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Billigflieger Ryanair im Streikmodus

Bereits zum zweiten Mal haben die deutschen Piloten den Billigflieger Ryanair bestreikt, nun auch mit Unterstützung der Flugbegleiter. Das Management gibt sich trotz zahlreicher Flugausfälle unbeeindruckt.



Streik
Flugzeuge der irischen Airline Ryanair stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Weeze.   Foto: Marcel Kusch

Tausende Kunden des irischen Billigfliegers Ryanair sind am Mittwoch nicht zum Flug gekommen. Wegen des ersten gemeinsamen Streiks von Piloten und Flugbegleitern fielen mindestens 150 der geplanten 400 Verbindungen von und nach Deutschland aus.

Das hatte der größte europäische Billigflieger bereits am Vortag angekündigt. Darüber hinaus erwarte man keine Absagen, sagte Ryanair-Organisationschef Peter Bellew am frühen Nachmittag. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) meinte hingegen, dass am Ende des Tages wesentlich mehr Flüge ausfallen könnten.

Der 24-Stunden-Streik von Piloten und Flugbegleitern hatte am Morgen begonnen und sollte noch bis Donnerstag um 2.59 Uhr dauern. Bis dahin mussten Ryanair-Passagiere in Deutschland mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Die Piloten und Flugbegleiter wollten am Donnerstag ihren Dienst wieder antreten, so dass Ryanair nach eigenen Angaben am Folgetag keine weiteren Störungen erwartet. Bei dem dieses Mal nur national geführten Ausstand geht es um erstmalige Tarifverträge für höhere Gehälter sowie bessere Arbeitsbedingungen. Auch in anderen europäischen Ländern haben die Gewerkschaften den Billigflieger zu Zugeständnissen aufgefordert.

Eine inhaltliche Annäherung war am Streiktag nicht zu erkennen. Ryanair-Chef Michael O'Leary nannte die Forderungen der deutschen Gewerkschaften in London teils «aberwitzig». Die Fluggesellschaft sei den Mitarbeitern bereits in allen wichtigen Punkten entgegengekommen. Das einzige, was man abgelehnt habe, sei die «aberwitzige» Forderung nach höheren Gehältern. Ryanair beharrt darauf, bereits jetzt besser zu zahlen als Mitbewerber. «Wir werden nicht nachgeben», sagte O'Leary. Er rief die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Den Vorwurf, streikende Mitarbeiter mit Jobstreichungen zu bedrohen, wies der Ryanair-Chef zurück. «Es wird nicht wegen eines Streiktags zu Kürzungen kommen» sagte O'Leary. Sollte es aber weitere Streiktage geben, könnte das Folgen haben. Sie würden das Geschäft des Billigfliegers in Deutschland zerstören, sagte Organisationschef Bellew der Deutschen Presse-Agentur. Dies könnte das Unternehmen dazu bringen, einzelne Flugzeuge aus kleineren, ertragsschwächeren Standorten abzuziehen. An die Schließung ganzer Basen sei eher nicht gedacht. Grundsätzlich wolle Ryanair in Deutschland wachsen.

Der Manager zeigte sich optimistisch, mit den Gewerkschaften bald wieder ins Gespräch zu kommen. «Unsere Tür ist offen.» Man habe noch in den letzten Tagen umfassende Angebote zu vielen Themen gemacht, die von den Gewerkschaften wohl wegen des bereits vorbereiteten Streiks nicht mehr wahrgenommen worden seien. «Das scheint der Weg zu sein, wie solche Dinge in Deutschland funktionieren. Wir nehmen das nicht persönlich.»

Die Gewerkschaften Verdi und VC reagierten empört auf die wiederholten Drohungen des Managements. «Es ist ein absoluter Skandal, wenn hier Mitarbeiter bedroht werden, die ihren Grundrechten nachgehen», sagte VC-Vize Markus Wahl am Mittwoch in Frankfurt. Das zeige erneut, dass Ryanair versuche, die Beschäftigten mit der Angst um den Arbeitsplatz unter Druck zu setzen. Allerdings belege die hohe Streikbeteiligung, dass diese Mittel nicht mehr wirkten.

«Die Zeit der absoluten Einschüchterung ist vorbei», sagte die Verdi-Luftverkehrsekretärin Katharina Wesenick am Morgen nach einer Protestaktion mit rund 70 Flugbegleitern am Frankfurter Flughafen. Für das deutsche Kabinenpersonal ist es der erste Streik bei dem Billigflieger, während die Piloten bereits im August eine erste Streikwelle organisiert hatten, bei der 250 Flüge abgesagt wurden. Beide Gewerkschaften berichteten von einer sehr hohen Beteiligung an ihren aktuellen Aktionen.

Da es immer noch Befürchtungen über berufliche Nachteile gebe, hatten die Teilnehmer der Aktion am Frankfurter Flughafen Masken mit dem Konterfei von Airline-Chef O'Leary aufgesetzt. Auf Plakaten wurde gefordert «Ryanair stop squeezing out your crew» (Hör auf, deine Besatzung auszupressen). Dazu wurden Zitronen verteilt.

Insgesamt steuert Ryanair 19 deutsche Flughäfen an. Passagiere konnten dem Unternehmen zufolge kostenfrei umbuchen oder den Ticketpreis zurückerhalten. Darüber hinausgehenden Schadenersatz lehnt die Gesellschaft unter Verweis auf EU-Recht ab und lässt es in dieser Frage auf einen Prozess mit dem Flugrechte-Portal AirHelp ankommen. Besonders viele Flugausfälle gab es an den beiden größten deutschen Ryanair-Basen in Frankfurt und Berlin-Schönefeld.

«Wir glauben, dass wir erfolgreich sein können und dass Ryanair an den Verhandlungstisch zurückkehrt», sagte VC-Mann Wahl. Etwas Besonderes sei diesmal die gemeinsame Koordination der Aktion mit den Kollegen des Kabinenpersonals. «Man sieht dadurch, wie prekär die Situation bei Ryanair offensichtlich ist», meinte der Gewerkschafter.

Das Unternehmen schirmt sich zunehmend gegenüber der Öffentlichkeit ab. Für die am 20. September geplante Hauptversammlung wurden die Medien ausgeladen, auch eine Pressekonferenz soll es hinterher nicht geben, wie Ryanair in London bestätigte. Man wolle den Anteilseignern die Möglichkeit einer offenen Diskussion geben, hieß es zur Begründung. Laut «Handelsblatt» scheint es unter den lange Zeit erfolgsverwöhnten Anlegern zu rumoren, weil die Ryanair-Aktie seit Beginn der Streiks deutlich an Wert verloren hat. Im Feuer stehe der langjährige Verwaltungsratsvorsitzende David Bonderman.

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dpa

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Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
17:18 Uhr

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