und der Nachtzug mit Schlafwagen eine attraktive Alternative zum Flugzeug.» Spannend wäre dafür etwa eine Verbindung Berlin-Paris - die hatte die Bahn 2014 eingestellt.

Scheuer sagte: «Die entscheidende Frage ist: Was macht Bahnfahren attraktiver?» Der Komfort müsse besser werden. «Wie kann ich die Zeit am besten nutzen, wenn ich zum Beispiel vom Passau nach Berlin fahre? Kann ich diese fünfeinhalb Stunden auch nachts nutzen, um mich zu erholen, oder fahre ich lieber tagsüber und nutze die Zeit, um zu arbeiten?»

Nach Ferlemanns Angaben hatte die Deutsche Bahn nach 2016 ihre verbliebenen 81 Schlafwagen verkauft. Wie teuer es wäre, in das Nachtzuggeschäft wieder einzusteigen, konnte er nicht sagen. Für die speziellen Fahrzeuge müssten auch die Werkstätten und Reinigungsanlagen umgebaut werden. «Hierfür wären hohe Investitionen notwendig.»

Bislang war der Bund zurückhaltend. «Aufgrund des schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses» plane man nicht, dafür Geld bereitzustellen, ergänzte Ferlemann in seiner Antwort von Anfang Dezember. Die Regierung begrüße die Kooperation mit Eisenbahnen, die solche Spezialverkehre wirtschaftlich betreiben könne.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 01. 2020
15:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Scheuer Bundesverkehrsminister CSU Deutsche Bahn AG Deutsche Presseagentur Enak Ferlemann ICE Kunden Oliver Luksic Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Züge
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Zugstörungen

03.05.2020

Zugstörungen bremsen Bahnkunden immer häufiger aus

Wer Bahn fährt weiß: Verspätungen gehören zum Alltag. Beim Schienennetz gibt es einen Sanierungsstau, viele Züge sind veraltet. Und nun sorgt die Corona-Krise auch noch dafür, dass dem Staatskonzern noch mehr Geld fehlt. » mehr

Bahnbranche braucht schnell wieder Kunden

27.07.2020

Bahnbranche braucht schnell wieder Kunden

Doppelt so viele Fahrgäste im Bahnverkehr bis 2030 - das ist nach wie vor die Vorgabe der Bundesregierung. Doch in der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Bahnfahrten massiv eingebrochen. Das muss sich schnell wieder änd... » mehr

Oberleitung

21.07.2020

Bahn-Elektrifizierung kommt nur langsam voran

Auch im Zug sollen die Deutschen nach dem Willen der Bundesregierung mehr Strecken mit Elektroantrieb zurücklegen. Doch vielerorts fehlt dafür die Oberleitung. » mehr

Hotspot

15.07.2020

Neue Züge trotz Krise: Bahn bestellt 30 ICE bei Siemens

Lange Zeit kam die Bahn der wachsenden Nachfrage im Fernverkehr mit ihren Kapazitäten nicht hinterher. Seit einigen Monaten rüstet der Konzern auf, doch in der Krise bleiben nun die Kunden aus. Bahnchef Lutz ist zuversic... » mehr

Deutsche Bahn

28.07.2020

Deutsche Bahn fährt in Corona-Krise Milliardenverlust ein

Jeder Kilometer, den ein ICE zurücklegt, kostet bis zu 30 Euro. Die Bahn aber fährt Millionen von Kilometern. Wenn dann kaum zahlende Kundschaft an Bord ist, ergibt sich ein Problem. » mehr

Mobilfunknetz

16.06.2020

Kampf den weißen Flecken: Bund geht auf «Funklochjagd»

Die Festnetz- und Mobilfunknetze haben Deutschland durch die Corona-Krise gebracht. Doch längst nicht an allen Orten gibt es lückenlosen Empfang. Die Regierung will daher nun selbst tätig werden. In der Branche stößt das... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Dachstuhl geht in Flammen auf

Dachstuhlbrand in Sonneberg |
» 29 Bilder ansehen

Unwetter Meiningen 11.08.20 Meiningen

Starkregen in Meiningen | 11.08.2020 Meiningen
» 4 Bilder ansehen

Lkw mit Gülle an Bord kippt um Meiningen

Mit Gülle beladener Lkw kippt um | 11.08.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 01. 2020
15:35 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.