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Wirtschaft

Deutsche Bank holt sich Google als IT-Partner ins Haus

Traditionelle Geldhäuser schleppen häufig eine gewaltige Altlast mit sich herum: eine IT, die zwar sicher, aber auch schwerfällig und teuer ist. Die Deutsche Bank setzt nun auf eine strategische Partnerschaft, um die Herausforderung zu meistern.



Deutsche Bank im Umbruch
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main spiegelt sich in einer Glasfassade.   Foto: Boris Roessler/dpa

Die Deutsche Bank will ihre IT-Probleme unter anderem mit der Hilfe von Google lösen. Die beiden Firmen wollen gemeinsam Finanzdienstleistungen entwickeln und anbieten, teilte die Deutsche Bank am Dienstag in Frankfurt mit.

Das Finanzinstitut bekommt so zum einen Zugang zu den Cloud-Diensten der Alphabet-Tochter. Zum anderen wollen die beiden Unternehmen die nächste Generation technologiebasierter Finanzprodukte entwickeln. «Beide Parteien haben eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterzeichnet und planen, in den nächsten Monaten einen Vertrag mit mehrjähriger Laufzeit zu vereinbaren.»

Die Deutsche Bank kämpft wie viele andere deutsche Finanzinstitute immer wieder mit technischen Problemen. Bei der größten deutschen Bank ist die in die Jahre gekommene IT aber schon seit langer Zeit eine Großbaustelle. So hatte der frühere Konzernchef John Cryan die IT der Bank kurz nach seinem Amtsantritt 2015 öffentlich als «lausig» bezeichnet. Die Ex-IT-Chefin Kim Hammond, die eigentlich die Probleme lösen sollte, musste Anfang 2018 nach nur kurzer Zeit im Amt wieder gehen. Zuvor hatte sie die Bank bei einer internen Tagung als das «dysfunktionalste Unternehmen», für das sie je gearbeitet habe, bezeichnet.

Das größte Problem der Deutsche-Bank-IT sind nach wie vor die vielen verschiedenen Systeme. 2012 hatte die Bank SAP damit beauftragt, die Plattformen zu harmonisieren. Das unter dem Namen Magellan bekannte Großprojekt scheiterte jedoch. Neben dem Umbau der bestehenden, teils sehr alten IT-Strukturen haben die Banken seit einiger Zeit mit viel Konkurrenz von Technologieunternehmen zu kämpfen, die wie Apple und auch Google ihre Marktmacht nutzen, um zum Beispiel Teile des Zahlungsverkehrs zu sich zu holen.

Zudem setzt eine Reihe junger Unternehmen, sogenannte Fintechs, den etablierten Banken bei der Produktentwicklung und auch im Wettbewerb um Kunden zu. Herausforderer wie N26 oder Revolut setzen voll auf mobiles Banking mit dem Smartphone und müssen sich nicht mit veralteten Computersystemen herumschlagen, die mit hohen Kosten die Bilanz belasten.

Diesem neuen Wettbewerb begegneten die Banken zuletzt unter anderem mit Beteiligungen und Kooperationen, oft aber mit überschaubarem Erfolg. Der frühere SAP-Manager Bernd Leukert, der bei der Deutschen Bank inzwischen im Vorstand für Technologie, Daten und Innovation verantwortlich ist, sieht in der Zusammenarbeit mit Google einen bedeutenden Schritt für die Technologiestrategie der Bank. Konzernchef Christian Sewing erhofft sich durch die Partnerschaft einen großen Schub beim Umbau der Bank.

Für Google wird der Banking-Bereich auch immer wichtiger. So gewinnt der Internet-Konzern über sein Bezahlverfahren Google Pay wichtige Daten über das Konsumverhalten seiner Kunden. Experten erwarten, dass die Bezahlplattform mit einer eigenen Kreditkarte («Google Card»), Onlinebanking und einer Shoppingplattform kontinuierlich ausgebaut wird.

Diese Ausbaupläne des US-Konzerns sind allerdings nicht Bestandteil der Absichtserklärung der Deutschen Bank mit Google. Durch die Partnerschaft gewinne man «den unmittelbaren Zugang zu führender Technologie in den Bereichen Datenmanagement, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen», um die Kunden besser bedienen zu können. Zu den potenziellen Anwendungen gehören demnach alltägliche Aufgaben wie die Verwaltung von Barmitteln (Cashflow-Prognose). Die Cloud-Technik könne auch für eine verbesserte Risikoanalyse oder Sicherheitslösungen zum Schutz der Kundenkonten zum Einsatz kommen. Im Privatkundengeschäft wiederum würden Lösungen im Mittelpunkt stehen, die den Dialog zwischen Kunden und Mitarbeitern erheblich vereinfachen sollen.

© dpa-infocom, dpa:200707-99-698542/4

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07. 07. 2020
17:17 Uhr

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