Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

Deutscher E-Zigaretten-Umsatz bricht ein

In den USA werden zahlreiche Todesfälle mit dem Konsum von E-Zigaretten in Zusammenhang gebracht. Das bekommen auch Händler in Deutschland zu spüren. Auch wenn die Vorgaben hierzulande weit strenger sind und Experten bisher keine höheren Risiken sehen.



Umsatzeinbruch bei E-Zigaretten
Deutschlands E-Zigaretten-Händler haben mit einem Umsatzeinbruch zu kämpfen. Die Verbraucher sind verunsichert.   Foto: Lisa Ducret/dpa

Nach den Todesfällen in den USA im Zusammenhang mit E-Zigaretten wächst der Druck auf die Branche in Deutschland. Händler melden nach Angaben des Bündnisses für Tabakfreien Genuss (BfTG) seit einigen Wochen erhebliche Umsatzeinbußen.

«Kunden sind verunsichert», sagte BfTG-Chef Dustin Dahlmann. Eine Umfrage unter gut 600 E-Zigaretten-Händlern habe ergeben, dass mehr als die Hälfte Umsatzrückgänge von 30 bis 40 Prozent verzeichne, fast ein Fünftel mehr als 50 Prozent. 88 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass sich die Berichte aus den USA negativ ausgewirkt hätten.

«Viele Kunden befinden sich in einer Zwickmühle», sagte Dahlmann der Deutschen Presse-Agentur. «Wir beobachten den Trend, dass in Folge der Vorfälle in den USA Dampfer zurück zur Tabakzigarette wechseln und wieder Raucher werden.» Was fatal für die sei, die vom Rauchen loskommen wollen. Die Krankheitsfälle seien ausschließlich in den USA aufgetreten. In Europa gebe es keinen einzigen Verdachtsfall, sagte Dahlmann, der auch Chef des Großhändlers Innocigs ist. In der EU gebe es für Dampfprodukte spätestens seit Einführung der Tabakproduktrichtlinie klare Regeln für Inhaltsstoffe.

Nach jüngsten Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC gab es bisher 34 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Konsum von elektronischen Zigaretten. Zudem gebe es rund 1600 bestätigte Erkrankungen. Zuletzt gab es Hinweise, dass dabei THC-Produkte eine Rolle spielen könnten. THC (Tetrahydrocannabinol) steckt in Cannabis und ist hauptsächlich für die berauschende Wirkung der Droge verantwortlich. Neueste Erkenntnisse legen laut CDC nahe, dass vor allem THC-haltige Produkte, die von der Straße oder teils über illegale Händler bezogen worden seien, mit den meisten Fällen in Verbindung stünden.

E-Zigaretten enthalten keinen Tabak. In der Regel wird eine nikotinhaltige Flüssigkeit (Liquid) erhitzt, mit dem Verdampfen kann sie eingeatmet werden. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind E-Zigaretten nach heutigem Wissen weniger gesundheitsgefährdend als konventionelle Tabakerzeugnisse.

Die herkömmliche E-Zigarette habe nichts mit den Erkrankungen in den USA zu tun, sagte Dahlmann. Ein Großteil der dort Betroffenen habe angegeben, THC-haltige Öle aus «E-Joints» konsumiert zu haben: «So, wie wir zwischen Joints und Zigaretten unterscheiden, können wir auch nicht «E-Joints» und E-Zigaretten in einen Topf packen».

Mit Blick auf die Vorfälle in den USA erklärte BfR-Präsident Andreas Hensel: «Konsumenten von E-Zigaretten in Deutschland drohen nach aktuellem Kenntnisstand keine erhöhten Risiken, sofern sie Produkte verwenden, die europäischen und deutschen Regelungen entsprechen.» Die EU-Vorgaben für nikotinhaltige Liquids schreiben laut Dahlmann vor, dass außer Nikotin kein anderer Inhaltsstoff hinzugefügt werden dürfe, der ein Risiko für die Gesundheit sei.

E-Zigaretten werden überwiegend als Ausstiegsprodukt für Menschen angesehen, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen. Nach Darstellung des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) deuten mehrere Studien auf einen potenziellen Nutzen von E-Zigaretten in der Tabakentwöhnung hin. Auch die US-Behörde CDC rät nach den jüngsten Vorfällen: Erwachsene, die E-Zigaretten nutzten, um mit dem Rauchen aufzuhören, sollten jetzt nicht zur Tabak-Zigarette zurückkehren.

Der E-Zigaretten-Markt in Deutschland hatte sich zuletzt rasant entwickelt - allerdings von niedrigem Niveau aus. Dahlmann berichtet von jährlichen Wachstumsraten zwischen 25 und 40 Prozent. Inzwischen gebe es hierzulande weit mehr als 3000 Fachgeschäfte, zwei Drittel der Händler erzielten ihren Umsatz über das stationäre Geschäft.

«Unsere Prognosen für die Marktentwicklung müssen wir nach dem aktuellen Geschäftseinbruch natürlich überdenken», sagte Dahlmann. Für 2019 sei - basierend auf einer BfTG-Branchenumfrage - bisher ein Umsatz von 570 Millionen Euro angepeilt worden, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr (460 Mio. Euro). Andere Branchenschätzungen fallen höher aus: Danach lag der Umsatz mit tabakfreien Produkten schon 2017 bei rund 580 Millionen Euro an.

Unabhängig von unterschiedlichen Zahlen - «Dampfen» ist eine Nische: Der Umsatz mit normalen Zigaretten und anderen Tabakprodukten betrug 2017 etwa 26 Milliarden Euro. Etwa 2,5 Millionen «Dampfer» gebe es in Deutschland, schätzt Dahlmann. Die Zahl der Konsumenten klassischer Tabakprodukte sei auf 16 Millionen bis 18 Millionen gesunken. Die Branche sieht die Politik in der Pflicht, Raucher verstärkt über die E-Zigarette als Entwöhnungsmittel aufzuklären und für den Umstieg zu werben. Länder wie Großbritannien oder Neuseeland seien da weiter.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
27. 10. 2019
12:25 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Drogen und Rauschgifte E-Zigaretten Europäische Union FDA Händler Kunden Nikotin Rauchen und Nikotinsucht Raucher Tabakwaren Umsatzrückgang
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Online-Handel

11.12.2019

Wirtschaftsforscher für Rücksende-Gebühr im Onlinehandel

Internet-Käufer schicken jede sechste Bestellung zurück - in der Regel portofrei. Das ist nicht nur teuer, sondern belastet auch das Klima mit weit über 200.000 Tonnen CO2 im Jahr. Wirtschaftsforscher haben eine Idee, wi... » mehr

Zigarette

28.05.2019

Produktions-Aus für Philipp Morris in Berlin

Der Markt um die Zigarette befindet sich seit Jahrzehnten in Deutschland in einem Wandel. Nach wie vor werden Zigaretten hierzulande produziert. Doch das Ganze bröckelt. » mehr

Mit Social Media gegen sinkende Möbelverkäufe

27.08.2019

Möbelindustrie will mit Label Umsatz ankurbeln

Im Möbelhaus die neue Wohnung einrichten war einmal. Für die Möbelindustrie wird das Internet zunehmend wichtiger. Mit neuen digitalen Angeboten soll der schwächelnde Umsatz angekurbelt werden. » mehr

Kassenquittungen im Restaurant «Gasthaus Gutenberg»

15.01.2020

FDP will Bonpflicht lockern: «Plage für Kunden und Betriebe»

Die FDP pocht weiter auf eine Lockerung der Bonpflicht und wirft der schwarz-roten Koalition Ignoranz vor. Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar sagte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch: «Die Bonpflicht hat sich a... » mehr

Eier

14.01.2020

Aldi hebt Eierpreise an - weitere Händler dürften folgen

Die Eierpreise sind wenige Tage nach dem Jahresbeginn in Bewegung geraten. Aldi hat die Preise für die 10er-Packung Eier aus Bodenhaltung und Eier aus Freilandhaltung um jeweils 10 Cent angehoben. » mehr

Kassenbonpflicht

07.01.2020

Händler über die Bonpflicht: «Sinnlose Zettelwirtschaft»

Händler müssen seit Beginn des Jahres auch beim Kauf von Brötchen, Bratwurst oder einer Kugel Eis einen Kassenbon ausgeben. Und wie läuft's? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

brand saalborn Saalborn

Wohnhausbrand Saalborn | 17.01.2020 Saalborn
» 29 Bilder ansehen

Platz 1:Auferstanden

Blende 2020 "Verkehrte Welt" |
» 10 Bilder ansehen

Feuerwehr löscht lichterloh brennendes Forstgerät Neuenbau

Brennende Forstmaschine | 15.01.2020 Neuenbau
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
27. 10. 2019
12:25 Uhr



^