Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

Deutsche Windenergie-Branche fühlt sich ausgebremst

Die Hersteller und Bauer von Windenergie-Anlagen kommen in Hamburg zu ihrem größten Branchentreffen zusammen. Weltweit erlebt die Windenergie einen starken Aufwärtstrend - doch in Deutschland stockt der Ausbau.



Windpark
Der Windpark «Odervorland» im brandenburgischen Jacobsdorf. Nach erfolgreichen Jahren verspüren die deutschen Anlagenbauer und Projektentwickler keinen Rückenwind mehr aus Berlin.   Foto: Patrick Pleul

Wenn sich kommende Woche alle wichtigen Vertreter der Windenergie-Branche in Hamburg zur Fachmesse WindEnergy (25. bis 28.9.) treffen, dann müsste eigentlich eine überschäumende Stimmung herrschen.

Weltweit gewinnt die Windenergie an Bedeutung, an Land und auf dem Meer. Die Anlagen werden immer größer, effektiver und billiger. Wirtschaftlich steht Windenergie entweder an der Schwelle zur Wettbewerbsfähigkeit oder hat sie schon überschritten und ist zudem günstiger als andere Energieträger. Alles Gründe zum Jubeln.

Doch in der deutschen Windenergie-Branche ist die Stimmung sehr gedämpft. Nach erfolgreichen Jahren verspüren die Anlagenbauer und Projektentwickler keinen Rückenwind mehr aus Berlin und sind enttäuscht von der Bundesregierung und vor allem Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). «Es herrscht Stagnation», stellt Andreas Wagner von der Stiftung Offshore-Windenergie fest. Bei einer Umfrage unter Windenergie-Unternehmen aus der Metropolregion Hamburg beklagten die Manager vor allem den stockenden Ausbau der Übertragungsnetze, die schwindende Akzeptanz für die Energiewende auf Seiten der Politik und die zu geringen Ausbaumengen für die Windenergie.

Bei der Offshore-Windenergie auf See geht es in diesem und dem nächsten Jahr noch voran; bis 2020 werden Windkraftanlagen mit einer Leistung von 7,5 bis 7,7 Gigawatt auf Nord- und Ostsee installiert sein. Das entspricht etwa sieben großen Kernkraftwerken und ist relativ viel, wenn man bedenkt, dass diese Industrie in Deutschland noch keine zehn Jahre alt ist. Doch dann geht es schleppender voran: Für 2021 bis 2025 sind nur 3,1 Gigawatt zusätzlich vorgesehen. «Das ist deutlich zu wenig», sagt Wagner. Die Industrie will 1,5 Gigawatt mehr bauen, für die auch die nötigen Netzleitungen vorhanden wären.

Doch Altmaier bremst: Obwohl im Koalitionsvertrag ein zusätzlicher Beitrag der Offshore-Windenergie für die Energiewende vorgesehen ist, gibt es kein grünes Licht aus Berlin. Die Industrie fordert zudem, das Ausbauziel für die Offshore-Windenergie für 2030 von 15 auf 20 Gigawatt anzuheben und ein Testfeld in der Ostsee zu realisieren.

Auch der Ausbau der Windenergie an Land wird in Deutschland nicht in dem bisherigen Tempo weitergehen - das ist politisch so gewollt. Durch das Ausschreibungsverfahren, das 2017 eingeführt wurde, ist der Neubau auf 2,8 Gigawatt gedeckelt. Nachdem 2017 noch Anlagen mit einer Leistung von 5,3 Megawatt gebaut wurden, reduziert sich das Marktvolumen in diesem Jahr auf 3,5 Megawatt und in den beiden kommenden Jahren auf je 2,0 Megawatt, erwartet der Bundesverband Windenergie (BWE). «Mit Blick auf die weltweit dynamisch wachsenden Zukunftsmärkte für Green-Tech ist es umso bedauernswerter, dass unsere Unternehmen technisches Knowhow zu verlieren drohen», sagt Verbandspräsident Hermann Albers. Auch er fordert Sonderausschreibungen und ein verlässliches Zeit- und Mengenkorsett für den Ausbau der Windenergie.

Für die deutsche Branche, die technologisch in vielen Bereichen vorn liegt, werden andere Regionen interessanter als der Heimatmarkt. Großbritannien und Frankreich, Japan und die USA, Taiwan und Indien. Selbst die Niederländer bauen in den nächsten Jahren mehr Offshore-Windenergie als Deutschland. Wird die neue Technologie der schwimmenden Windkraftanlagen erst einmal flächendeckend eingesetzt, kommen weitere Offshore-Märkte dazu.

Doch erst einmal leiden die deutschen Hersteller unter der heimischen Flaute im boomenden Weltmarkt. Firmen wie Senvion und Nordex, Enercon oder Siemens Gamesa haben mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen und Mitarbeiter entlassen. Nach Angaben der IG Metall Küste sind seit dem Beginn vergangenen Jahres mindestens 2000 Arbeitsplätze in der Branche in Norddeutschland verloren gegangen. Dazu kommen viele Jobs in den Zulieferindustrien.

Bei der Messe WindEnergy dürfte die Atmosphäre daher getrübt sein. Dort stellen mehr als 1400 Aussteller aus 40 Ländern ihre Produkte und Dienstleistungen vor. Gezeigt werden Turbinen und Rotorblätter, elektrische Komponenten sowie Dienstleistungen aus Logistik, Sicherheit, Finanzierung und Versicherung. Erwartet werden rund 35.000 internationale Fachbesucher.

Veröffentlicht am:
22. 09. 2018
10:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anlagenbauer Atomkraftwerke Bundesverband Windenergie CDU Enercon GmbH Energiewende Gamesa Corporación Tecnológica IG Metall Industrie Nordex AG Peter Altmaier Produktionsunternehmen Services und Dienstleistungen Siemens AG Windenergie Windkraftwerke
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Flaute bei Windrädern an Land

vor 3 Stunden

Ausbau von Windrädern stockt - Bundesregierung am Zug

In Deutschland gehen kaum noch neue Windkraftanlagen in Betrieb. Die Branche schlägt Alarm. Sind Ausbauziele bei erneuerbaren Energien in Gefahr? » mehr

Windräder

04.09.2019

Krise bei Windkraft: Gewerkschaft warnt vor Jobabbau

Der Ausbau der Windkraft an Land stockt. Klimaziele sind in Gefahr. Am Donnerstag kommt es zu einem Krisentreffen beim Bundeswirtschaftsminister. Verbände und die Gewerkschaft IG Metall fordern, gegenzusteuern. » mehr

Windräder und Strommasten

26.07.2019

CDU-Politiker: Mehr für Akzeptanz von Windrädern tun

Der Ausbau der Windenergie an Land ist fast zum Erliegen gekommen. Das liegt auch an Problemen vor Ort. » mehr

Altmaier

31.07.2019

Altmaier plant Krisentreffen zum Ausbau der Windkraft

In der vergangenen Woche hatte die Windkraftlobby Alarm geschlagen. Der Ausbau stockt. Der Wirtschaftsminister nimmt den Ball auf und will mit allen Akteuren sprechen. » mehr

Kabelverlegung

14.08.2019

Ausbau der Stromnetze kommt voran - aber nur langsam

Damit die Energiewende mit dem Ausbau des Öko-Stroms gelingt, will die Bundesregierung Tausende Kilometer neue Stromleitungen bauen lassen. Doch dabei hakt es. Vor einem Jahr hat Wirtschaftsminister Altmaier den Netzausb... » mehr

Windenergie

28.08.2019

Erneuerbare verdrängen Kohle im Sommer

Sonne und Wind verdrängen immer mehr die fossilen Energien bei der Stromerzeugung. In diesem Sommer wurde besonders wenig Braun- und Steinkohle in deutschen Kraftwerken verbrannt. Das lag auch am niedrigen Gaspreis. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Der Verhocktenumzug zum Abschluss der Kirmes in Tiefenort

Verhocktenumzug Tiefenort |
» 25 Bilder ansehen

Grenzgedenkstätte Point Alpha Rasdorf

Point Alpha Gedenkstätte | 20.10.2019 Rasdorf/Geisa
» 14 Bilder ansehen

Baumesse Suhl

Baumesse Suhl | 19.10.2019 Suhl
» 18 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 09. 2018
10:15 Uhr



^