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Wirtschaft

Eon erwartet nach Innogy-Übernahme Wachstumssprung

Fast zwölf Millionen Verbraucher in Deutschland könnten ihren Strom demnächst von Eon beziehen. Noch weit mehr werden nach der Innogy-Übernahme an Netze des Energieriesen angeschlossen sein. Was bedeutet das für den Wettbewerb und die Verbraucher?



Eon-Bilanzvorlage
Eon-Chef Johannes Teyssen (l) und Finanzvorstand Marc Spieker bei der Bilanzpressekonferenz in Essen.   Foto: Roland Weihrauch

Beim Energiekonzern Eon wächst die Vorfreude auf die Übernahme der RWE-Tochter Innogy. Vor allem das Geschäft mit den Verteilnetzen für Strom und Gas soll viel Wachstum bringen.

Nach dem Innogy-Zukauf sollen in Europa rund 50 Millionen Verbraucher an Netze von Eon angeschlossen sein. In diesem Bereich rechnen die Essener mit jährlichen Umsatzsteigerungen von 5 bis 10 Prozent. «Das sind krachende Zuwachsraten», sagte Eon-Finanzchef Marc Spieker bei der Bilanzvorlage für 2018 am Mittwoch in Essen. Auch beim Kundengeschäft gebe es große Wachstumsmöglichkeiten.

Auch die Aktionäre sollen profitieren: Für dieses Geschäftsjahr versprach Eon ihnen eine höhere Dividende. Mit 46 Cent pro Aktie soll sie um 50 Prozent höher ausfallen als 2017.

Eon hat mit dem bisherigen Konkurrenten RWE einen umfangreichen Tausch von Geschäften vereinbart. Am Ende soll die gesamte Stromproduktion aus fossilen und erneuerbaren Energie zu RWE gehen, Eon will sich auf die Stromnetze und den Vertrieb konzentrieren. RWE soll zudem mit knapp 16,7 Prozent an Eon beteiligt werden.

Eon beliefert allein in Deutschland 5,1 Verbraucher mit Strom. Mit der Übernahme von Innogy kämen weitere 6,6 Million Kunden hinzu. Bei Gas haben beide Unternehmen zusammen 2,2 Millionen Kunden. Daher fürchten Konkurrenten und Verbraucherschützer um den Wettbewerb. Die EU-Kommission prüft, ob den Stromkunden Preiserhöhungen drohen.

Eon-Chef Johannes Teyssen wies Warnungen, das Unternehmen bekomme zu viel Macht auf dem deutschen Strommarkt, als unbegründet zurück. «Der Wettbewerb ist in keiner Weise gefährdet», sagte er. Entsprechende Vorwürfe von Wettbewerbern, «die sich eigene Vorteile erhoffen», hielten einer näheren Betrachtung nicht Stand. Im deutschen Stromvertrieb werde es weiter es einen scharfen Wettbewerb geben, weil jeder Kunden unter rund 100 Anbietern auswählen könne. Bei den Netzen profitierten die Verbraucher ferner von der Übernahme, weil die neue Eon noch effizienter werde.

Teyssen ist weiter zuversichtlich, die Genehmigung der Brüsseler Wettbewerbskontrolleure für den Deal in der zweiten Jahreshälfte zu erhalten. «Mit einem Plan B habe ich mich nicht eine Stunde beschäftigt», sagte er. Das wäre «pure Zeitverschwendung».

Im vergangenen Jahr erreichte der Versorger seine Ziele. Geringere Ergebnisbeiträge aus dem Netz- und dem Vertriebsgeschäft sorgten für einen leichten operativen Gewinnrückgang. Das bereinigte Ergebnis stieg aber dank geringerer Zins- und Steuerbelastung um 5 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Bei Innogy verliefen die Geschäfte hingegen eher enttäuschend. Vor allem das britische Vertriebsgeschäft verhagelte die Bilanz. Abschreibungen auf die Tochter Npower führten zu einem Verlust von 653 Millionen Euro, wie Innogy am Mittwoch mitteilte.

Vorgestellt wurden die Innogy-Geschäftszahlen von dem vor gut einem Jahr bei einem Säureanschlag schwer verletzten Finanzchef Bernhard Günther. Es war Günthers erster öffentlicher Auftritt seit dem Angriff, sagte der 52-Jährige, der eine getönte Sonnenbrille und ein schwarzes Band um die Stirn trug. Die Täter konnten bis heute nicht ermittelt werden. Günther hat aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass dies noch gelingt. «Ich fände es schwer erträglich, wenn dieser Fall tatsächlich unaufgeklärt bleiben sollte - sowohl von meinem Gerechtigkeitsgefühl her als auch für die Sicherheit meiner Person und meiner Familie», sagte er der WAZ (Donnerstagsausgabe).

Innogy hatte die seit Jahren schwächelnde britische Tochter NPower in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem schottischen Energieversorger SSE einbringen wollen, doch der Deal scheiterte. Daher musste Innogy das defizitäre Geschäft wieder in die eigenen Bücher nehmen. Bislang hat Innogy 2 Milliarden Euro auf das Geschäft in Großbritannien abgeschrieben. Eon ist dagegen nach Angaben von Finanzchef Spieker mit dem eigenen Geschäft auf der Insel profitabel. Was NPower betreffe, «schauen wir uns alle Optionen an», sagt er.

Nach der Übernahme von Innogy sollen bei der neuen Eon rund 5000 Stellen wegfallen. Beide Unternehmen haben derzeit jeweils rund 43 000 Mitarbeiter. Teyssen bekräftigte die Zusage, dass der Stellenabbau auf beide Unternehmen entfallen werde. Nach Vereinbarungen mit den Gewerkschaften sind betriebsbedingte Kündigungen weitgehend ausgeschlossen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
13. 03. 2019
16:46 Uhr

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