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Wirtschaft

Ex-Strom-Managerin Müller soll Deutschlands Autolobby lenken

Der Autoverband VDA agierte zuletzt eher glücklos, auch intern war man sich oft nicht einig. Nun ist eine Nachfolgerin für Präsident Mattes gefunden. Die Wahl will die gescholtene Branche auch als Signal verstanden wissen.



Hildegard Müller
Die 52 Jahre alte Hildegard Müller war bis Oktober Netzchefin des Energiekonzerns Innogy.   Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Eine neue Frau an der Spitze der mächtigen deutschen Autolobby soll die Branche in den kommenden Jahren zusammenhalten und das schlechte Image wieder aufpolieren.

Was Bernhard Mattes nicht so richtig gelang, soll nun aller Voraussicht nach Hildegard Müller als Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) schaffen.

Nach monatelanger Suche hätten sich die führenden Vertreter der Konzerne auf die 52 Jahre alte frühere CDU-Politikerin geeinigt, hieß es übereinstimmend aus Industrie- und Berliner Koalitionskreisen.

Offiziell bestätigt wurde die Personalie nicht, Müller selbst äußerte sich ebenfalls nicht. Der finale Beschluss des VDA-Präsidiums stand auch noch aus, dem Vernehmen nach geht es aber nur noch um Details.

Der VDA ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Autobranche mit mehr als 800.000 direkt Beschäftigten eine Schlüsselindustrie. Die steht allerdings seit Jahren wegen des Dieselskandals schwer unter Druck. Die Klimadebatte und der angepeilte Umbau des Autoverkehrs in Richtung E-Mobilität bieten ebenfalls viel Stoff für Konflikte.

Müllers Name war in den vergangenen Wochen immer mal wieder gefallen. In der Autobranche ist sie neu, es gibt aber durchaus einige Anknüpfungspunkte in ihrer Vita. Bis Oktober war sie Netzchefin des Energiekonzerns Innogy, eines der größten Betreiber von Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland. Davor war sie knapp acht Jahre lang Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Müller gilt, und das war den Autobossen dem Vernehmen nach sehr wichtig, nicht nur als gut vernetzt in der Politik, sondern auch als erfahren in der Welt der Verbände. Von 1998 bis 2002 führte sie - als bislang einzige Frau - die Junge Union. Von 2005 an war sie Staatsministerin im Bundeskanzleramt und als solche zuständig unter anderem für die Bund-Länder-Beziehungen.

Mit ihrer Entscheidung für Müller wolle die Branche in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion auch ein Zeichen setzen, hieß es aus Industriekreisen. Dass eine Frau den Posten bekommt, war den Autobossen dabei wohl ebenso wichtig wie die Tatsache, dass Müller mit ihren 52 Jahren gut zehn Jahre jünger ist als ihr Vorgänger Mattes. Auch Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger, die beide als Kandidaten gehandelt worden waren, sind älter. Vor allem eine Berufung Oettingers, so ist zu hören, hätte wohl ein falsches Signal gesendet.

Der frühere Ford-Manager Mattes hatte im September überraschend seinen Rückzug angekündigt. Er ist erst seit März 2018 VDA-Präsident, seine Amtszeit lief eigentlich bis Ende 2020.

Müller wäre erst die zweite Frau an der Spitze des Verbandes. Erika Emmerich, bis dahin Präsidentin des Kraftfahrt-Bundesamtes, hatte 1989 die Führung übernommen. Seit ihrem Abschied 1996 ging das Amt des Präsidenten aber nur noch an Männer.

Als Mattes' Nachfolgerin muss nun Müller unter Beweis stellen, dass sie Streit schlichten und den Lobbyverband des wichtigsten deutschen Industriezweigs auf gemeinsame Linien ausrichten kann. Der VDA gilt gemeinhin als schwer zu führender Verband, weil er die verschiedenen Interessen der Hersteller sowie der Zulieferer, darunter viele kleine, unter einen Hut bringen muss.

Im Streit um die Zukunftsausrichtung der Branche verlaufen die Gräben aber mitunter auch quer durch die Reihen der Großkonzerne. Im Frühjahr brodelte es heftig zwischen Volkswagen auf der einen und Daimler und BMW auf der anderen Seite. VW-Chef Herbert Diess wollte den Verband wie den Wolfsburger Konzern stärker auf die Förderung reiner Elektroantriebe ausrichten. Daimler und BMW reagierten verschnupft, weil sie mit ihren oft schweren Autos auch stärker auf gemischte Plug-in-Hybride setzen. Dabei soll Mattes, so war es hinter den Kulissen zu hören, nicht für alle eine gute Figur gemacht haben.

Auch die vom Verband ausgerichtete Leistungsschau, die Internationale Automobil-Ausstellung, stand zuletzt unter keinem guten Stern. Wegen Besucherschwunds und Zweifeln am Konzept hat der Verband eine neue Ausrichtung angestoßen. Auch Frankfurt ist als Ausrichter nicht mehr gesetzt. Wo die nächste IAA Pkw 2021 stattfindet, ist noch offen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 11. 2019
15:44 Uhr

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27. 11. 2019
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