Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

«Dieselgate» bremst Volkswagen mit Milliardenkosten aus

Schwache Konjunktur, flaue Automärkte - damit haben fast alle Hersteller zu kämpfen, auch Volkswagen. Doch der Autogigant kommt mit der schwachen Konjunktur überraschend gut klar. Nur: «Dieselgate» stellt sich einmal mehr als teuer heraus.



VW-Logo
Volkwagen-Logo auf dem Werksgelände in Wolfsburg. Im Gesamtjahr geht Volkswagen trotz der schwachen Märkte davon aus, dass die Auslieferungen an die Kunden den Wert des Vorjahres leicht übertreffen werden.   Foto: Christophe Gateau

Volkswagen hat trotz trüber Autokonjunktur im ersten Quartal vergleichsweise wenig Federn lassen müssen - dafür kostet der Skandal um manipulierte Dieselmotoren erneut mehr Geld.

Sondereinflüsse aus Rechtsrisiken von einer Milliarde Euro sorgten für Gewinneinbußen, wie der Branchenprimus in Wolfsburg mitteilte. Dabei ging es wieder um den Dieselskandal. Die Abgasrechnung stieg damit ein weiteres Mal, die Bewältigung von «Dieselgate» kostete Volkswagen inzwischen 30 Milliarden Euro.

Mit Blick auf die Konkurrenz und die schwachen Verkaufszahlen des ersten Quartals fielen «die Umsatz- und Ergebnisgrößen des Volkswagen-Konzerns relativ stark aus», urteilte NordLB-Analyst Frank Schwope. Konzern-Finanzchef Frank Witter sprach von einem guten Start ins Jahr. Dennoch wirkten sich der schwache Markt in China und die Milliardenkosten für Rechtsstreitigkeiten aus - unter dem Strich verdiente der Konzern im ersten Quartal 3,05 Milliarden Euro und damit 7,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Vor Zinsen und Steuern gab das Ergebnis um gut 8 Prozent auf rund 3,9 Milliarden Euro nach.

In der Abgasrechnung seien Kosten für Rechtsanwälte, Vergleiche und ausstehende Verfahren enthalten, sagte Witter. Damit seien derzeit absehbare Kosten abgedeckt, weitere aber nicht ausgeschlossen. Das meiste Geld floss bis dato in Nordamerika, wo der Konzern teure Vergleiche geschlossen hatte. Die Folgen des Dieselskandals werden den Konzern weiter belasten: Allein in Deutschland sind über 60.000 Verfahren unzufriedener Dieselkunden anhängig. Dazu kommen milliardenschwere Klagen von Aktionären, die sich vom Konzern zu spät über das finanzielle Ausmaß der Dieselaffäre informiert fühlen.

Der VW-Konzern profitierte beim Betriebsergebnis von einer Neuregelung in der Rechnungslegung. Eine positivere Neubewertung von Finanzinstrumenten brachte 400 Millionen Euro. Unter Ausklammerung der neuen Dieselkosten steigerte der Konzern damit sein operatives Ergebnis im ersten Quartal um 15,2 Prozent auf über 4,8 Milliarden Euro - gemessen an anderen Unternehmen der Branche kam Volkswagen glimpflich durch den Abschwung an den Märkten. An der Börse feierten die Anleger die Entwicklung im Tagesgeschäft, die Vorzugsaktie kletterte zeitweise um rund 5 Prozent.

Die Kernmarke mit dem VW-Logo hatte besonders an den Sondereinflüssen aus Rechtsrisiken zu knabbern - diese belaufen sich für die Marke auf 400 Millionen Euro. Der Rest verteile sich im Konzern, sagte Witter. Nähere Angaben wollte er nicht machen.

Die Stammmarke steigerte ihr Ergebnis vor Zinsen und Steuern im ersten Quartal jedoch von 879 Millionen Euro auf 921 Millionen Euro - allerdings vor den Sondereinflüssen. Neben Kosteneinsparungen war vor allem ein Schwenk hin zu teureren Autos dafür verantwortlich. Die Erlöse der Marke kletterten so auf Jahressicht trotz geringerer Auslieferungen um 7,1 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen plant zusätzlich zum laufenden Sparprogramm bei der Marke weitere bis zu 7000 Stellen in der Verwaltung streichen, um den Kern des Konzerns stärker auf Rendite zu trimmen.

Derzeit schraubt VW vor allem den Anteil der angesagten Stadtgeländewagen nach oben. Nach Angaben von Konzern-Vertriebschef Christian Dahlheim soll der SUV-Anteil von zuletzt 23 Prozent im laufenden Jahr auf 33 Prozent der weltweiten Auslieferungen steigen - und bis 2020 sogar auf rund 40 Prozent. Die Verkaufszahlen von Elektroautos will VW in diesem Jahr auf über 100.000 vervierfachen - und 2020 dann auf mehr als eine halbe Million Stromer verfünffachen.

Im ersten Quartal lieferte Volkswagen rund 2,6 Millionen Fahrzeuge aus, das waren 2,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Konzernumsatz stieg allerdings dennoch um 3,1 Prozent auf 60 Milliarden Euro.

Audi verdiente vor Steuern und Zinsen 1,1 Milliarden Euro - vor Jahresfrist waren es noch 1,3 Milliarden Euro. Grund für den Rückgang waren Schwierigkeiten mit dem neuen Abgas- und Verbrauchsprüfstandard WLTP. Auch die zweite WLTP-Stufe ab September werde Auswirkungen haben, aber «spürbar unter dem Effekt von 2018», sagte Witter. Der VW-Konzern hatte besonders mit dem neuen Standard gehadert, zahlreiche Modelle waren zwischenzeitlich nicht lieferbar. Aus Vorsicht vor möglichen Zöllen erhöht VW in den USA zudem die Lagerbestände bei den Marken Porsche und Audi, wie Vertriebschef Dahlheim sagte. In Südamerika könne noch in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreicht werden, in Nordamerika 2020.

Zwar stelle die konjunkturelle Lage Volkswagen vor Herausforderungen, erklärte Witter. Aber: «An unseren Zielen für 2019 halten wir trotzdem fest.» Der Konzernumsatz im Gesamtjahr soll um bis zu 5 Prozent zulegen. Die operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen - also der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz - soll zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen. Auch die Auslieferungen sollten den Wert des Vorjahres leicht übertreffen. 2018 hatte VW mit 10,83 Millionen Fahrzeugen mehr Autos ausgeliefert als jemals zuvor.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 05. 2019
15:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgase Aktionäre Audi Auslieferung Automarkt Diesel-Skandal Konkurrenz Martin Winterkorn Porsche Produktionsunternehmen und Zulieferer Steuern und staatliche Abgaben Umsatzrendite VW Volkswagen AG Wertpapierbörse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Volkswagen

30.07.2020

VW-Konzern schreibt Milliardenverlust und spart an Dividende

Geschlossene Autohäuser, stillgelegte Fabriken, maue Absatzmärkte: Volkswagen bekommt die Corona-Krise zu spüren. Ganz abschreiben will der Konzern das Jahr aber nicht. » mehr

VW nennt Fahrplan für zweites neues Elektroauto ID.4

17.09.2020

VW will mit ID.4 bis Jahresende E-Flotte ausbauen

Schon bald nach dem ID.3 kommt der ID.4, so der Plan von Volkswagen zur Erweiterung der Elektro-Strategie. Auch beim Kompakt-SUV steht für den Konzern viel auf dem Spiel. Die Führung hofft, dass der Marktanlauf gelingt -... » mehr

Herbert Diess

25.11.2020

Neue Unruhe bei VW: Kann sich Chef Diess durchsetzen?

«Endlich wieder Ruhe im Karton» - so hätte man nach dem heftigen Zoff zwischen VW-Chef Diess und dem Betriebsrat im Juni die Gefechtslage in Wolfsburg beschreiben können. Zumindest nach außen sollte das die Botschaft sei... » mehr

Audi-Autohaus in Peking

11.08.2020

Chinas Automarkt legt zu - Deutliches Plus im Juli

Wegen seiner schieren Größe ist der chinesische Automarkt der wichtigste Einzelmarkt für die deutschen Hersteller. Dort steigen die Verkaufszahlen. » mehr

Früherer Audi-Chef Stadler

30.09.2020

Audi-Dieselskandal: Der «Herr der Ringe» vor Gericht

«Vorsprung durch Technik» war lange der stolze Marken-Slogan von Audi - bis der Dieselskandal aufflog. Jetzt wird dem langjährigen Audi-Chef Rupert Stadler und drei Ingenieuren der Prozess gemacht. Denn «ganz ohne Besche... » mehr

Audi - Dieselskandal

23.09.2020

Strafprozess im Dieselskandal: Rupert Stadler erwartet

Der frühere Audi-Chef muss kommenden Mittwoch ins Gefängnis - wenn auch nicht als Häftling. Ausgerechnet in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim wird der erste deutsche Strafprozess im Dieselskandal eröffnet. Ein Mitange... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall A73 Suhl Suhl A73

Unfall A73 Suhl | 27.11.2020 Suhl A73
» 7 Bilder ansehen

Holz Lkw Schleusingen Schleusingen

Holzlaster Unfall | 27.11.2020 Schleusingen
» 8 Bilder ansehen

Verkehrsbehinderungen A73 Suhl A 73/Suhl

Verunreinigung A73 | 26.11.2020 A 73/Suhl
» 3 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 05. 2019
15:58 Uhr



^