Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Corona-Reisefrust löst Beschwerdeflut aus

Wenn der Flieger nicht geht und man monatelang seinem Geld hinterherläuft: So geht es nach dem Zusammenbruch des Luftverkehrs vielen Flugpassagieren. Doch nicht nur bei ihnen wächst der Ärger.



Beschwerden über Airlines und Bahn
Annullierte Flüge und abgesagte Bahnfahrten in der Corona-Krise lassen die Zahl der Kundenbeschwerden in die Höhe schnellen.   Foto: Boris Roessler/dpa

Annullierte Flüge und abgesagte Bahnfahrten in der Corona-Krise lassen die Zahl der Kundenbeschwerden in die Höhe schnellen.

Allein an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) haben sich in den vergangenen Wochen mehr als dreimal so viele Verbraucher gewandt wie im Vorjahreszeitraum. Die Folgen der Seuche hinterlassen deutliche Spuren in der Bilanz der Einrichtung, deren Zahlen der Deutschen Presse-Agentur vorliegen: Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Beschwerden demnach um 23 Prozent auf den Rekordwert von 14 647.

In vier von fünf Fällen geht es um Flüge. Mitte März kam der Luftverkehr nahezu zum Erliegen. Kunden wollen nun ihr Geld zurück, weil sie nicht fliegen konnten. «Sehr viele Reisende haben sich an die Airline gewandt und nichts oder erst nach Wochen etwas gehört», sagte der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle, Heinz Klewe. «Wenn wir dann das Schlichtungsverfahren gestartet haben, war meist schnell alles paletti.»

Eigentlich müssen Fluggesellschaften das Geld für ausgefallene Flüge innerhalb von sieben Tagen erstatten. Weil der Flugverkehr in der Corona-Krise jedoch nahezu komplett zusammenbrach, gerieten viele Airlines in Geldnot. Kurzarbeit verzögerte zudem die Bearbeitung der Beschwerdeflut.

Den Zorn der Kunden zogen Fluggesellschaften damit auf sich, dass sie zunächst versuchten, die Passagiere mit Gutscheinen abzufinden. Die EU-Kommission stellte jedoch klar, dass das Geld zu erstatten sei. Vor zwei Wochen beschloss der Bundestag, wie Gutscheine ausgestaltet sein müssen: Annehmen muss sie niemand, Verbraucher können sich das Geld immer noch erstatten lassen.

Auch Verbraucherzentralen hatten von steigenden Beschwerdezahlen berichtet. Flugrechtsportale sammeln Klagen, weil viele Erstattungen auf sich warten lassen, von systematischem Rechtsbruch ist die Rede.

Die Branche widerspricht. «Selbstverständlich kommen die Fluggesellschaften der Rückerstattungspflicht nach oder stellen mit dem Einverständnis der Passagiere Gutscheine aus», hob Matthias von Randow hervor, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Die geltenden Fristen würden aber nicht der Situation einer weltweiten Pandemie gerecht, sie könnten nicht immer eingehalten werden. Von Randow versicherte jedoch: «Die Unternehmen arbeiten intensiv daran, bestehende Ansprüche möglichst schnell zu bedienen.»

Anders als am Himmel blieb auf der Schiene ein Großteil des Verkehrs erhalten. Bahnkunden konnten fahren - viele wollten aber nicht, weil sie sich vor einer Ansteckung fürchteten oder weil ihre Reisegründe wegen der Seuche wegfielen. 2308 Bahnkunden haben sich von Januar bis Juni an die Schlichtungsstelle gewandt, 61 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2019.

«Viele Bahnkunden sind verärgert», erklärte Klewe. Der Konzern hatte den Kunden anfangs Gutscheine für vor dem 13. März gebuchte Fahrten gewährt, die drei Jahre gültig sind. Für Fahrten nach dem 4. Mai verfallen die Guthaben jedoch schon nach dem 31. Oktober. Die gebuchte Verbindung könne dabei nicht verändert werden, erläuterte Klewe. Falle der eigentliche Reisezweck weg, etwa ein Konzertbesuch, habe es für die Kunden auch keinen Sinn, die Reise zu verschieben.

Die Bahn sieht ihre Regelung aber bereits als recht großzügig an. Ein Sprecher betonte: «Mit der Verordnung der Kontaktsperren in Deutschland ab dem 13. März haben wir eine weitreichende Kulanz und seitdem die Stornierung und flexible Nutzung von rund fünf Millionen Fahrten ermöglicht.»

Die SÖP ist von der Bundesregierung als Schlichtungsstelle für Bahn, Luftverkehr, Fernbus und Schiff anerkannt. Zum größten Teil geht es um eine Entschädigung bei Verspätungen oder Ausfällen von Flügen und Bahnfahrten. Rund 400 Verkehrsunternehmen beteiligen sich an dem Schlichtungsverfahren, das sie selbst finanzieren. Für Verbraucher ist es kostenlos. 2019 konnte nach Klewes Worten in rund 90 Prozent der Fälle eine Einigung gefunden werden.

© dpa-infocom, dpa:200717-99-825232/3

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 07. 2020
13:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Epidemien Europäische Kommission Fluggäste Flüge Kunden Luftverkehr Pandemien Passagiere und Fahrgäste Personenverkehr Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Verkehr
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Anzeigetafel

09.08.2020

Beschwerdeflut bei Flugtickets - Kritik an Lufthansa

Für die massenhaften Flugausfälle dieses Jahr wegen Corona können die Airlines nichts. Aber viele Kunden sind verärgert, weil sie ihnen für Rückzahlungen hinterherrennen müssen. Eigentlich sind die Vorgaben klar. » mehr

Warten auf Ticket-Erstattungen

10.07.2020

Das lange Warten auf Flugticket-Erstattungen

Unfreiwillig haben Passagiere und Reisebüros den Fluggesellschaften in der Corona-Krise Tausende Kleinkredite gegeben. Nach der staatlichen Lufthansa-Rettung sollten nun Erstattungen schneller fließen. Gutscheine muss ni... » mehr

Lufthansa

24.05.2020

Lufthansa will mehr Flüge anbieten

Die Staatshilfen für die Lufthansa sind noch immer nicht in trockenen Tüchern. Das hat zu tun mit der EU. Das Unternehmen arbeitet derweil daran, den in der Corona-Krise fast zum Erliegen gekommenen Flugverkehr wieder ho... » mehr

Flughafen Tegel

20.05.2020

Flughafen Tegel darf im Juni schließen

Berlin und Flughafen - das ist ein kein einfaches Thema. Oft geht es dabei um Mangel und Knappheit. Aber jetzt hat die Bundeshauptstadt mehr Flughäfen als sie gebrauchen kann. Sie zieht nun Konsequenzen. » mehr

Lufthansa-Konzern streicht noch mehr Flüge

06.03.2020

Lufthansa-Konzern streicht Flugplan bis zur Hälfte zusammen

In der Coronakrise geht der internationale Luftverkehr immer mehr in die Knie. Was in China begann, hat längst Auswirkungen auf sämtliche Zielgebiete. Die Lufthansa greift zu drastischen Maßnahmen. » mehr

Lufthansa reaktiviert geparkte Flugzeuge

03.08.2020

Wie in Corona-Zeiten Jets fit bleiben

Vom Herumstehen werden auch Flugzeuge nicht besser. Lufthansa muss erheblichen Aufwand treiben, um die teuren Jets betriebsbereit zu halten. Aber längst nicht alle werden nach Corona noch gebraucht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Blankenhain Blankenhain

Mann von Transport überrollt | 01.10.2020 Blankenhain
» 13 Bilder ansehen

SEK schießt Mann in Lengfeld an Lengfeld

SEK-Einsatz Lengfeld | 29.09.2020 Lengfeld
» 16 Bilder ansehen

Gebäudebrand Hildburghausen Hildburghausen

Gebäudebrand Hildburghausen | 29.09.2020 Hildburghausen
» 14 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 07. 2020
13:26 Uhr



^