Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Wirtschaft

Deutsche Windenergie-Branche fühlt sich ausgebremst

Die Hersteller und Bauer von Windenergie-Anlagen kommen in Hamburg zu ihrem größten Branchentreffen zusammen. Weltweit erlebt die Windenergie einen starken Aufwärtstrend - doch in Deutschland stockt der Ausbau.



Windpark
Der Windpark «Odervorland» im brandenburgischen Jacobsdorf. Nach erfolgreichen Jahren verspüren die deutschen Anlagenbauer und Projektentwickler keinen Rückenwind mehr aus Berlin.   Foto: Patrick Pleul

Wenn sich kommende Woche alle wichtigen Vertreter der Windenergie-Branche in Hamburg zur Fachmesse WindEnergy (25. bis 28.9.) treffen, dann müsste eigentlich eine überschäumende Stimmung herrschen.

Weltweit gewinnt die Windenergie an Bedeutung, an Land und auf dem Meer. Die Anlagen werden immer größer, effektiver und billiger. Wirtschaftlich steht Windenergie entweder an der Schwelle zur Wettbewerbsfähigkeit oder hat sie schon überschritten und ist zudem günstiger als andere Energieträger. Alles Gründe zum Jubeln.

Doch in der deutschen Windenergie-Branche ist die Stimmung sehr gedämpft. Nach erfolgreichen Jahren verspüren die Anlagenbauer und Projektentwickler keinen Rückenwind mehr aus Berlin und sind enttäuscht von der Bundesregierung und vor allem Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). «Es herrscht Stagnation», stellt Andreas Wagner von der Stiftung Offshore-Windenergie fest. Bei einer Umfrage unter Windenergie-Unternehmen aus der Metropolregion Hamburg beklagten die Manager vor allem den stockenden Ausbau der Übertragungsnetze, die schwindende Akzeptanz für die Energiewende auf Seiten der Politik und die zu geringen Ausbaumengen für die Windenergie.

Bei der Offshore-Windenergie auf See geht es in diesem und dem nächsten Jahr noch voran; bis 2020 werden Windkraftanlagen mit einer Leistung von 7,5 bis 7,7 Gigawatt auf Nord- und Ostsee installiert sein. Das entspricht etwa sieben großen Kernkraftwerken und ist relativ viel, wenn man bedenkt, dass diese Industrie in Deutschland noch keine zehn Jahre alt ist. Doch dann geht es schleppender voran: Für 2021 bis 2025 sind nur 3,1 Gigawatt zusätzlich vorgesehen. «Das ist deutlich zu wenig», sagt Wagner. Die Industrie will 1,5 Gigawatt mehr bauen, für die auch die nötigen Netzleitungen vorhanden wären.

Doch Altmaier bremst: Obwohl im Koalitionsvertrag ein zusätzlicher Beitrag der Offshore-Windenergie für die Energiewende vorgesehen ist, gibt es kein grünes Licht aus Berlin. Die Industrie fordert zudem, das Ausbauziel für die Offshore-Windenergie für 2030 von 15 auf 20 Gigawatt anzuheben und ein Testfeld in der Ostsee zu realisieren.

Auch der Ausbau der Windenergie an Land wird in Deutschland nicht in dem bisherigen Tempo weitergehen - das ist politisch so gewollt. Durch das Ausschreibungsverfahren, das 2017 eingeführt wurde, ist der Neubau auf 2,8 Gigawatt gedeckelt. Nachdem 2017 noch Anlagen mit einer Leistung von 5,3 Megawatt gebaut wurden, reduziert sich das Marktvolumen in diesem Jahr auf 3,5 Megawatt und in den beiden kommenden Jahren auf je 2,0 Megawatt, erwartet der Bundesverband Windenergie (BWE). «Mit Blick auf die weltweit dynamisch wachsenden Zukunftsmärkte für Green-Tech ist es umso bedauernswerter, dass unsere Unternehmen technisches Knowhow zu verlieren drohen», sagt Verbandspräsident Hermann Albers. Auch er fordert Sonderausschreibungen und ein verlässliches Zeit- und Mengenkorsett für den Ausbau der Windenergie.

Für die deutsche Branche, die technologisch in vielen Bereichen vorn liegt, werden andere Regionen interessanter als der Heimatmarkt. Großbritannien und Frankreich, Japan und die USA, Taiwan und Indien. Selbst die Niederländer bauen in den nächsten Jahren mehr Offshore-Windenergie als Deutschland. Wird die neue Technologie der schwimmenden Windkraftanlagen erst einmal flächendeckend eingesetzt, kommen weitere Offshore-Märkte dazu.

Doch erst einmal leiden die deutschen Hersteller unter der heimischen Flaute im boomenden Weltmarkt. Firmen wie Senvion und Nordex, Enercon oder Siemens Gamesa haben mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen und Mitarbeiter entlassen. Nach Angaben der IG Metall Küste sind seit dem Beginn vergangenen Jahres mindestens 2000 Arbeitsplätze in der Branche in Norddeutschland verloren gegangen. Dazu kommen viele Jobs in den Zulieferindustrien.

Bei der Messe WindEnergy dürfte die Atmosphäre daher getrübt sein. Dort stellen mehr als 1400 Aussteller aus 40 Ländern ihre Produkte und Dienstleistungen vor. Gezeigt werden Turbinen und Rotorblätter, elektrische Komponenten sowie Dienstleistungen aus Logistik, Sicherheit, Finanzierung und Versicherung. Erwartet werden rund 35.000 internationale Fachbesucher.

Veröffentlicht am:
22. 09. 2018
10:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anlagenbauer Atomkraftwerke Bundesverband Windenergie CDU Enercon GmbH Energiewende Gamesa Corporación Tecnológica IG Metall Industrie Nordex AG Peter Altmaier Produktionsunternehmen Services und Dienstleistungen Siemens AG Windenergie Windkraftwerke
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Siemens-Zentrale

08.05.2019

Siemens im Konzernumbau mit stabilem Geschäft

Mit Haushaltsgeräten und Telefonen hat Siemens schon lange nichts mehr zu tun. Nun trifft es mit der Abspaltung der Energiesparte ein weiteres Kerngeschäft. » mehr

Kraftwerkssparte von Siemens

07.05.2019

Siemens will Ausgliederung der Kraftwerksparte

Neuausrichtung im Kerngeschäft bei Siemens: Der Konzern trennt sich von der schwächelnden Kraftwerksparte und will sie als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen. Der Schritt ist riskant, seine Folgen für die Mi... » mehr

Peter Altmaier

06.05.2019

Altmaier stellt sich Kritik an Industriestrategie

Peter Altmaier hat als kampferprobter Minister ein dickes Fell. Die Kritik an seiner Industriestrategie dürfte ihn nicht von seinem Kurs abbringen. Denn es gibt auch Zustimmung. » mehr

Dax

08.05.2019

Dax-Anleger werden wieder etwas zuversichtlicher

Nach zwei schwachen Börsentagen hat sich der deutsche Aktienmarkt zur Wochenmitte wieder von seiner freundlichen Seite gezeigt. Der Dax legte um 0,72 Prozent auf 12.179,93 Punkte zu. » mehr

Offshore-Windpark Alpha Ventus

15.04.2019

Eine Erfolgsgeschichte: Zehn Jahre Windkraft auf See

Als vor zehn Jahren die ersten Windräder in der Nordsee errichtet wurden, waren viele Experten skeptisch. Heute ist die Offshore-Windenergie technisch und wirtschaftlich viel weiter als damals. Doch der Erfolg hat seinen... » mehr

VW-Logo

13.05.2019

VW packt Batteriezellfertigung an

Erst vor wenigen Wochen hatte Volkswagen die Pläne für einen Lkw-Börsengang auf Eis gelegt - wegen des Marktumfelds. Jetzt wird es konkreter. Und auch bei der Fertigung von Batteriezellen für E-Autos überrascht der Konze... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

David Garrett in Leipzig Leipzig

David Garrett in Leipzig | 19.05.2019 Leipzig
» 35 Bilder ansehen

Unfall nach Verfolgungsjagd Schleusingen Schleusingen

Unfall nach Verfolgungsjagd | 19.05.2019 Schleusingen
» 16 Bilder ansehen

Impressionen Supermarathon ab Eisenach Eisenach

Rennsteiglauf Impressionen Supermarathon | 18.05.2019 Eisenach
» 65 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 09. 2018
10:15 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".