Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Wirtschaft

Experten befürchten deutlichen Konjunktureinbruch

Die Coronavirusepidemie belastet das Wirtschaftsleben. Ökonomen rechnen mit einem Konjunktureinbruch. Wie hart könnte es Deutschland treffen?



Dunkle Wolken über Frankfurt
Die Konjunktur in Deutschland wird nach Einschätzung der Volkswirte der privaten Banken infolge der Coronakrise in diesem Jahr massiv einbrechen.   Foto: Boris Roessler/dpa

Die Konjunktur in Deutschland wird nach Einschätzung von Volkswirten infolge der Coronavirus-Krise in diesem Jahr massiv einbrechen. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,5 Prozent.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) erwartet für das Gesamtjahr sogar ein Minus um 4 bis 5 Prozent. Zuletzt war die deutsche Wirtschaft 2009 in der Folge der globalen Finanzkrise geschrumpft, damals um mehr als 5 Prozent.

Ab dem dritten Quartal 2020 könnte sich die Konjunktur nach heutiger Einschätzung allmählich wieder erholen, sagte Stefan Schneider, Deutschland-Chefökonom der Deutschen Bank in einer Telefonkonferenz. «Das sind dramatische Zahlen, aber das ist sicherlich nicht der Weltuntergang», sagte Schneider. Insgesamt funktioniere die deutsche Wirtschaft recht gut. Im Jahr 2021 halten die Ökonomen bereits wieder ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland um gut 2 Prozent für möglich.

Die Virusepidemie belastet die gesamte Weltkonjunktur schwer. Die deutsche Wirtschaft sei über Liefer- und Produktionsketten wie auch über Absatzmärkte betroffen, erklärte das HWWI. Mit der schrumpfenden Wirtschaftsleistung werde auch eine steigende Arbeitslosigkeit einhergehen. Die Prognose steht allerdings unter Vorbehalt: «Die ökonomischen Auswirkungen sind schon wegen des nicht absehbaren Ausmaßes der Epidemie schwer abschätzbar», heißt es in der Mitteilung der Hamburger Forscher. «Die Gefahr einer längeren und noch ausgeprägteren Rezession, was Tiefe wie Dauer betrifft, ist bei Ausweitung der Pandemie hoch.»

Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» rechnet EZB-Päsidentin Christine Lagarde mit einem Konjunktureinbruch im Euroraum. Grundlage sei eine Kalkulation der Folgen, die ein einmonatiges Herunterfahren der Wirtschaft hätte. Das könnte das Wachstum um 2,1 Prozentpunkte verringern. Dann würde das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr im Euroraum um 1,3 Prozent schrumpfen. Wenn der Lockdown drei Monate betrage, könnte die Wirtschaft um 5 Prozent schrumpfen. Das wäre mehr als im Zuge der Finanz- und Eurokrise. 2009 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum um 4,4 Prozent.

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel forderte angesichts der Krise eine engere Zusammenarbeit in Europa. «Es braucht jetzt europäische Solidarität, auch finanziell. Das ist im Interesse aller Länder Europas», sagte die Ökonomin in einem von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Interview. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession sei «spürbar» gestiegen. «Wir erleben einen sehr schweren ökonomischen Schock», sagte Schnabel.

EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis erwartet einen Wirtschaftseinbruch in vielen EU-Ländern. «Es ist klar, dass es Probleme geben wird. Sie werden ziemlich ernst sein. Wir sehen, dass es in vielen EU-Mitgliedstaaten sehr wahrscheinlich eine Rezession geben wird», sagte Dombrovskis im lettischen Fernsehen. Die EU-Kommission rechnete zuletzt damit, dass die Wirtschaft in der EU insgesamt um etwa ein Prozent schrumpft.

Viele kleinere Unternehmen in Deutschland erwischt die Krise einer Studie zufolge in einer ungünstigen Ausgangslage. Viele hätten eine schwache Bewertung ihrer Bonität, hieß es in einer Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Einige Branchen weisen demnach überdurchschnittlich hohe Anteile an insolvenzgefährdeten Unternehmen auf. Dazu wurde vor allem die Gastronomie gezählt. Demnach haben 16 Prozent der kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten eine schwache Bonitätsbewertung. Bei kleineren Automobilzulieferern seien es 15 und in der chemisch/pharmazeutischen Industrie 14 Prozent.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 03. 2020
16:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Banken - Deutschland Christine Lagarde Deutsche Bank Eurokrise Europäische Kommission Europäische Union Europäische Zentralbank Eurozone Finanzkrisen KfW Bankengruppe Krisen Stefan Schneider Valdis Dombrovskis Weltfinanzkrisen Wirtschaftsforschung Wirtschaftswissenschaftler Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
EU-Fahne

24.03.2020

EU noch uneins über ESM-Hilfen in Corona-Wirtschaftskrise

Für Unternehmen und Arbeitnehmer werden beispiellose Rettungsprogramme gestartet. Auch die EU zieht Hebel, die vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen wären. Doch das ist noch nicht das letzte Wort. » mehr

Europäische Zentralbank

04.06.2020

EZB stemmt sich mit Billionenpaket gegen Konjunkturabsturz

Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft im Euroraum mit voller Wucht. Die EZB rechnet mit einer schweren Rezession. Die Währungshüter fackeln nicht lange und legen noch einmal kräftig nach. » mehr

EZB Frankfurt

27.05.2020

EZB bereitet Boden für weitere Nothilfen

Die Virus-Pandemie trifft die Wirtschaft im Euroraum hart. Die EZB will mit aller Macht gegensteuern. Legen die Währungshüter schon Anfang Juni nach? » mehr

EZB-Präsidentin Lagarde

12.03.2020

Notkredite und Anleihenkäufe: EZB stemmt sich gegen Pandemie

Europas Währungshüter verschärfen ihren Anti-Krisen-Kurs angesichts der Ausbreitung des Coronavirus erneut. Weitere Anleihenkäufe sollen die schwächelnde Konjunktur stützen. Die Medizin ist umstritten. » mehr

EU-Kommission zur Konjunktur

06.05.2020

EU sieht sich in der schwersten Rezession ihrer Geschichte

Die Corona-Pandemie hat die europäische Wirtschaft zur Vollbremsung gezwungen. Der Schock sei so groß wie nie zuvor seit der großen Depression in den 1930er Jahren, sagt die EU-Kommission. » mehr

Corona-Rezession

06.05.2020

Wie tief wird die Corona-Rezession?

Die ersten Daten sind düster: Die Pandemie bremst die Wirtschaft aus. Aber wie tief geht es runter und wann wieder aufwärts? Eine Frühjahrsprognose aus Brüssel dürfte sehr unsicher ausfallen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 7 Bilder ansehen

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 03. 2020
16:23 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.