Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Wirtschaft

Flugpassagiere sollen einfacher an Entschädigungen kommen

So groß wie in diesem Jahr war das Chaos am Himmel lange nicht. Jetzt hat sich das Verbraucherministerium eingeschaltet. Das Ergebnis: Passagiere sollen ihre Entschädigung bald einfach per App beantragen.



Flughafen
Zahlreiche Fluggäste warten am Münchener Flughafen am Terminal 2 auf ihre Flüge.   Foto: Matthias Balk

Der Sommer 2018 hat viele Rekorde gebrochen - auch wenn es um Ausfälle und Verspätungen von Flugzeugen ging. Urlauber saßen an den Flughäfen im wahrsten Sinne des Wortes stundenlang auf gepackten Koffern.

So manchem wird das den entspannten Start in die Ferien verdorben haben. Entschädigungen beantragten trotzdem nur wenige - nach Ansicht der Politik auch, weil die Verfahren viel zu kompliziert sind. Bei einem Spitzentreffen am Mittwoch sagten die Fluggesellschaften nun zu, das zu erleichtern und die Passagiere im Ernstfall besser zu informieren.

Entschädigungen sollen laut Verbraucherschutzministerium künftig über zentrale Anlaufstellen abgewickelt werden, die Passagiere sollen sie nicht nur per Brief, sondern beispielsweise auch über eine Smartphone-App beantragen können. Außerdem wollten Fluggesellschaften und Flughäfen die Kunden per SMS, E-Mail, App und auf Anzeigetafeln im Terminal besser über Verspätungen und Ausfälle informieren.

«Transparente, zügige und einfache Entschädigungsverfahren sowie die Akzeptanz von Schlichtungen sind aus unserer Sicht wichtige Schritte auf dem Weg hin zu einer Verbesserung der Situation», sagte Staatssekretär Gerd Billen. Die Änderungen seien nicht kompliziert und könnten zeitnah kommen - das Ministerium werde «mit Nachdruck» nachfassen.

Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) hatte zuvor «dringenden Handlungsbedarf» angemahnt. Fluggäste brauchten transparente Informationen besonders dazu, wo sie Entschädigungen beantragen könnten. «Die Hinweise zu Ansprüchen, Beschwerde- und Schlichtungsmöglichkeiten gehören gut sichtbar auf die Startseite», forderte sie. Ausgleichsleistungen müssten so einfach werden wie der Ticketkauf. Die SPD-Fraktion hatte gefordert, wer online ein Ticket buche, sollte auch per Klick an seine Entschädigung kommen.

Angestoßen wurde die Diskussion von einem Chaos-Sommer am Himmel. Nach einer Übersicht des kommerziellen Internetportals AirHelp fielen in Deutschland von Januar bis Mitte September mehr als 14.000 Flüge aus, mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mehr als jeder vierte Flug in Deutschland (28,8 Prozent) war entweder verspätet oder wurde ganz gestrichen.

«Die Zahl der Flugausfälle und Verspätungen im vergangenen Sommer waren inakzeptabel», erklärte Verkehrsstaatssekretär Guido Beermann. Grund waren Streiks und Unwetter genauso wie Sicherheitspannen, Nachwehen der Air-Berlin-Insolvenz und simple Fehlplanungen der Airlines. Nach Rechnung des Portals löste das Ansprüche der Passagiere an die Fluggesellschaften in Höhe von 823 Millionen Euro aus.

Ob Fluggesellschaften wie Ryanair angesichts der Streiks zur Kasse gebeten werden können, ist allerdings noch umstritten. Am Mittwoch kündigte die britische Luftverkehrsaufsicht CAA rechtliche Schritte gegen die Airline an, weil diese ihre Passagiere nicht entschädigen will.

Ryanair beruft sich dabei auf die bisherige Rechtsprechung, dass Streiks zu den «außergewöhnlichen Umständen» zählen, bei denen die Airlines nicht zahlen müssen. Die CAA vertritt hingegen die Auffassung, dass bei diesen Crew-Streiks den Passagieren nach den EU-Richtlinien doch Entschädigungen zustehen.

Im Oktober hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bereits mit Länder-Verkehrsministern und Vertretern der Flugbranche über Verbesserungen im Luftverkehr gesprochen. Damals saßen allerdings keine Verbraucherschützer mit am Tisch - weshalb aus Sicht von Barley ein neues Treffen nötig wurde. Im März wollen die Akteure erneut zusammenkommen und überprüfen, was bis dahin verbessert wurde.

Die Fluggesellschaften hatten beim ersten Treffen eine Reihe von Verbesserungen im System zugesagt. So will die Lufthansa zusätzliche Flugzeuge und Crews an den großen deutschen Flughäfen bereitstellen. Außerdem soll überprüft werden, ob Sicherheitskontrollen - wie an anderen europäischen Flughäfen - effektiver und schneller werden können. Der Frankfurter Flughafen will zehn neue Kontrolllinien einrichten, andere Flughäfen zusätzliche Flächen für die Security-Checks bereitstellen.

Veröffentlicht am:
05. 12. 2018
17:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Scheuer App CSU Deutsche Lufthansa AG Fluggesellschaften Fluggäste Flughäfen Himmel Katarina Barley Ryanair SPD SPD-Fraktion Sicherheitspannen Streiks
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Verpätete Flüge

23.11.2018

Neues Spitzentreffen zu Flugverspätungen am 5. Dezember

Angesichts zunehmender Verspätungen und Ausfälle von Flügen holt Verbraucherministerin Katarina Barley (SPD) Airlines, Flughäfen und Verbraucherschützer an einen Tisch. » mehr

Klagen der Deutschen Umwelthilfe

20.11.2018

Barley verteidigt Gerichte gegen Kritik an Fahrverboten

Nach der Kritik von Unionspolitikern an den Urteilen deutscher Gerichte zu Diesel-Fahrverboten hat Justizministerin Katarina Barley mehr Respekt vor der Rechtsprechung angemahnt. » mehr

Kondensstreifen

20.12.2018

Flugverkehr global im Daueraufschwung

Weltweit kennt der Luftverkehr seit Jahren nur den Steigflug. Auch für 2019 rechnen alle mit noch mehr Flügen, Fracht und Passagieren. Doch in Europa bremst mehr als nur die Unsicherheit um den Brexit. » mehr

Germania

09.01.2019

Airline Germania in der Krise - Flugbetrieb läuft weiter

Wieder ist eine Berliner Fluggesellschaft in Finanznot. Die Airline Germania ist darum bemüht, die kurzfristige Liquidität zu sichern. Noch ist unklar, ob Investoren bereit sind, zu helfen. » mehr

Hauptstadtflughafen BER

25.01.2019

BER soll im Herbst fertig sein

Noch gibt es Zeitpuffer, betonen die Verantwortlichen. Im nächsten Jahr wollen sie den Flughafen endlich eröffnen. Doch der Teufel steckt im Detail. » mehr

Reiseverkehr am Flughafen

13.01.2019

Warnstreiks an Flughäfen: Reisende müssen wieder gut planen

Der Tarifstreit beim Sicherheitspersonal an den Flughäfen geht weiter. Diesmal sind neben Deutschlands größtem Airport in Frankfurt fünf weitere Standorte betroffen. Es hagelt Kritik. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Karneval Kaltensundheim Rhön-Gymnasium

Karneval Kaltensundheim Rhöngymnasium |
» 24 Bilder ansehen

EAV in der Messehalle Erfurt Erfurt

EAV auf Abschiedstour in Erfurt | 20.02.2019 Erfurt
» 67 Bilder ansehen

Rodelblitz dampft durch die Region Suhl/Zella-Mehlis

Rodelblitz | 18.02.2019 Suhl/Zella-Mehlis
» 26 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 12. 2018
17:32 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".