Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Deutsche Wohnen stärkt Bautätigkeit außerhalb von Berlin

Der Wohnungsbau in Berlin geht kaum voran. Der Mangel an Bauland und teure Preise schrecken aus Sicht der Branche Investoren ab. Der größte Vermieter der Hauptstadt blickt stärker auf andere Standorte.



Deutsche Wohnen
Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen sieht außerhalb Berlins attraktive Investitionsmöglichkeiten.   Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen will den Bau neuer Wohnungen auch außerhalb Berlins deutlich vorantreiben.

Der Konzern kauft deshalb für rund 600 Millionen Euro eine Plattform für Projektentwicklung sowie wesentliche Immobilienobjekte vom Münchner Unternehmen Isaria Wohnbau AG, wie Deutsche Wohnen am Mittwoch mitteilte. Der Münchner Projektentwickler ist eine Beteiligungsfirma des Finanzinvestors Lone Star. Der Abschluss des Kaufs soll in diesem Jahr erfolgen. Insgesamt sollen 2700 Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen.

Die Hälfte der Projekte befinde sich in München, der Rest in Großstädten wie Hamburg, Stuttgart und Frankfurt. Insgesamt will der Konzern in den kommenden Jahren mehr als drei Milliarden Euro in den Neubau von Wohn-, Pflege- und Büroimmobilien investieren.

Die Deutsche Wohnen hält bundesweit knapp 170.000 Wohnungen, davon rund 116.000 im Großraum Berlin. Doch bauen wird teurer und die Flächen in Berlin sind knapp. Andere Städte böten ebenfalls attraktive Investitionsmöglichkeiten, sagte ein Sprecher.

Seit Februar dieses Jahres gilt in der Hauptstadt zudem ein Mietendeckel, den die Wohnungs- und Bauindustrie bekämpft. Danach werden die Mieten für die kommenden fünf Jahre zunächst auf dem Stand vom Juni 2019 eingefroren und dürfen ab 2021 höchstens um 1,3 Prozent jährlich steigen. In der Hauptstadt tobt seit Jahren eine Debatte um stetig steigende Mieten und Verdrängung. Der Konzern hatte daher bereits im vergangenen Jahr angekündigt, auf Mieterhöhungen zu verzichten, wenn dadurch ein Bewohner mehr als 30 Prozent seines Einkommens für Miete ausgeben müsste.

Der Mietendeckel wurde damit aber nicht verhindert. Mietsteigerungen, die Deutsche Wohnen nach dem 18. Juni vorgenommen hat, musste der Konzern ab Februar daher wieder zurücknehmen. Rückzahlungen für diese Zeit würden aber nicht fällig, betonte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn am Mittwoch bei der Präsentation der Zahlen. Der Aktienkurs der Deutschen Wohnen liegt heute ein Drittel niedriger als vor Beginn der Mietendeckel-Debatte in Berlin.

«Auch wenn wir die Berliner Regulierungen erfüllen, bleiben wir grundlegend davon überzeugt, dass sie verfassungswidrig sind», sagte Zahn am Mittwoch mit Blick auf den Mietendeckel. Die Kritiker argumentieren, dass sich die Bautätigkeit in der Hauptstadt aufgrund des Mietendeckels deutlich verringern wird.

Deutliche Belastungen für das eigene Geschäft sieht Zahn indes kaum. Dafür sorge auch der weiter hohe Bedarf an Wohnraum. «In 30 Jahren werden rund 84 Prozent der deutschen Bevölkerung in Städten leben», schätzte Zahn. In den deutschen Großstädten müssten derzeit jährlich bis zu 400 000 Wohnungen gebaut werden.

Über das vergangene Jahr äußerte sich der Konzern äußerst zufrieden. Der Wert aller Immobilien im Besitz von Deutsche Wohnen ist um 1,4 Milliarden auf rund 22,4 Milliarden Euro gestiegen. Der Umsatz mit Vertragsmieten stieg um 6,6 Prozent auf mehr als 837 Millionen Euro. Beim Gewinn verzeichnete das Unternehmen indes eine Delle: Unterm Strich verdiente Deutsche Wohnen rund 1,48 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 1,89 Milliarden Euro.

Die Coronakrise habe bislang keine nennenswerten Auswirkungen auf das eigene Geschäft, sagte Zahn. Für private und gewerbliche Mieter - etwa Einzelhändler oder Handwerker - die nun in Zahlungsschwierigkeiten geraten, werde ein Fonds in Höhe von 30 Millionen Euro aufgelegt, kündigte er an. Mit dem Geld sollen auch Dienstleister kompensiert werden, die sich um die Immobilien kümmern oder anderweitig vom Konzern beschäftigt werden und aufgrund weniger Aufträge in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Um den Topf zu füllen, soll der den Aktionären zustehende Anteil am Gewinn gesenkt werden. Auf diese Weise soll bei Bedarf der Verzicht auf die Miete seitens des Konzerns finanziert werden. Schon jetzt können sich Mieter an das Unternehmen wenden, wenn sie aufgrund der Coronakrise in Zahlungsschwierigkeiten stecken.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 03. 2020
16:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktionäre Baubranche Dienstleister Hauptstädte von Staaten und Teilregionen Immobilien Mieten Mieterinnen und Mieter Vermieter Wohnen Zahlungsschwierigkeiten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Deutsche Wohnen

13.08.2020

Deutsche Wohnen profitiert von höheren Mieten

Berlin ist eine «dynamische Wachstumsgeschichte». Sagt das ein Vermieter, kann das Mieter nervös machen. Sie schützt zwar der Mietendeckel. In neuen Mietverträgen steht aber auch, wie teuer es wird, wenn er kippen sollte... » mehr

Mietendeckel-Gesetz tritt in Kraft

22.02.2020

Berlin sieht Mietendeckel als Vorbild für ganz Deutschland

Berlin friert als erstes Bundesland die Mieten für fünf Jahre ein. Regierungschef Müller glaubt, dass das Modell auch andernorts taugt. Aber noch hat die Sache einen Haken. » mehr

Adidas

28.03.2020

Lambrecht empört über Mietzahlungs-Stopp großer Unternehmen

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat sich empört über den Stopp von Mietzahlungen für Ladengeschäfte großer Firmen geäußert. » mehr

Deutsche Wohnen

31.05.2020

Mieter fürchten Aufstieg von Deutsche Wohnen in den Dax

Wer in der ersten deutschen Börsenliga mitspielt, fällt auch international auf. Nun steht der zweitgrößte deutsche Vermieter vor dem Sprung. Mieter erwarten nichts Gutes. » mehr

Wohnhäuser und Fernsehturm

22.08.2020

Mieter und Vermieter warten weiter auf Mietendeckel-Urteil

Für die einen ist es ein großer Wurf zum Mieterschutz, für andere ein Eingriff in Grundrechte und ein Verstoß gegen die Verfassung. Entscheiden müssen Richter. Doch vorerst bleibt die Unsicherheit. » mehr

Vonovia-Zentrale

05.08.2020

Wohnungsriese Vonovia mit guten Zahlen

Deutschlands größter Vermieter glänzt mit guten Zahlen. Mieter müssten sich auch in Corona-Zeiten keine Sorgen machen, versichert Konzernchef Rolf Buch. Städtetag und Mieterbund sind deutlich skeptischer. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sommerausklang_schuber Suhl

Sommerausklang Olaf Schubert | 20.09.2020 Suhl
» 77 Bilder ansehen

12. Oldtimerausfahrt Suhl

12. Oldtimerausfahrt Museum Suhl | 19.09.2020 Suhl
» 44 Bilder ansehen

Provinzschrei-Konzertreihe Wenzel im Trio

Provinzschrei Wenzel im Trio |
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 03. 2020
16:14 Uhr



^