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Wirtschaft

Coronavirus: Dax erlebt schwärzeste Woche seit 2011

Der Kursrutsch aus Sorge vor einer Coronavirus-Pandemie hat am Freitag mit einem Dax-Verlust von zeitweise mehr als 5 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt erlebt.



Dax
Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland.   Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Der deutsche Leitindex erholte sich aber im späten Handel etwas und schloss mit 3,86 Prozent im Minus bei 11.890,35 Punkten. Mit einem Rutsch um letztlich 12,44 Prozent seit dem vergangenen Freitag erlebten die Anleger gleichwohl die schwärzeste Woche seit dem Börsencrash im August 2011 - damals inmitten der Euro-Schuldenkrise.

Auf Monatssicht ergibt sich beim Dax ein Verlust von mehr als 8 Prozent. Das Rekordhoch aus der Vorwoche bei 13.795 Punkten scheint in der aktuellen Panik am Markt so schnell nicht wieder erreichbar. Der MDax der mittelgroßen Werte fiel am Freitag um 3,17 Prozent auf 25.366,62 Punkte.

Das neuartige Coronavirus breitet sich nicht nur in Deutschland immer stärker aus. Die Weltgesundheitsorganisation warnte, der neue Erreger habe «pandemisches Potenzial» und könnte ohne die richtigen Maßnahmen «außer Kontrolle geraten». Auch wenn medizinische Fachleute wie der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, daran erinnern, dass bei der weit überwiegenden Anzahl der Infizierten nur erkältungsähnliche Symptome auftreten - die Folgen für die Wirtschaft sind schon jetzt unabsehbar.

«Die exportorientierte deutsche Wirtschaft wird durch die Unterbrechung von internationalen Lieferketten besonders schlimm getroffen», sagte etwa Stefan Schneider, Chefvolkswirt für Deutschland bei der Deutsche Bank. Es sei daher wahrscheinlich, dass die deutsche Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen des Jahres schrumpft. Chefstratege Michael Hartnett von der Bank of America sieht sogar für die ganze Weltwirtschaft zunehmende Risiken für einen Konjunkturabschwung.

Zweitschwächster Dax-Wert hinter Linde, die mehr als 6 Prozent verloren, waren die Papiere der Munich Re, die 5,7 Prozent einbüßten. Die Munich-Re-Anteilsscheine waren zeitweise um mehr als 9 Prozent absackt und notieren nun wieder unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt, der den langfristigen Trend beschreibt. Der Rückversicherer hatte zwar seinen Gewinn 2019 trotz deutlich gestiegener Großschäden kräftig gesteigert und sein ursprüngliches Gewinnziel übertroffen. Die noch optimistischeren Erwartungen von Analysten wurden jedoch verfehlt.

Auch die BASF-Aktien mussten weiter kräftig Federn lassen und rutschten mit einem Abschlag von fast 5 Prozent auf das tiefste Niveau seit 2012 ab. Der Chef des weltgrößten Chemiekonzerns, Martin Brudermüller, hatte bei der Vorlage der Jahreszahlen wegen des Virus ein recht düsteres Bild gezeichnet. Die Deutsche Post stellt derweil den Bau ihres Elektrotransporters Streetscooter ein und streicht ihre Gewinnpläne für 2020 zusammen. Die Anteilsscheine sackten um mehr als 5 Prozent ab.

Der Volkswagen-Konzern fuhr derweil im abgelaufenen Jahr trotz der Branchenkrise mehr Umsatz und deutlich mehr Gewinn ein als gedacht. Die Dividende für Vorzugsaktionäre soll von 4,86 Euro auf überraschend hohe 6,56 Euro je Aktie steigen. Mit einem lediglich leichten Minus waren die Vorzugsaktien des Autobauers der Favorit im Dax.

Der in Finanznöten steckende Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp will seine Aufzugsparte komplett an ein Konsortium rund um die Finanzinvestoren Advent und Cinven verkaufen. Mit im Boot ist auch der Ruhrkonzern RAG, der an dem Chemiekonzern Evonik beteiligt ist. Die Thyssenkrupp-Papiere konnten sich dem Sog des Gesamtmarktes nicht entziehen und rutschten mit einem Minus von rund 5 Prozent auf das tiefste Niveau seit 2003.

Gefragt sind hingegen vermeintliche Profiteure der Viruserkrankung wie Drägerwerk und Teamviewer. Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Drägerwerk stellt Atemschutzmasken her, die derzeit sehr stark nachgefragt werden. Die Papiere schossen um gut 13 Prozent in die Höhe. Teamviewer ist ein Software-Hersteller für Computer-Fernwartung und Videokonferenzen, die immer mehr Unternehmen nutzen, um Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten zu lassen. Die Aktie gewann an der MDax-Spitze fast acht Prozent.

Spitzenreiter im Nebenwerteindex SDax waren die Anteilscheine von Rhön Klinikum, die um mehr als 22 Prozent in die Höhe schnellten. Die beiden Klinikkonzerne Asklepios und Rhön wollen sich zusammentun.

Auch weltweit verbuchten die Börsen hohe Abschläge. Der EuroStoxx 50 als Leitbarometer der Eurozone sackte um 3,66 Prozent ab auf 3329,49 Zähler. Die Börsen in Paris und London sackten um mehr als 3 Prozent ab. In den USA stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss knapp 3 Prozent tiefer.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,50 auf minus 0,59 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,36 Prozent auf 146,02 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,53 Prozent auf 177,48 Punkte. Der Euro legte zu und notierte zuletzt bei 1,1004 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,0977 (Donnerstag: 1,0964) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9110 (0,9121) Euro.

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Veröffentlicht am:
28. 02. 2020
18:35 Uhr

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28. 02. 2020
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