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Wirtschaft

Die Kauflust steigt: Kunden kehren in die Innenstädte zurück

Marktforscher sehen ein Ende der durch die Corona-Krise ausgelösten Schockstarre bei den Konsumenten. Doch ob die Kauflust jemals wieder das Vorkrisenniveau erreicht - daran Zweifeln einige Experten inzwischen.



Konsum
Passanten bummeln auf der Hohen Straße, einer Fußgängerzone in der Kölner Innenstadt.   Foto: Henning Kaiser/dpa

Trotz Corona-Ängsten und Maskenpflicht: Die Konsumenten kehren in wachsender Zahl in die Fußgängerzonen der deutschen Innenstädte zurück - oft nur zum Schaufensterbummeln, aber immer häufiger auch zum Einkaufen.

«Die Verbraucher erwachen zunehmend aus der Schockstarre», beobachtet das Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK. Und der Handel sieht das ähnlich: «Es geht langsam wieder aufwärts», sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Textil (BTE), Rolf Pangels, der Deutschen Presse-Agentur.

Gestützt wird diese Einschätzung von Zahlen des auf die Messung von Kundenfrequenzen in den Innenstädten spezialisierten Unternehmens Hystreet. «Es gibt mittlerweile einige Städte, in denen die Besucherfrequenzen in den Einkaufsstraßen das Vorkrisenniveau wieder erreicht oder fast erreicht haben», berichtet Hystreet-Geschäftsführer Julian Aengenvoort.

Das gilt etwa für Einkaufsstraßen in Aachen, Dresden. Flensburg oder Kiel. Nach wie vor mit deutlichen Einbußen bei den Kundenzahlen zurecht kommen müssten dagegen Shopping-Meilen, in denen vor der Krise Touristen oder Kunden aus dem benachbarten Ausland eine große Rolle gespielt hätten, stellt Aengenvoort fest.

Allerdings dürfe die Belebung in den Fußgängerzonen noch nicht mit einer Rückkehr der alten Kauflust gleichgesetzt werden, mahnt BTE-Hauptgeschäftsführer Pangels. «Die Maskenpflicht schreckt viele Leute noch immer ab», sagt der Branchenkenner.

Auch wenn die Straßen wieder voller seien, fänden sich in den Länden nach wie vor 20 bis 25 Prozent weniger Kunden. Anzüge hingen nach wie vor wie Blei in den Regalen. Besser laufe es bei Sommerware. «Aber nach unserer Wahrnehmung kaufen die Leute immer noch nur das Nötigste, um schnell wieder aus den Läden rauszukommen», meint er.

Eine Umfrage des Branchen-Fachblatts «Textilwirtschaft» unter stationären Händlern ergab, dass die Umsätze in der vergangenen Woche im Durchschnitt noch acht Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen. Dennoch betonte die Zeitung: «Es ist das beste Wochenergebnis seit dem Ende des Lockdowns.» In der Woche zuvor hatte das Minus noch bei 12 Prozent gelegen, noch eine Woche früher sogar bei 36 Prozent.

Auch die Marktforscher der GfK sehen Anzeichen für eine Besserung der Konsumstimmung. «Das schwache Licht am Ende des Tunnels, das sich bereits im vergangenen Monat abzeichnete, wird offenbar etwas heller», sagt der GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl der dpa. Die zügige Öffnung von Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland lasse die Verbraucher den Corona-Schock mehr und mehr vergessen.

Zwar steckt der Konsumklima-Indikator der Nürnberger Marktforscher nach wie vor tief im Minus. Doch zumindest was die konjunkturellen Aussichten angeht, ist die Zuversicht bei den Deutschen schon zurückgekehrt. Der GfK-Indikator für die Konjunkturerwartung liegt derzeit bei 8,5 Zählern und damit sogar über dem langjährigen Mittel von Null. Auch der Pessimismus hinsichtlich des Einkommens schwinde weiter. Die Anschaffungsneigung steige, beobachten die Marktforscher.

Dennoch bleibe die Situation in den Augen der Experten angesichts einer Rekordzahl an Kurzarbeitern sowie steigender Arbeitslosenzahlen schwierig und fragil. «Die Frage wird sein, wie viele der sieben Millionen Kurzarbeiter anschließend arbeitslos werden», sagte Bürkl.

Hinzu komme das Risiko eines Corona-Rückschlages. Infektionsereignisse wie in Fleischbetrieben Nordrhein-Westfalens oder auch bei umstrittenen Tennis-Großveranstaltungen im Urlaubsland Kroatien könnten zu einer Verunsicherung führen.

Deutschland sei also «noch nicht über den Berg», betonte Bürkl. Fraglich sei sogar, ob das Konjunkturklima jemals wieder den Wert von vor der Krise erreichen werde. «Es könnte sich herausstellen, dass sich Kaufverhalten ändert», sagte Bürkl. Die Frage «Brauche ich das alles überhaupt?» werde häufiger gestellt als bisher.

© dpa-infocom, dpa:200625-99-556827/3

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Veröffentlicht am:
25. 06. 2020
13:08 Uhr

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25. 06. 2020
13:08 Uhr



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