Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Forscher mahnen Überprüfung komplexer Regeln für Banken an

Auf die Finanzkrise reagierten Politik und Aufseher mit schärferen Regeln für Banken. Immer wieder beklagte die Branche in der Folge «Überregulierung» - zu Recht? Eine umfassende Studie gibt Antworten.



Frankfurter Bankenviertel
Das Bankenviertel in Frankfurt am Main. «Die Regulierung nach der Finanzkrise hat ihre Begründung», resümieren die Autoren der Studie.   Foto: Frank Rumpenhorst

Nach Einschätzung von Frankfurter Forschern haben sich die als Lehre der Finanzkrise 2007/2008 auf breiter Front verschärften Regeln für Banken in der Summe bewährt.

«Unser Fazit: Die Regulierung nach der Finanzkrise hat ihre Begründung, die Maßnahmen wirken, und es zeigt sich in der Folge auch eine Verbesserung der Stabilität im Finanzsektor», sagte der Finanzwissenschaftler Rainer Haselmann der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

In einer im Auftrag des Bundesfinanzministeriums erstellten Studie kommen Haselmann und seine Kollegen am Forschungszentrum SAFE an der Frankfurter Universität allerdings zugleich zu dem Ergebnis, dass die Regulierungskosten sehr hoch sind - gerade für kleinere Institute. «Viele Banken sprechen von «Regulierungswahnsinn»», schilderte Haselmann. «In diese Bewertung werden zum Teil aber auch Dinge wie die Niedrigzinsen oder Trends wie Digitalisierung, die das Filialgeschäft weniger profitabel machen, mit 'reingemischt.»

Dennoch plädieren die Studienautoren für eine Entschlackung mancher Vorgaben. «Angesichts der Vielzahl der Maßnahmen ist es angezeigt zu überprüfen, in welchen Bereichen man Regulierung vereinfachen kann», sagte Haselmann. «Man könnte zum Beispiel die Komplexität zurückführen, indem man für Banken Anreize schafft, in gewissen Kennzahlen einen Wert freiwillig zu übersteigen - zum Beispiel beim Eigenkapital - und diese Institute dann an anderer Stelle entlasten.»

Banken müssen heute deutlich dickere Eigenkapitalpolster haben, um für mögliche Schieflagen vorzusorgen. Institute in Not sollen in der Regel nicht mehr mit Steuermilliarden gerettet werden. Verschärft wurden auch die Regeln für die Auszahlung von Boni, damit Banker nicht wegen falscher Anreize mehr riskante Geschäfte machen.

Nach einer Analyse der Bilanzdaten von 858 deutschen Banken für die Jahre 2010 bis 2016 kommen die Forscher zu dem Ergebnis: Deutschlands Banken sind heute besser in der Lage, mögliche Risiken zu verkraften. «Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten, die das Eigenkapital der Banken übersteigt, ist gesunken und ebenso die Höhe der etwaigen über das Eigenkapital hinausgehenden Verluste», heißt es in der Studie.

In einigen Bereichen gebe es allerdings noch Reformbedarf, schreiben die Autoren: etwa bei einer europaweit einheitlichen Regulierung der Risiken von Staatsanleihen oder beim Umgang mit sogenannten notleidenden Krediten, also Krediten, bei denen die Schuldner Schwierigkeiten mit der Rückzahlung haben.

Zudem sei «noch nicht eindeutig genug geregelt, dass Banken in Schieflage nicht mehr mit Steuergeldern gerettet werden», sagte Haselmann. «Das System zur Abwicklung von Instituten muss noch nachgeschärft werden. Eine Trennung von Staat und Banken halten wir für ganz wichtig.»

Ein Fragezeichen machen die Studienautoren hinter die Sinnhaftigkeit der regelmäßigen großangelegten Krisentests für Europas Banken unter Federführung der Bankenaufsicht EBA. «Wir halten es für geboten, den EBA-Stresstest klar zu hinterfragen», sagte Haselmann. «Diese Tests sind extrem aufwendig und am Schluss ist die Aussagekraft der Ergebnisse solcher Szenarien immer sehr fraglich - gerade was die Vergleichbarkeit der einzelnen Ländern angeht.»

Die Bundesregierung hatte sich im Sinne einer Förderung des Finanzplatzes Deutschland vorgenommen, sich für eine «zielgenaue, wirksame und angemessene Finanzmarktregulierung» einzusetzen. In ihrem Koalitionsvertrag hielten Union und SPD weiterhin fest: «Dort, wo es notwendig ist, werden wir auf eine Nachjustierung auch auf europäischer und internationaler Ebene hinwirken. Wir wollen dabei insbesondere kleine Institute entlasten, soweit von ihnen geringe Risiken für die Finanzstabilität ausgehen.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
12:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Banken Banken - Deutschland Bankenaufsicht Bundesministerium der Finanzen Deutsche Presseagentur Eigenkapital Eisenbahn-Bundesamt Finanzkrisen Finanzwissenschaftler Gefahren Institute Kredite Rettung SPD
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Hilfe für BER-Betreiber

05.09.2020

Bund und Länder wollen Hilfe für BER-Betreiber beschleunigen

Wenige Wochen vor dem Start des neuen Hauptstadtflughafens ist die Betreibergesellschaft knapp bei Kasse. Weitere staatliche Hilfe soll fließen. Doch es fehlt die Zustimmung aus Brüssel. » mehr

Martin Zielke

07.06.2020

Bankenpräsident: Corona-Krise beschleunigt Filialabbau

Die Corona-Krise wird das Filialsterben bei Deutschlands Banken nach Einschätzung von Bankenpräsident Martin Zielke beschleunigen. » mehr

Zinsen für Ratenkredite

18.06.2020

Höhere Zinsen für Ratenkredite - Regional große Unterschiede

Kreditinstitute befürchten in der Corona-Krise mehr Ausfälle von Darlehen. Manche Institute verschärfen ihre Richtlinien zur Kreditvergabe. Das bekommen auch Verbraucher zu spüren. » mehr

Zielke

03.07.2020

Commerzbank-Chef Zielke macht Weg frei für Neuanfang

Der Commerzbank stehen unruhige Zeiten bevor. Die Spitze von Vorstand und Aufsichtsrat müssen neu besetzt werden - und das mitten im Streit über die richtigen Mittel gegen Zinstief und Kostendruck. » mehr

KfW-Hilfskredite

27.03.2020

Rasant steigende Nachfrage nach KfW-Hilfen

Viele Unternehmen stehen wegen der Corona-Krise mit dem Rücken zur Wand. Kommen die staatlichen Rettungskredite rechtzeitig an? Banken und Sparkassen versichern: Wir tun alles dafür. » mehr

Kurzarbeit

18.03.2020

Politik schnürt Corona-Notpakete für Beschäftigte und Firmen

Fast stündlich verschärfen sich in der Coronakrise die Folgen für die Wirtschaft. Das trifft Tausende Firmen quer durch alle Branchen und Millionen von Beschäftigten. Und was ist mit Menschen, die wegen Schul- und Kitasc... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Mopedunfall Steinheid

Mopedunfall Steinheid |
» 4 Bilder ansehen

Schwerer Unfall Effelder Effelder

Unfall Effelder | 13.09.2020 Effelder
» 12 Bilder ansehen

Kürbiswiegen Fambach

Kürbiswiegen Breitungen | 12.09.2020 Fambach
» 18 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
12:13 Uhr



^