Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

Draghi: EZB bereit zu weiterer Lockerung ihrer Geldpolitik

Legt die EZB noch einmal nach? Trübe Konjunkturaussichten und schwache Inflation alarmieren die Währungshüter. Die Märkte sollten auf alles vorbereitet sein.



Juncker und Draghi
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die EZB und ihren Chef Mario Draghi (r.) vor Kritik an ihrem geldpolitischen Kurs in Schutz genommen.   Foto: Olivier Hoslet

Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert auf eine Verschärfung ihres Anti-Krisen-Kurses zu.

Sollte sich der Wirtschaftsausblick nicht verbessern und die Inflation im Euroraum nicht anziehen, werde eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik erforderlich sein, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Dienstag bei der jährlichen Notenbankkonferenz der EZB im portugiesischen Sintra.

«Wir werden alle Flexibilität innerhalb unseres Mandats nutzen, um unseren Auftrag zu erfüllen», betonte Draghi. Schon bei der jüngsten Zinssitzung vor knapp zwei Wochen war im EZB-Rat über mögliche Maßnahmen diskutiert worden - etwa über eine Verschärfung des Strafzinses für Bankeinlagen. Zum EZB-Werkzeugkasten gehören auch Anleihenkäufe.

Draghi hatte wiederholt versichert, die Notenbank sei bereit, alle Instrumente zu nutzen, falls dies notwendig sei. «In den kommenden Wochen wird der EZB-Rat überlegen, wie unsere Instrumente entsprechend der Schwere des Risikos für die Preisstabilität angepasst werden können», sagte Draghi in Sintra.

Die EZB strebt mittelfristig für den Euroraum eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise können Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das bremst die Wirtschaft.

Doch ihr Ziel stabiler Preise wird die EZB nach eigener Einschätzung absehbar verfehlen. Die Teuerung dürfte nach EZB-Prognose 2019 bei 1,3 Prozent liegen. Für 2020 erwartet die Notenbank eine Inflationsrate von 1,4 Prozent, 2021 dann 1,6 Prozent.

Im Mai lagen die Verbraucherpreise im Euroraum mit seinen 19 Ländern nach Eurostat-Angaben um 1,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Draghi hatte nach der EZB-Sitzung Anfang Juni betont, die Notenbank werde die aktuellen Inflationsraten nicht auf Dauer hinnehmen.

Besserung ist nicht in Sicht: Zuletzt sind die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten auf Rekordtiefstände gefallen. Was technisch klingt, ist für die Geldpolitik der EZB entscheidend: Notenbanken betreiben Geldpolitik in erster Linie über die Steuerung der Erwartungen von Unternehmen und Verbrauchern. Wird der Notenbank nicht mehr zugetraut, ihre Ziele zu erreichen, kann das ihre Geldpolitik im Extremfall wirkungslos werden lassen.

«Wir sind weit entfernt von einer Normalisierung der Geldpolitik, weil die Welt weit entfernt von einer Normalisierung ist», hatte Draghi vor zwei Wochen gesagt. Angesichts wachsender Risiken für die Konjunktur verschoben die Währungshüter eine erste Zinserhöhung bis mindestens Mitte 2020. Der Leitzins im Euroraum verharrt vorerst auf dem Rekordtief von null Prozent. Banken müssen weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Mit neuen Geldspritzen für Banken versucht die EZB gegenzusteuern. Von September 2019 bis März 2021 stellt die EZB jeweils zweijährige Kredite zu besonders günstigen Konditionen zur Verfügung - im Fachjargon TLTRO genannt. Der Zins dafür wird prinzipiell eng an den jeweils gültigen Leitzins gekoppelt. Ziel ist, die Kreditvergabe zu beflügeln und so Wirtschaftswachstum und Inflation anzuschieben.

An den Märkten sorgten Draghis Worte am Dienstag für erkennbare Ausschläge: Der Euro gab um einen halben Cent nach. An den europäischen Kapitalmärkten sanken die Renditen deutlich. In Deutschland fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein Rekordtief. Die Aktienmärkte reagierten zunächst positiv.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
12:43 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutscher Aktien Index Donald Trump EZB-Präsidenten Euro Europäische Zentralbank Eurostat Eurozone Inflation Jean-Claude Juncker Kreditvergaben Leitzinsen Mario Draghi Statistisches Bundesamt Twitter Währungspolitik Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wechsel an der EZB-Spitze

01.11.2019

Erste Frau an der EZB-Spitze: Lagarde tritt Amt an

Klima-Aktivisten und Globalisierungskritiker protestieren zum Amtsantritt von Christine Lagarde gegen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Eine Kehrtwende unter der neuen EZB-Präsidentin zeichnet sich vorerst je... » mehr

Christine Lagarde und Mario Draghi

28.10.2019

EZB-Chef Mario Draghi verabschiedet sich

Die Europäische Zentralbank (EZB) bekommt erstmals eine Chefin: Die Französin Christine Lagarde löst Mario Draghi zum 1. November ab. » mehr

EZB-Präsident Mario Draghi

18.06.2019

Draghi: EZB bereit zu weiterer Lockerung ihrer Geldpolitik

Legt die EZB noch einmal nach? Trübe Konjunkturaussichten und schwache Inflation alarmieren die Währungshüter. Die Märkte sollten auf alles vorbereitet sein. Scharfe Kritik kommt aus Washington. » mehr

EZB

24.10.2019

EZB bekräftigt ultralockeren Kurs

Der scheidende EZB-Präsident Draghi lässt seiner Nachfolgerin wenig Spielraum: Das Zinstief im Euroraum ist auf Jahre hinaus zementiert. Sparer sollten nicht auf eine baldige Trendwende hoffen. » mehr

Europäische Zentralbank

25.07.2019

Die EZB ebnet den Weg für Lockerung der Geldpolitik

Die Konjunkturabkühlung und schwache Inflation zwingen Europas Währungshüter zum Handeln. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik steht im Raum. Zinserhöhungen im Euroraum sind damit für absehbare Zeit vom Tisch. » mehr

Mario Draghi

12.09.2019

EZB zieht alle Register: Höherer Strafzins und Anleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank sieht sich wegen der Konjunkturschwäche zum Handeln gezwungen. Sogar die umstrittenen Anleihenkäufe nimmt die Notenbank wieder auf. Höhere Zinsen für Sparer rücken in weite Ferne. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Narrenzug Bad Salzungen Bad Salzungen

Narren regieren Bad Salzungen | 11.11.2019 Bad Salzungen
» 31 Bilder ansehen

Rathaussturm Suhl Suhl

Narren stürmen Rathaus Suhl | 11.11.2019 Suhl
» 58 Bilder ansehen

Unfall A71 Berg Bock Suhl A71

Tödlicher Unfall A71 Berg Bock | 11.11.2019 Suhl A71
» 15 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
12:43 Uhr



^