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Wirtschaft

Ex-General Kujat hält sich bei Heckler & Koch im Amt

Abstimmungen bei Aktionärstreffen des Waffenherstellers Heckler & Koch waren bisher eine klare Sache. Die Großaktionäre zogen an einem Strang. Doch die Zeiten haben sich geändert - es tobt ein Machtkampf bei dem Schwarzwälder Unternehmen.



Heckler & Koch
Auf dem Waffenhersteller Heckler & Koch lasten Darlehen von 237 Millionen Euro; diese Schulden sind damit in etwa so hoch wie der Jahresumsatz.   Foto: Marijan Murat/dpa » zu den Bildern

Bei einer turbulenten Hauptversammlung des hoch verschuldeten Waffenherstellers Heckler & Koch hat sich der Aufsichtsratsvorsitzende Harald Kujat im Amt halten können.

Ein Antrag einer Luxemburger Finanzholding auf Abberufung des 77-Jährigen aus dem Kontrollgremium scheiterte deutlich und bekam nur 9,5 Prozent Zustimmung. Dies war jedoch keine Überraschung, weil der Mehrheitseigentümer Andreas Heeschen zum pensionierten Militär hielt. Heeschen wiederum wurde in den Aufsichtsrat gewählt - auch dies gegen den Widerstand der Finanzholding CDE. Die Firma hält zwar nur 5,1 Prozent am Stammkapital, bald könnten es aber mehr werden.

Es war das erste Mal, dass ein H&K-Großaktionär bei der Hauptversammlung offen auf Konfrontationskurs ging und somit gewissermaßen einen Warnschuss abgab gegen Heeschen, durch dessen Unterstützung Kujat erst im Juli in das Amt gekommen war. Die Finanzholding CDE monierte, dass der Ex-General keine Wirtschaftserfahrung habe und zu alt sei. Die Geschäftsordnung von Heckler & Koch sieht vor, dass ein Aufsichtsratsmitglied in der Regel nicht älter als 70 Jahre sein soll. Ein Muss ist das nicht.

Bei der achtstündigen Veranstaltung hatten Vertreter der CDE ihren Unmut in langen Fragenkatalogen deutlich gemacht - sie bezweifelten die Sinnhaftigkeit von Entscheidungen vergangener Jahre. Vor allem ging es um einen 2006 aufgenommenen, mit 9,25 Prozent sehr hoch verzinsten 100-Millionen-Euro Kredit. Mit dem Geld stemmte H&K Investitionen in andere Branchen, die allesamt scheiterten.

Wie aus den Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden Jens Bodo Koch hervorging, wurde damals zum Beispiel ein 16 Millionen-Euro-Kredit an einen Wertpapierhändler, der in der Finanzkrise in Schieflage geriet, «in voller Höhe wertberichtigt». Auch ein 2-Millionen-Darlehen an eine Geschäftsflugzeugfirma wurde wertberichtigt, die Investition in das später insolvente Gartengeräteunternehmen Wolf Garten war ebenfalls ein Flopp. Sogar in einen Diamantenhändler investierte die H&K Beteiligungsgesellschaft im vergangenen Jahrzehnt - dies immerhin ohne Verlust für die Firma aus dem Schwarzwald.

Es war eine Art Chronologie des Scheiterns, die der seit 2018 amtierende Vorstandschef Koch als Antwort auf die CDE-Fragen verlas. Die Liste der Investment-Flopps erklärte, warum der Schuldenberg der 900-Mitarbeiter-Firma noch heute so exorbitant hoch ist. Darlehen von 237 Millionen Euro lasten auf dem Unternehmen - diese Schulden sind damit in etwa so hoch wie der Jahresumsatz.

Auch Friedensaktivisten, die einzelne Aktien als Zugang zu der Versammlung des Waffenherstellers nutzen und dem Vorstand dort regelmäßig die Leviten lesen, äußerten Kritik. Sie fordern seit langem, dass H&K umsattelt und andere Produkte herstellt, die mit Waffen nichts zu tun haben. Das Geschäftsgebaren von Haupteigner Heeschen im vergangenen Jahrzehnt stieß auch bei ihnen auf Unverständnis. Der Investor, der früher unter anderem Geschäftsführer der H&K-Beteiligungsfirma war, habe eine «Selbstbedienungsmentalität» gezeigt, monierte einer der Kleinaktionäre am Rednerpult.

Ein Antrag der sogenannten Kritischen Aktionäre scheiterte wie erwartet klar. Initiator dieses Antrags war der Pazifist Jürgen Grässlin - er hatte gefordert, dass der Aufsichtsrat für seine Arbeit angesichts des Sparkurses des Unternehmens kein Geld mehr bekommt. Grässlin selbst war bei dem Aktionärstreff nicht zugegen.

Ebenfalls nicht anwesend war Mehrheitseigentümer Heeschen. Der 59-jährige Deutsche blieb aus persönlichen Gründen in England, wo er seit langem wohnt. Erst nach Ende der Versammlung stellte er sich in einer Telefonkonferenz den Fragen der Journalisten. «Ich weise den Vorwurf der Selbstbedienung absolut zurück», betonte er. Man habe sich damals diversifizieren wollen und deshalb in andere Branchen investiert - dass dies daneben ging, habe an der Finanzkrise gelegen. H&K habe durch die strategischen Investitionen einen Verlust von 100 Millionen Euro erlitten. «Das ist in der Tat etwas, was eine Belastung für das Unternehmen darstellt.» Dennoch habe die Firma kontinuierlich in seine Waffenherstellung investieren können.

Heeschen hält knapp zwei Drittel des Stammkapitals an der Waffenschmiede. Allerdings hat er, wie am Donnerstag bekannt wurde, seit 2015 im Rahmen eines Darlehensvertrags 10 Millionen Aktien an die CDE verpfändet. Hinter der Firma steht der Franzose Nicolas Walewski, der einst mit Heeschen an einem Strang zog - inzwischen sind die beiden spinnefeind. Walewski hat seit langem beantragt, das Aktienpaket übertragen zu bekommen - die Anteile wären nach Darstellung von Heeschen bis zu 100 Millionen Euro wert. Bekommt er die Aktien, hätte die CDE - inklusive weiterer kleiner Anteilspakete - die Mehrheit an der deutschen Waffenschmiede.

Allerdings fehlt hierzu noch die Zustimmung der Bundesregierung - bei Eigentümerwechsel in der Rüstungsbranche hat Berlin eine Art Veto-Recht. Ein entsprechendes Signal könnte im Februar oder März kommen. Der Einfluss von Heeschen bei dem Waffenhersteller könnte also bald schrumpfen.

Gewissermaßen zwischen die Fronten geriet in dem Machtkampf der Aufsichtsratsvorsitzende Harald Kujat. Der 77-Jährige saß bei der Versammlung schweigend auf dem Podium und hörte nur zu. Auch nach dem Ende wollte er sich nicht äußern.

Veröffentlicht am:
19. 12. 2019
19:41 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 12. 2019
19:41 Uhr



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