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Wirtschaft

Gericht: Fresenius kann Akorn-Übernahme abblasen

Die geplante Übernahme von Akorn galt als folgenschwerer Fehler von Fresenius, da bei dem US-Arzneihersteller gefälschte Medikamententests ans Licht kamen. Nun entschied ein Gericht, dass Fresenius den Zukauf absagen darf. Die Börse jubelt.



Fresenius
Das Firmenlogo prangt über dem Eingang der Zentrale des Medizinkonzerns Fresenius in Bad Homburg.   Foto: Frank Rumpenhorst

Im Tauziehen um die Übernahme des US-Arzneiherstellers Akorn kann der Gesundheitskonzern Fresenius aufatmen.

Das zuständige Gericht in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware hat entschieden, dass der Bad Homburger Dax-Konzern Akorn nicht kaufen muss. Das Gericht sah ausreichend Gründe für Fresenius, sich von dem Geschäft zurückzuziehen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Akorn will nun in Berufung gehen, wie der Produzent von Cremes und Salben am Montag ankündigte. «Wir sind enttäuscht von dem Urteil», teilten die Amerikaner mit. Fresenius-Aktien schnellten nach der Nachricht dennoch um 9 Prozent in die Höhe und schlossen letztlich 8,51 Prozent auf 68,62 Euro im Plus, während Akorn-Papiere an den US-Börsen um gut 56 Prozent einbrachen. Nach dem offiziellen Handelsbeginn an der Wall Street blieb die Aktie zunächst vom Handel ausgesetzt.

Fresenius hatte im April überraschend angekündigt, vom Akorn-Kauf für mehr als 4 Milliarden Dollar zurücktreten zu wollen und schwere Vorwürfe gegen wegen angeblich fehlerhafter Medikamententests erhoben. Der US-Konzern bestritt diese und pochte auf die Übernahme - danach sahen sich beide Unternehmen vor Gericht.

Richter Travis Laster folgte nun der Argumentation des Dax-Konzerns, wonach Akorn zahlreiche Fehler vertuscht hat. Fresenius hatte vier Akorn-Managern, darunter dem früheren Chef der Qualitätskontrolle, vorgeworfen, Daten von Medikamententests geschönt und diese für Neuzulassungsanträge bei der US-Medikamentenaufsicht FDA verwendet zu haben. Auch hatte Fresenius Sicherheitslücken im bei Akorn bemängelt, wodurch manipulierte Tests prinzipiell jedem möglich gewesen seien.

Fresenius-Chef Stephan Sturm hatte die Reißleine gezogen, nachdem beim Unternehmen im Frühjahr mehrere anonyme Hinweise auf ein mögliches Fehlverhalten Akorns eingegangen waren. Der US-Konzern warf Fresenius hingegen lange Zeit vor, die Tests als Vorwand zu nutzen, um sich von dem Deal zurückzuziehen. Denn die Amerikaner hatten nach der Unterzeichnung des Übernahmeplans schlechtere Ergebnisse ausgewiesen. Auch deshalb galt die geplante Übernahme als teurer Fehler von Sturm und belastete Fresenius-Aktien schwer.

Tatsächlich hatte auch Fresenius ähnliche Missstände in einem Werk seiner Flüssigmedizinsparte Kabi einräumen müssen. Indes hatte der Konzern argumentiert, dass diese sofort abgestellt worden seien.

Für Fresenius stand in dem Streit viel auf dem Spiel, weshalb Sturm persönlich zu den Schlussplädoyers nach Delaware flog. Hätte Fresenius Akorn kaufen müssen, wäre es laut Sturm teuer geworden. Die Rede vor Gericht war von Kosten in dreistelliger Millionenhöhe, die allein zur Behebung der Altlasten bei Akorn fällig angefallen wären.

Die Medikamententests waren nicht der einzige Knackpunkt bei Akorn. Der Konzern war schon wegen eines Bilanzskandals in die Schlagzeilen geraten. Zuletzt ermittelte die FDA in einem Werk im US-Bundesstaat New Jersey. Dort fanden die Ermittler Hinweise auf ein mit Metallresten verunreinigtes Anästhetikum. Akorn musste zudem sterile Augentropfen zurückrufen, da diese durch Qualitätstests fielen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 10. 2018
18:15 Uhr

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01. 10. 2018
18:15 Uhr



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