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Wirtschaft

Commerzbank feilt bis Herbst an Strategie

Wie geht es weiter mit der Commerzbank? Ist das Institut allein stark genug? Welche Pläne hat der Vorstand nach dem Fusions-Aus? Konkrete Antworten bekommen die Aktionäre zunächst nicht.



Hauptversammlung Commerzbank
Martin Zielke (l) und Stefan Schmittmann, der neue Aufsichtsratsvorsitzende.   Foto: Arne Dedert

Die Commerzbank sucht nach dem Platzen des Fusionstraums nach Antworten auf Ertragsschwäche und Zinstief.

Die Ende April beendeten Gespräche mit der Deutschen Bank über einen möglichen Zusammenschluss hätten «auch gezeigt, wo wir möglicherweise unsere Strategie nachschärfen sollten», sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke am Mittwoch bei der Hauptversammlung des MDax-Konzerns in Wiesbaden. «Im Herbst können wir Ihnen hierzu mehr sagen.» Auch einen neuen Anlauf zur Suche nach Partnern schloss Zielke nicht aus.

Traditionell treffen sich Vorstand und Aufsichtsrat der Bank Mitte September, um den weiteren Kurs des Frankfurter Instituts, dessen größter Anteilseigner der Bund ist, zu erörtern. Mit Ergebnissen der diesjährigen Strategiedebatte wird ab Anfang Oktober gerechnet. Eine Sondersitzung des Kontrollgremiums am Tag vor der Hauptversammlung brachte dem Vernehmen keine entscheidenden neuen Erkenntnisse.

Mit der Konzentration auf Privatkunden sowie Firmenkunden und Mittelstand sieht sich die Commerzbank grundsätzlich gut aufgestellt. Das Ausloten einer Fusion mit der Deutschen Bank hat nach Ansicht Zielkes gezeigt, «dass wir bereits sehr vieles richtig machen». Dennoch sei auch der Vorstand mit der erreichten Profitabilität nicht zufrieden: «Hier können und müssen wir mehr erreichen.»

In den ersten drei Monaten 2019 waren die Erträge - also die gesamten Einnahmen der Bank - gesunken. Zugleich war die Steuerlast höher als ein Jahr zuvor. Die Folge: ein Gewinneinbruch. Unter dem Strich verdiente die Commerzbank 120 Millionen Euro und damit weniger als halb so viel wie im Vorjahresquartal (262 Mio Euro). Für das Gesamtjahr 2019 peilt der Vorstand dennoch unter dem Strich etwas mehr Gewinn an als die 865 Millionen Euro im Jahr 2018.

Zielke versicherte, der Vorstand werde alle Möglichkeiten prüfen, die Profitabilität zu steigern - auch mögliche Chancen mit Partnern und eventuellen Zukäufen.

Hartnäckig halten sich Spekulationen, die niederländische ING und die italienische Unicredit hätten ein Auge auf die Commerzbank geworfen. Zielke sagte, er habe ING-Chef Ralph Hamers - wie andere Bankchefs auch - in den vergangenen zwölf Monaten zwei Mal getroffen. Es habe aber «keine konkreten Angebote zur Aufnahme von Verhandlungen über einen Zusammenschluss gegeben», betonte Zielke.

Die Möglichkeiten zu Wachstum aus eigener Kraft sind indes begrenzt. Bei Privatkunden und Mittelstand herrscht harter Preiskampf. Die von der Branche herbeigesehnte Wende zu höheren Zinsen lässt auf sich warten, die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Zinstief bis mindestens Ende 2019 zementiert. Teure Regulierung belastet Banken zudem. Auf dem deutschen Markt seien «international wettbewerbsfähige Renditen derzeit nicht zu erzielen», hatte Zielke im Februar gesagt.

Hat die Commerzbank ohne Partner eine Zukunft? Das fragen sich daher auch Aktionärsvertreter wie Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Mit kräftiger Werbung um Neukunden sei es der Commerzbank letztlich nur gelungen, «eine noch stärkere Erosion der Ertragsbasis» zu verhindern, stellte Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) fest.

DSW-Vertreter Nieding sagte an Zielke gerichtet: «Man kann ja fast den Eindruck bekommen, dass Sie von einem Wachstumspotenzial "stand alone" nicht mehr überzeugt sind und an das eigene Haus nicht mehr glauben.» Schließlich sei Zielke als einer der Treiber einer Fusion mit der Deutschen Bank dargestellt worden.

Zielke verteidigte die im März/April geführten Sondierungsgespräche, die bei der Commerzbank sechs Millionen Euro an Beraterkosten verschlangen, als «richtig und wichtig»: «Wir müssen alle Optionen prüfen, um die Commerzbank einfacher, besser und schneller zu machen.» Letztlich waren die Vorstände beider Häuser zu dem Schluss gekommen, dass Risiken und Kosten einer Fusion zu groß gewesen wären.

Kleiner Trost für die gebeutelten Commerzbank-Aktionäre: Für das Geschäftsjahr 2018 gibt es die zweite Gewinnausschüttung seit der Rettung des Instituts in der Finanzkrise 2008/2009, wenn auch nur magere 20 Cent je Anteilsschein. Für das Geschäftsjahr 2019 dürfen die Aktionäre auf eine Ausschüttung in vergleichbarer Höhe hoffen.

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dpa

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22. 05. 2019
14:34 Uhr

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22. 05. 2019
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