Lade Login-Box.
Topthemen: Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

Erwartetes Bußgeld reißt BMW-Autosparte in die Verlustzone

Enorme Kosten für elektrische und selbstfahrende Autos, schwächelnde Märkte, steigende Rohstoffpreise - die Autobranche steht unter Druck. Aber nicht diese Belastung, sondern ein Brief aus Brüssel schlägt beim erfolgsverwöhnten BMW-Konzern jetzt gewaltig ins Kontor.



BMW
BMW hat für das erwartete Bußgeld 1,4 Milliarden Euro zurückgestellt.   Foto: Peter Kneffel

Eine drohende EU-Kartellstrafe in Milliardenhöhe hat BMW die Bilanz verhagelt. Im Kerngeschäft rutschte der Autobauer im ersten Quartal deshalb sogar in die roten Zahlen, wie Finanzvorstand Nicolas Peter in München sagte.

Nur mit den Gewinnen aus dem Leasing- und Kreditgeschäft und der Motorradsparte schaffte BMW noch einen Überschuss von 588 Millionen Euro - 74 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die EU-Kommission wirft BMW, VW und Daimler illegale Absprachen bei Technik zur Abgasreinigung vor. Für das erwartete Bußgeld hat BMW nun 1,4 Milliarden Euro zurückgestellt. Peter kündigte aber an, der Konzern werde sich «mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen», denn die Gespräche seien zulässig gewesen. VW und Daimler hatten sich der EU als Kronzeugen angeboten und keine Rückstellungen gebildet.

Im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten Mercedes-Benz und Audi hatte BMW im ersten Quartal mehr Autos verkauft als im Vorjahr und den Umsatz mit 22,46 Milliarden Euro fast stabil gehalten. Aber auch bei den Münchnern belasteten steigende Investitionen für Elektroautos das Ergebnis stark.

Bis Jahresende will BMW zehn Plug-in-Hybrid-Modelle auf der Straße haben. Die Forschungs- und Entwicklungskosten stiegen um rund 100 Millionen Euro, die Investitionen in die Werke um 200 Millionen Euro. Fast alle Werke könnten jetzt auch elektrifizierte Modelle bauen, sagte Peter. Im Juni eröffnet BMW sein neues Werk in Mexiko. Währungseffekte und steigende Rohstoffpreise kosteten den Hersteller mehr als 100 Millionen Euro, im Gesamtjahr voraussichtlich gut 600 Millionen Euro, sagte Peter.

Im Autogeschäft machte BMW deshalb 27 Millionen Euro Verlust vor Steuern. Deutlich besser als im Vorjahr lief es dagegen im Leasing- und Kreditgeschäft und in der Motorradsparte. Damit schaffte der Konzern noch ein Ergebnis von 762 Millionen Euro vor Steuern und unter dem Strich von 588 Millionen Euro - nach 2,3 Milliarden Euro vor einem Jahr.

Sparen ist für BMW-Chef Harald Krüger jetzt das Gebot der Stunde: «Es gibt keine Tabus. Wir drehen jeden Stein um», sagte er. Um bis 2021 insgesamt 12 Milliarden Euro einzusparen, lässt er Einkauf, Material- und Fertigungskosten unter die Lupe nehmen. Die Entwicklung neuer Modelle soll dank Digitalisierung um ein Drittel kürzer werden. Von 2021 an soll fast die Hälfte der heutigen Antriebsvarianten entfallen, wenig gefragte Modelle wie der 3er Gran Tourismo werden gestrichen.

Ein Stellenabbau sei aber nicht geplant, sagte Krüger und bekräftigte, «dass wir die Zahl der Mitarbeiter auf dem Niveau des Vorjahres halten».

Schneller und effizienter werden will BMW auch mit Kooperationen, etwa mit Daimler bei der nächsten Stufe des autonomen Fahrens, die 2024 auf die Straße kommen soll. BMW und Daimler haben auch ihre Carsharing-Dienste zusammengelegt. Einer Überkreuzbeteiligung von Daimler und BMW erteilte der Vorstandschef jedoch eine Absage, «das schließe ich definitiv aus».

Die Jahresprognose blieb unverändert. «Wir liegen operativ auf Kurs und rechnen insbesondere in der zweiten Jahreshälfte mit Rückenwind dank steigender Verfügbarkeit zahlreicher neuer Modelle», sagte Krüger. In Europa und Amerika dürfte die Nachfrage leicht, in China deutlicher steigen, sagte Finanzvorstand Peter. Aber wegen der vielen Belastungen werde das Konzernergebnis vor Steuern «deutlich unter dem des Vorjahres liegen», also unter 8,9 Milliarden Euro. Im Autogeschäft soll das Ergebnis vor Steuern und Zinsen mindestens 4,5 Prozent vom Umsatz erreichen.

Im Gegensatz zum VW-Konzern hält sich BMW beim Antrieb der Zukunft alle Optionen offen - vom Verbrenner über Plug-in-Hybride und Batterieautos bis zur Brennstoffzelle. Die Kundenwünsche in den verschiedenen Weltregionen seien verschieden, «technologische Offenheit ist entscheidend», sagte Krüger.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
15:43 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Audi Auto Autobranche Autofirmen BMW Bußgelder Daimler AG Elektroautos Europäische Kommission Europäische Union Konzernergebnisse Mercedes-Benz Motorradbranche Steuern und staatliche Abgaben Stromtechnik VW
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
An der Fertigungsstrecke

21.08.2019

Neuer WLTP-Abgastest: Autobauer geben Entwarnung

Vor einem Jahr hat die Einführung des WLTP-Verbrauchstests die Autoindustrie in schwere Turbulenzen gestürzt. Am 1. September tritt schon die nächste Version in Kraft. Diesmal wird das Chaos jedoch ausbleiben, sagen die ... » mehr

Automarkt in den USA

12.06.2019

Krise in der Autoindustrie verschärft sich

Weltweit stehen der Branche große Umwälzungen bevor: China pusht Elektroantriebe, in der EU kommen strenge Vorgaben für das Treibhausgas CO2 - und in den USA lauern die Tech-Konzerne darauf, das Autofahren mit Robotaxis ... » mehr

Oliver Zipse

19.07.2019

Neuer BMW-Chef für klare Ansagen in stürmischen Zeiten

Ist BMW Nachzügler bei der E-Mobilität - oder Vorreiter? Die Wahrheit könnte in der Mitte liegen. Und so sind auch die Erwartungen an den neuen Konzernchef in München ganz verschieden: Neue Tonart - oder neuer Kurs? » mehr

Harald Krüger

16.05.2019

BMW-Aktionäre watschen Konzernführung ab

Die erfolgsverwöhnten BMW-Aktionäre haben Vorstandschef Krüger die Leviten gelesen. Sie kreiden ihm Kursverluste und Dividendenkürzung an. Über seine Zukunft muss der Aufsichtsrat demnächst entscheiden. » mehr

VW und Ford starten Allianz bei Elektro- und Roboterautos

12.07.2019

VW und Ford beginnen Allianz bei Elektro- und Roboterautos

Dass sich Autokonzerne bei bestimmten Projekten verbünden, ist keine Seltenheit mehr. Die Branche muss enger zusammenrücken, denn die Kosten sind hoch und das Silicon Valley macht bei Innovationen Druck. VW und Ford erwe... » mehr

Volkswagen

09.04.2019

Weiter schwere Flaute am chinesischen Automarkt

Lange war China für deutsche Autobauer Garant für gute Absatzzahlen. Doch seit Monaten zögern die Chinesen beim Autokauf. Das liegt auch am Zollstreit zwischen Peking und Washington - aber nicht nur. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

29. Stadtfest Schmalkalden Schmalkalden

Stadtfest Schmalkalden Eröffnung | 22.08.2019 Schmalkalden
» 25 Bilder ansehen

Unfall Sachsenbrunn Sachsenbrunn

Unfall Sachsenbrunn | 22.08.2019 Sachsenbrunn
» 12 Bilder ansehen

2019-08-21 Meiningen

Helikopter-Einsatz Bahnhof | 21.08.2019 Meiningen
» 13 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
15:43 Uhr



^