Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Wirtschaft

Corona-Folgen: Spuckschutz», Abstandsregeln, Leergutmangel

Abstand halten lautet die Devise in Corona-Zeiten, das gilt auch für den Handel. Supermärkte rüsten entsprechend auf. Doch sie haben noch weitere Probleme - und an manchen sind die Kunden nicht unbeteiligt.



Abstand
Vor einem Baumarkt stehen Menschen in einer Schlange.   Foto: Stefan Puchner/dpa

Mit Mundschutz schiebt ein Mann seinen Einkaufswagen durch die Regalgänge. Schilder in Geschäften appellieren an Menschen, Abstand zu halten oder erstmal zu klingeln. Das sind im Handel wegen der Coronavirus-Krise inzwischen übliche Szenen.

Um die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 einzudämmen, ergreifen auch die Supermärkte in Deutschland allerhand Maßnahmen: Abstandsmarkierungen am Boden, «Spuckschutz» an den Kassen, mehr bargeldloses Bezahlen sowie Desinfektionsmittel und Handschuhe für Mitarbeiter. Doch die Läden haben auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen: Mitarbeiter sind erschöpft, einige Kunden «hamstern» und Leergut fehlt.

Zum Schutz der Kassierer und Kassiererinnen werden in vielen Filialen von Aldi, Lidl, Netto, Rewe und Penny derzeit Plexiglasscheiben als «Spuckschutz» an den Kassen installiert, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Supermarkt- und Discounterketten am Wochenende ergab. Der Hintergrund: Das neuartige Coronavirus wird vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen.

«Als eine von vielen Präventionsmaßnahmen werden kurzfristig zusätzliche Desinfektionsmittel sowie Einmalhandschuhe zum Schutz unserer Mitarbeiter zur Verfügung gestellt», erklärte ein Sprecher von Aldi Nord. Solche Maßnahmen haben auch die anderen Unternehmen getroffen. Überall werde den Kunden zudem empfohlen, möglichst ohne Bargeld zu bezahlen, sondern stattdessen mit Karte - damit es wenig direkten Kontakt zwischen Menschen gibt. Kein befragtes Unternehmen gab jedoch an, dass Kundenströme durch Zutrittsbeschränkungen gedrosselt würden.

Zum Schutz der Kunden lassen die Ketten im Kassenbereich vieler Filialen Fußbodenmarkierungen verkleben, bei den Netto-Marken-Discount-Filialen einer Sprecherin zufolge beispielsweise im Abstand von zwei Metern. Ähnliche Hinweise werden in Aldi- und Lidl-Filialen angebracht. Die Netto-Sprecherin verwies zudem auf Selbstbedienungskassen in mehr als 100 Netto-Filialen.

Eine Sprecherin von Aldi Süd erklärte: «Wir bitte unsere Kunden auch, auf die wichtigen Hygiene- und Abstandsregeln zu achten.» Dabei geht es etwa um die sogenannte Husten- und Niesetikette: in die Armbeuge statt in die Hand oder gar völlig ungeschützt quer durch den Raum.

Um den Andrang in Supermärkten zu entzerren, hat Bayern die möglichen Ladenöffnungszeiten ausgeweitet - auch auf Sonn- und Feiertage. Doch davon macht keines der befragten Unternehmen Gebrauch. «Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen Ruhephasen, um Kräfte zu sammeln, sich zu erholen, Zeit mit ihren Partnern und Familien zu verbringen», erläuterte die Sprecherin von Aldi Süd.

Zusätzlich zu schaffen machen den Läden sogenannte Hamsterkäufe - etwa bei Klopapier. Zu einem besonders ungewöhnlichen Vorgehen greift Einzelhändler Michael Glück im rheinland-pfälzischen Rengsdorf: Er verlangt ab der zweiten Packung Klopapier einen Aufschlag, um Hamsterkäufer abzuschrecken, wie er der dpa sagte. Eine Lieferung sei innerhalb von fünf bis zehn Minuten ausverkauft. Das führe auch zu Streit. «Es herrscht Krieg um Klopapier. Die Kunden holen sich das gegenseitig aus dem Einkaufswagen», sagte Glück. Mancherorts wird nun hart durchgegriffen: Die Stadt Hanau und der Kreis Marburg-Biedenkopf in Hessen etwa wollen Hamsterkäufe unterbinden.

Der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, sagte dem «Tagesspiegel am Sonntag»: «Vorratshaltung ist gut, Hamstern ist unsinnig.». Natürlich könnten mal Backhefe oder Mehl ausverkauft sein. «Grundsätzlich ist die Lebensmittelversorgung jedoch nicht gefährdet.» Es gibt Unger zufolge im Moment auch «keine Planung, die staatlichen Nahrungsmittelreserven in irgendeiner Form anzutasten». Die Notreserven sind für die Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall gedacht.

Doch nicht nur Klopapier, Mehl und Nudeln werden gebunkert: Die Getränkebranche appelliert an ihre Kunden, Getränke nicht massenweise in Kellern und Kammern zu lagern. Es müsse ausreichend Leergut in den Kreislauf des Mehrwegsystems zurückkommen, sagte Julian Schwarzat vom Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels (GFGH). Angespannt sei die Lage vor allem bei Mineralwasser, wenngleich das System nicht vor dem Kollaps stehe.

Verbraucher sollten beim Einkauf das genutzte Leergut bei Mehrweg - Flaschen ebenso wie Kästen - «so bald wie möglich wieder über den Handel zurückzubringen», fordern große Verbände wie der GFGH, der Deutsche Getränke-Einzelhandel und der Verband Deutscher Mineralbrunnen in einer gemeinsamen Erklärung. Es gebe aber trotzdem ausreichend Nachschub, versicherten die Branchenvertreter.

Ein findiger Getränkehändler aus Stuttgart verbindet die Sorge um das Leergut unterdessen mit dem Run auf das Produkt der Stunde: «Kunden, die bei uns Leergut zurückbringen, bekommen als Belohnung eine Rolle Toilettenpapier», sagte Hans-Peter Kastner. Er habe gleich eine ganze Ladung von dem begehrten Gut in Krisenzeiten im Internet bestellt.

Veröffentlicht am:
22. 03. 2020
19:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aldi Gruppe Aldi Nord Aldi Süd Bevölkerungsschutz Bundesamt für Bevölkerungsschutz Bundesbehörden und Bundesämter (Deutschland) Deutsche Presseagentur Einzelhändler Getränkebranche Getränkehändler Hamsterkäufe Kunden Ladenschluss Lidl Mehl Rewe Gruppe Supermärkte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Coronavirus - Test

26.05.2020

Nur wenige Unternehmen planen Corona-Tests für Mitarbeiter

Die Post will ihren Mitarbeitern anbieten, sich vorsorglich auf das Coronavirus testen zu lassen. In der Branche ist das ansonsten eher kein Thema. Handel und Gastronomie fahren in der Test-Frage unterschiedliche Strateg... » mehr

Hinter Glas

21.03.2020

Supermärkte setzen auf Scheiben und Abstand

Die Lebensmittelversorgung wird aufrecht erhalten. Aber wie schützen die Supermarktketten ihre Mitarbeiter vor Ansteckung? » mehr

Schutzmasken

29.04.2020

Erste Handelsketten mit Schutzmasken «zum Selbstkostenpreis»

Viele Ketten wollen den Mund-Nasen-Schutz rasch in ihr Angebot aufnehmen. Aldi Süd hat bereits damit angefangen. » mehr

Senioren im Supermarkt

17.03.2020

Mehr Hilfe für Senioren in Supermärkten wegen Pandemie

Mit Sonderöffnungszeiten und Extra-Kassen helfen Supermärkte im Ausland Senioren beim Einkauf in den Zeiten des Coronavirus. In Deutschland zögern die Handelsketten noch. » mehr

Umstellung der Mehrwertsteuer

07.06.2020

Umstellung der Mehrwertsteuer für Handel Herausforderung

Sechs Monate lang weniger Mehrwertsteuer soll die Deutschen kauflustiger machen - so der Plan der Bundesregierung. Für den Einzelhandel bedeutet das aber zunächst eine Menge Arbeit. » mehr

Aldi Nord und Aldi Süd

12.03.2020

Aldi vereinheitlicht Eigenmarken

Aldi macht 90 Prozent seines Umsatzes mit Eigenmarken. Doch gingen Aldi Nord und Aldi Süd bislang dabei fast immer getrennte Wege. Das soll sich nun ändern - und auch die Kunden sollen davon profitieren. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Motorradunfall Linden

Motorradunfall Linden | 10.07.2020 Linden
» 7 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Oberhof Oberhof

Unfall Oberhof | Oberhof
» 6 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 03. 2020
19:59 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.