Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Wirtschaft

DGB-Chef: Tarifflucht im Osten setzt auch Westen unter Druck

Viele Unternehmen denken nicht volkswirtschaftlich genug, sagt der DGB-Bundesvorsitzende Reiner Hoffmann. Gute Bezahlung sorge für Stabilität der Wirtschaft.



Reiner Hoffmann
Der Vorsitzende des DGB, Reiner Hoffmann, beklagt die Erosion der Tarifverträge in Deutschland.   Foto: Paul Zinken

Der DGB-Bundesvorsitzende Reiner Hoffmann hat die Erosion der Tarifverträge in Deutschland beklagt.

Bis Anfang der 1990er Jahre seien in der alten Bundesrepublik gut drei Viertel aller Beschäftigten von Tarifverträgen erfasst gewesen, sagte Hoffmann der Deutschen Presse-Agentur in Schwerin. «Heute sind es nur noch 57 Prozent.» In den neuen Ländern betrage die Tarifbindung sogar nur 44 Prozent.

Tarifverträge sicherten den Beschäftigten deutlich bessere Konditionen, sagte Hoffmann. «Tariflöhne sind nicht nur 900 bis 1200 Euro im Monat höher, auch der Urlaub ist länger, die Arbeitszeiten sind kürzer, die Arbeitsbedingungen besser.» Sie seien auch für Unternehmen sinnvoll und schafften gleiche Wettbewerbsbedingungen. Zugleich werde der soziale Zusammenhalt gestärkt.

Ein Grund für das Absacken der Tarifbindung in Deutschland sei, dass westdeutsche Unternehmen nach der Wende im Osten unter der Maßgabe investiert hätten, dass ihre Tochterfirmen nicht dem Arbeitgeberverband beitreten. Damit waren sie nicht an Tarifverträge gebunden. «Dies war damit begründet worden, dass die Produktivität noch nicht hoch genug sei», sagte Hoffmann. Doch Produktivität könne sich nicht entwickeln, wenn nicht auch entsprechende Löhne gezahlt werden. Im Nachgang sei die Tariflandschaft auch im Westen unter Druck geraten.

Hoffmann warf den Arbeitgebern vor, oft nur kurzfristig betriebswirtschaftlich statt auch volkswirtschaftlich zu denken. Löhne seien nicht nur ein Kostenfaktor, sagte er. «Dass wir eine relativ stabile Binnenkonjunktur haben, ist auch darauf zurückzuführen, dass es den Gewerkschaften in den letzten Jahren gelungen ist, gute Tariferhöhungen abzuschließen. Vieles davon geht in den direkten Konsum.» Damit könnten sich abzeichnende und auch schon eintretende Rückgänge im Export ausgeglichen werden.

Mit Blick auf die Unzufriedenheit von Teilen der ostdeutschen Bevölkerung verwies er auf Regionen mit positiver Entwicklung, wie Jena, Leipzig oder auch Schwerin. «Die Lebensverhältnisse haben sich in den letzten 30 Jahren erheblich angeglichen, wenn es auch noch Unterschiede gibt.» So habe die Arbeitslosigkeit im Jahr 2000 im Osten rund zehn Prozentpunkte über der im Westen gelegen. Heute seien es noch zwei Punkte. «Das ist eine Erfolgsgeschichte.» Hoffmann begrüßte das Konzept von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) für eine Grundrente. Davon könnten gerade Frauen im Osten profitieren, sagte er.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 08. 2019
10:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitgeberverbände Arbeitslosigkeit Bundesminister für Arbeit und Soziales DGB-Chefs Deutsche Presseagentur Gewerkschaften Hubertus Heil Löhne und Einkommen Produktivität SPD Tarife (Löhne und Einkommen) Tarifverträge Unternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
IG Metall

11.03.2020

IG Metall drückt im Tarif-Pilotbezirk NRW aufs Tempo

NRW könnte Pilotbezirk für die bundesweiten Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie werden. Schon vor Beginn der offiziellen Verhandlungen sind sich IG Metall und Arbeitgeber näher gekommen. » mehr

Arbeit im Schlachthof

20.05.2020

Regierung beschließt Maßnahmen in Fleischbranche

Kritik gab es schon lange, nun soll es schnell gehen: Nach mehreren Corona-Ausbrüchen in Schlachtbetrieben geht die Politik schärfere Regeln für die Branche an - Ärger gibt es vor allem um ein Verbot. » mehr

Agentur für Arbeit

09.04.2020

DGB fordert deutliche Anhebung des Kurzarbeitergelds

Hunderttausende Firmen haben in der Corona-Krise schon ihre Mitarbeiter nach Hause geschickt und Kurzarbeit angemeldet. Damit die Einkommen nicht ganz wegbrechen, gibt es Kurzarbeitergeld vom Staat. Aber die bisherige Hö... » mehr

Peter Altmaier

24.05.2020

Recht auf Homeoffice: Altmaier gegen «staatliche Gängelei»

Die eigene Wohnung ist in der Krise für viele Arbeitnehmer auch zum Arbeitsplatz geworden. Videokonferenzen sind gang und gäbe. Wird das Homeoffice auch nach Corona üblich sein? » mehr

Peter Altmaier

23.05.2020

Wirtschaftsminister gegen Recht auf Homeoffice

In der Corona-Krise sind viele Beschäftigte ins Homeoffice gewechselt. Doch soll es bald ein Recht geben, zu Hause arbeiten zu dürfen? Der Wirtschaftsminister hat dazu eine klare Position - die SPD kontert. » mehr

Hubertus Heil

18.04.2020

Arbeitsminister Heil für Anhebung von Kurzarbeitergeld

«Miete und Rechnungen müssen ja weiterbezahlt werden»: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil strebt an, das Kurzarbeitergeld bald anzuheben. Die Bundesregierung sei bereits mit den Sozialpartnern auf der Suche nach einer L... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Auto-Party in Meiningen

Party im Autokino Meiningen | 30.05.2020 Meiningen
» 60 Bilder ansehen

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis Zella-Mehlis

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis | 27.05.2020 Zella-Mehlis
» 12 Bilder ansehen

Brennender Lkw A73 Eisfeld-Nord

Lkw-Brand A73 Eisfeld | 26.05.2020 Eisfeld-Nord
» 28 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 08. 2019
10:59 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.