Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Wirtschaft

Bund dringt auf zügige Verbesserungen für Bahnkunden

Frühmorgens trifft sich der Verkehrsminister mit der Spitze der Bahn - und bestellt den Vorstand gleich ein weiteres Mal zum Rapport. Der Druck ist groß, doch die vielen Veränderungen auf der Schiene brauchen Zeit.



Treffen
Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister (l), und Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG.   Foto: Britta Pedersen/Archiv

Für Bahnkunden soll es bis Sommer spürbare Verbesserungen bei der Pünktlichkeit der Züge und beim Service geben. Das ist das Ziel von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

Der CSU-Politiker sagte nach einem Gespräch mit der Spitze des bundeseigenen Konzerns, es gehe darum, nun konkrete Maßnahmen einzuleiten, damit es im ersten Halbjahr Verbesserungen für die Fahrgäste gebe. Scheuer kündigte für Donnerstag ein erneutes Treffen mit der Spitze der Bahn an.

Scheuer nannte ein besseres Baustellen-Management, um Engpässe auf Bahnstrecken in den Griff zu bekommen. Die Politik sei außerdem daran, der Bahn eine «finanzielle Basis» zu garantieren. Einzelheiten auch zu Summen nannte er nicht.

Ziel ist es laut Scheuer, bei dem Treffen am Donnerstag einen «großen Schritt» voranzukommen. Es sei daneben ein weiterer Termin im Januar für ein Treffen ins Auge gefasst worden. Die Spitze der Bahn müsse im Sommer dokumentieren, was besser geworden sei.

Das sei unrealistisch, kritisierte der Verkehrsclub Deutschland. Die Bahn müssen bauen, um langfristig pünktlicher zu werden und mehr Fahrgäste transportieren zu können. Solange jedoch gebaut werde, seien unpünktliche Züge unausweichlich.

Wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Der Konzern verfehlte sein Ziel von 82 Prozent pünktlicher Züge deutlich.

Bahnchef Richard Lutz hatte bei dem Treffen im Ministerium weitere Vorschläge gemacht, um Qualität und Pünktlichkeit zu steigern. Scheuers Bahn-Beauftragter, der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU), sagte anschließend, er sei «nicht zufrieden».

«Es war ein guter Auftakt», sagte ein Bahnsprecher. «Heute ging es eher um das Grundsätzliche und die großen Linien. Wir haben konkrete Maßnahmen und Verbesserungsvorschläge in der Schublade, am Donnerstag werden sie auch im Detail erläutert.»

Der Vorstand hatte im Dezember eine «Agenda für eine bessere Bahn» mit Dutzenden Einzelmaßnahmen vorgelegt. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, die profitable Auslandstochter DB Arriva zu verkaufen, um Geld für Züge und Gleisnetz in Deutschland zu bekommen. Auch könnte der Konzernvorstand erweitert werden.

Am Tisch saß auch der SPD-Verkehrspolitiker Sören Bartol. Er forderte danach Vorgaben durch Scheuer. «Hier ist klare Führung gefragt», teilte Bartol mit. «Niemand sollte versuchen, von seiner eigenen politischen Verantwortung abzulenken, in dem er Debatten über die Zukunft des Bahnvorstands beginnt.»

Der FDP-Politiker Christian Jung hingegen verlangte, Lutz sowie seine Vorstandskollegen Ronald Pofalla (Infrastruktur) und Berthold Huber (Personenverkehr) abzulösen. «Die Bundesregierung muss als Eigentümer der Bahn selbst deutlich klarstellen, wie sie strukturell, operativ und personell die Zukunft der Deutschen Bahn sieht.»

Scheuer sagte, er stehe einem Verkauf von Arriva «offen» gegenüber. Man müsse bei dem Thema in die Tiefe gehen, man werde ein «sehr interessantes» Unternehmen nicht leichtfertig auf dem Markt platzieren.

Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht weitere Milliarden, etwa zur Modernisierung ihres Netzes. Es sei jedem klar, dass es finanziell einen Mehrbedarf gebe, sagte Scheuer. Finanzierungsfragen hätten aber am Dienstag keine Priorität gehabt. Er mahnte an, die Bahn-Strukturen einzudampfen. Die Zusammenarbeit verschiedener Sparten im Konzern könne verbessert werden.

Die Verbraucherzentralen forderten Erleichterungen für Bahnkunden bei Entschädigungen für unpünktliche oder ausgefallene Züge. «Das lässt sich im Gegensatz zur Behebung der tief gehenden Probleme schnell umsetzen», sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Damit Verbraucher rasch an ihr Geld kommen, müsse spätestens bis zum Sommer ein Erstattungsantrag per Online-Formular auf der Homepage der Deutschen Bahn möglich sein. Privatbahnen machten dies bereits vor. Bei Verspätungen von mehr als einer Stunde können Kunden 25 Prozent des Ticketpreises zurückfordern, ab zwei Stunden die Hälfte.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 01. 2019
14:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Scheuer Bahnkunden Berthold Huber CDU CSU Deutsche Bahn AG Deutsche Presseagentur Enak Ferlemann Klaus Müller Konzerne Konzernführung Ronald Pofalla Sören Bartol Ticketpreise Verkehrsclub Deutschland Verkehrsminister Züge
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Zugstörungen

03.05.2020

Zugstörungen bremsen Bahnkunden immer häufiger aus

Wer Bahn fährt weiß: Verspätungen gehören zum Alltag. Beim Schienennetz gibt es einen Sanierungsstau, viele Züge sind veraltet. Und nun sorgt die Corona-Krise auch noch dafür, dass dem Staatskonzern noch mehr Geld fehlt. » mehr

Probleme

17.01.2019

Mehr Personal, mehr ICE-Züge: Bahn verspricht Besserung

Schon wieder ein Frühstück beim Verkehrsminister. Bei der Bahn soll nun möglichst schnell vieles besser werden. An diesem Ziel wird auch Scheuer gemessen werden. Experten warnen: Kurzfristige Erfolge sind unrealistisch. ... » mehr

Bund und Deutsche Bahn unterzeichnen Vereinbahrung

14.01.2020

Milliardenspritze für die Bahn - was haben die Kunden davon?

Max Maulwurf werden Bahnkunden auf Plakaten nun häufiger zu sehen bekommen. Die Bahn bekommt zusätzliche Milliarden für den Erhalt des Schienennetzes. Die Folge sind zunächst mehr Baustellen. Bis sich die Qualität verbes... » mehr

Richard Lutz

13.11.2019

Bahn-Chef Lutz sieht Fortschritte: Züge werden pünktlicher

Die Bundesregierung will die Bahn mit zusätzlichen Milliarden stärken, auch um Klimaziele zu erreichen. Der Verkehrsminister pocht auf Ergebnisse. Bahnchef Lutz sollte bis Donnerstag Maßnahmen vorweisen. » mehr

Bahncards 50 und 25 werden günstiger

10.01.2020

Die letzte Lücke: Preissenkung auch für Bahncard 25 und 50

Käufer der Bahncards 50 und 25 hatten bislang das Nachsehen: Die im Dezember beschlossene Mehrwertsteuer-Reduzierung im Fernverkehr ging an ihnen vorbei. Das soll sich nun ändern. Unterdessen kommen aus politischen Kreis... » mehr

Deutsche Bahn

26.05.2020

Rechnungshof kritisiert Milliardenhilfen für die Bahn

Wochenlang ist kaum jemand Bahn gefahren, viele Züge waren trotzdem unterwegs. Nun soll die Rechnung dafür beglichen werden. Doch es gibt Zweifel, ob sauber abgerechnet wird. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis Zella-Mehlis

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis | 27.05.2020 Zella-Mehlis
» 12 Bilder ansehen

Brennender Lkw A73 Eisfeld-Nord

Lkw-Brand A73 Eisfeld | 26.05.2020 Eisfeld-Nord
» 28 Bilder ansehen

Unfall Schleusingen Schleusingen

Unfall Schleusingen | 25.05.2020 Schleusingen
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 01. 2019
14:32 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.