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Wirtschaft

Deutschland importiert weniger Rohöl - aber mehr Produkte

Seit Jahrzehnten hat Deutschland nicht mehr so wenig Rohöl importiert wie im vergangenen Jahr. Auch in diesem Jahr sind die Importe weiter rückläufig. Das liegt nicht nur an der Nachfrage, sondern auch an niedrigen Rhein-Wasserständen und einer verschmutzten Pipeline.



Total- Raffinerie Mitteldeutschland GmbH in Leuna
Die Produktionsanlagen der Total-Raffinerie Mitteldeutschland GmbH in Leuna.   Foto: Waltraud Grubitzsch

Deutschland hat im vergangenen Jahr so wenig Rohöl eingeführt wie nie seit der Wiedervereinigung.

Gut 84,8 Millionen Tonnen des wichtigen Rohstoffs, der zu Heizöl, Sprit und Kerosin verarbeitet wird, wurden 2018 aus dem Ausland eingekauft, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit sank die importierte Menge im dritten Jahr in Folge: 2016 waren es noch rund 91,8 Millionen Tonnen, 2017 knapp 90 Millionen Tonnen.

Der Trend zu rückläufigen Rohöl-Importen hält bereits seit einigen Jahren an und hat sich auch im laufenden Jahr fortgesetzt. In den ersten sieben Monaten reduzierten sich die Einfuhren gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 4,4 Prozent auf 49,7 Millionen Tonnen, wie aus den vorläufigen Daten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hervorgeht.

«Das entspricht dem langfristigen Trend», sagte Rainer Wiek, Chefredakteur des Energie-Informationsdienstes EID in Hamburg. Die Industrie ist effizienter geworden, die Autos sparsamer, die Ölheizung gegenüber anderen Energieträgern auf dem Rückzug. Andererseits gab es beim Diesel in den vergangenen Jahren einen Absatzboom, auch wegen der guten Konjunktur und dem jahrelang steigenden Anteil von Diesel-Pkw. Unter dem Strich geht der Mineralölverbrauch seit Jahren leicht zurück, allerdings unter starken Schwankungen, die auch durch das Wetter bedingt sind.

So konsumierten die Verbraucher in Deutschland im vergangenen Jahr 101,5 Millionen Tonnen Mineralölprodukte, ein Rückgang von 4,2 Prozent und ein langjähriger Tiefstand. Im ersten Halbjahr 2019 zog der Inlandsabsatz dagegen wieder um 1,6 Prozent an, auch wegen einer hohen Nachfrage nach Heizöl. Die Verbraucher reagieren hier gemeinhin auf kurzfristige Preissignale und der Brennstoff war im ersten Halbjahr vergleichsweise günstig.

Die Importe gehen auch deshalb zurück, weil die Raffinerien in Deutschland ihre Kapazitäten reduziert haben und weniger Rohöl verarbeiten. Waren es in den Nuller-Jahren noch mehr als 110 Millionen Tonnen jährlich, so sind es gegenwärtig nur noch etwas mehr als 90 Millionen Tonnen. Im Gegenzug ist die Einfuhr von Ölprodukten in den vergangenen zehn Jahren wieder gestiegen, auf mehr als 40 Millionen Tonnen. In diesem Jahr hat sich allein die Einfuhr von Otto-Kraftstoffen mehr als verdoppelt.

«Für den gegenwärtigen Rückgang der Importe gibt es noch zwei Sonderfaktoren», sagte Wiek. Im vergangenen Jahr drosselten Raffinerien und Industriebetriebe entlang der Rheinschiene ihre Produktion wegen logistischer Probleme, weil der Rhein zu wenig Wasser führte. Und in diesem Jahr waren die Lieferungen aus Russland über die «Freundschafts»-Pipeline zeitweise verschmutzt und mussten gestoppt werden. Die Raffinerien griffen auf ihre Lagerbestände zurück oder besorgten sich Rohöl aus anderen Ländern.

Folglich haben sich auch die Einfuhren des wichtigsten Öl-Lieferanten Russland um rund ein Fünftel reduziert. Betrug der russische Anteil in den ersten sieben Monaten des Vorjahres noch 36,4 Prozent, so waren es in diesem Jahr nur noch 30,6 Prozent. In die Lücke sprangen Norwegen und die USA, die ihre Exporte nach Deutschland kräftig steigerten. Deutschland bezieht Rohöl aus rund 30 Ländern und kann flexibel auf Lieferprobleme eines einzelnen Landes reagieren.

Veröffentlicht am:
20. 09. 2019
15:04 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
20. 09. 2019
15:04 Uhr



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