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Wirtschaft

Deutsche Post stellt trotz Corona 4000 neue Mitarbeiter ein

Lieferketten, die keine Ketten mehr sind - und eine Masse an Paketen, der kaum nachzukommen ist. Die Corona-Krise stellt die Post vor große Herausforderungen - aber bringt auch Chancen mit sich.



Deutsche Post DHL
Ein Paketzusteller stellt ein Paket in ein Fahrzeug der Deutschen Post DHL.   Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Eine Pandemie macht auch vor einem gelben Riesen nicht Halt - die Deutsche Post sieht sich jedoch gut aufgestellt.

Im ersten Quartal hat der Bonner Konzern beim Umsatz besser abgeschnitten als erwartet. Die Erlöse legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp ein Prozent auf 15,5 Milliarden Euro zu, wie der Dax-Konzern am Dienstag mitteilte.

Das operative Ergebnis (Ebit) sank hingegen um fast die Hälfte auf 592 Millionen Euro ab, unter dem Strich blieben 301 Millionen Euro übrig und damit 60 weniger als im Jahr zuvor.

An den Einbußen ist nicht nur Corona Schuld. Auch das Aus des Post-eigenen Elektrotransporters Streetscooter, dessen Produktion noch in diesem Jahr eingestellt werden soll, verursacht hohe Kosten - 234 Millionen Euro sind dafür in den Büchern einkalkuliert.

Was die Pandemie angeht, kämpft die Post an zwei sehr unterschiedlichen Fronten: Einerseits ist sie durch eingebrochene Lieferketten und die Rezession in ihrem Fracht- und Logistikgeschäft erheblich betroffen. Andererseits muss sie einen vorweihnachtlich anmutenden Paketboom stemmen, und man feiert DHL-Paketboten als Helden des Alltags - oder um es mit den selbstbewussten Worten von Post-Chef Frank Appel zu sagen: «Wir halten die Weltwirtschaft am Laufen.»

Wochenlang geschlossene Geschäfte bescherten dem Online-Handel einen Boom - und den Zustellern Paketmengen wie sonst nur vor Heiligabend. In der Spitze transportierte DHL rund neun Millionen Pakete pro Tag, das entspricht einer Steigerung um mehr als 40 Prozent im Vergleich zu normalen Zeiten. Um diese Nachfrage bewältigen zu können, stellte die Post kurzfristig 4000 neue Mitarbeiter ein, wie Appel bestätigte. Außerdem wurden eigene Angestellte aus anderen Bereichen eingesetzt.

Eine Extra-Corona-Prämie für die Paket-Helden, wie sie etwa Pflegekräfte bekommen sollen, lehnte Appel jedoch ab. Es gehe jetzt darum, die Liquidität des Konzerns in der Krise sicherzustellen. «Der Fokus liegt darauf, Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.» Zeitweise hatte die Post für einige Bereiche Kurzarbeit angemeldet, allerdings «im niedrigen einstelligen Prozentbereich», so Appel. Für einige Konzernsegmente gilt außerdem vorerst ein Einstellungsstopp.

Wie an vielen anderen Orten kehrt auch im Post-Tower aktuell in Bonn wieder etwas mehr Normalität ein. «Mitarbeiter kommen wieder ins Büro, ohne dass sie auf das Social Distancing verzichten müssen», erzählte Appel. Auf individuelle Bedürfnisse wie gesundheitliche Risiken oder Kinderbetreuung gehe man ein. Gleichzeitig versucht das Management der Post, sich auf alle Eventualitäten einzustellen: «Man muss immer darauf vorbereitet sein, dass es eine zweite Welle geben kann.»

Sicher ist: An der Digitalisierung will der Konzern auf keinen Fall sparen. Eine breit angelegte Digitalisierungsinitiative, die insgesamt zwei Milliarden Euro kosten wird und im vergangenen Jahr angekündigt wurde, soll etwa den Empfang von Paketen besser digital nachverfolgbar machen. Die Krise habe gezeigt, wie wichtig digitale Lösungen seien. «Ich habe gelernt, dass man einen großen globalen Konzern aus dem Homeoffice führen kann», bekannte Appel.

Was die nahe Zukunft angeht, will die Post, wie bereits vor einigen Wochen mitgeteilt, noch keine Prognosen machen. Am langfristigen Ziel - einem operativen Ergebnis von mindestens 5,3 Milliarden Euro bis 2022 - hält der gelbe Riese jedoch vorerst fest.

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dpa

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12. 05. 2020
14:49 Uhr

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