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Wirtschaft

Baustellen in Sicht: Bahn investiert 12,2 Milliarden Euro

Die Deutsche Bahn erneuert ihr Gleisnetz - und investiert in diesem Jahr so viel wie noch nie. Um die Einschränkungen für die Kunden klein zu halten, hat Pofalla ein ganzes Bündel an Maßnahmen im Gepäck. Nicht alle Kritiker überzeugt er damit.



Ronald Pofalla
Der für die Infrastruktur zuständige Bahn-Vorstand Ronald Pofalla informiert über die Investitionspläne des Konzerns für 2020.   Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Bevor es besser rollt, rollt es erstmal langsamer: Kunden der Deutschen Bahn müssen sich in diesem Jahr wieder auf zahlreiche Bauarbeiten einstellen, die den Verkehr ausbremsen.

Insgesamt will der bundeseigene Konzern rund 1800 Kilometer Gleise erneuern sowie 160 Brücken modernisieren. Zudem sind Bauarbeiten an mehr als 800 Bahnhöfen und Stationen geplant.

Eines der größten Bauprojekte wird dabei die geplante Erneuerung der Schnellfahrstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart. Rund 190 Kilometer Gleise sollen erneuert, der Schotter ausgetauscht, Weichen und Oberleitungen saniert werden. Ab 10. April müssen die täglich 66.000 Reisenden auf der Strecke 45 Minuten mehr einkalkulieren. Bis Ende Oktober wird die Schnellbahntrasse wegen einer Generalüberholung komplett gesperrt. «Nur auf dieser Baustelle verbauen wir 183 Millionen Euro», sagte Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla am Mittwoch in Berlin.

Bereits im Februar werden zudem Gleise, Brücken und Weichen auf den Strecken zwischen Norddeich, Bremen und Rheine erneuert. Bis März sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Weichen und Gleise sollen auch zwischen Berlin und Doberlug-Kirchhain saniert werden. Zudem renoviert die Bahn die Hauptbahnhöfe Dortmund und Hannover sowie Berlin-Zoologischer Garten.

Der Konzern plant, im laufenden Jahr insgesamt rund 12,2 Milliarden Euro in die Infrastruktur zu investieren. Das wären rund 1,5 Milliarden Euro mehr als 2019 und die größte Stumme, die jemals für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung gestanden habe, sagte Pofalla.

Der größte Teil der Summe, rund 5,4 Milliarden Euro, stammt aus der aktuellen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV), die die Bahn im vergangenen Jahr mit dem Bund geschlossen hat, um die bestehende Infrastruktur zu erneuern. 2,2 weitere Milliarden Euro kommen aus dem Bundeshaushalt. Sie sollen für den Aus- und Neubau eingesetzt werden.

Die Infrastruktur der Bahn gilt als marode, jahrelang wurde zu wenig investiert. Das soll sich ändern. «Mit den Rekordinvestitionen werden wir bis 2030 das gesamte Netz modernisieren und durchsanieren und damit den Rückstau abbauen», sagte Pofalla. Dafür stehen ihm allein aus der LuFV für die kommenden zehn Jahre mehr als 86 Milliarden Euro zur Verfügung.

Nicht alle halten das für ausreichend. «Das wäre schön, wenn das gelänge», sagte etwa der Sprecher der Eisenbahn-Gewerkschaft EVG, Uwe Reitz, zu den Ankündigungen des Bahn-Vorstands. «Aber dafür braucht man Menschen und man braucht die Bauindustrie.» Es fehle an Planern, Ingenieuren und anderem Personal. «Insofern sind wir da sehr zurückhaltend.» Die EVG vermisse einen «großen Plan, wie der Schienenverkehr insgesamt weiterentwickelt werden soll.»

Klar ist: Um Pofallas Ziele umzusetzen, muss viel gebaut werden. Für Pendler und Reisende bedeutet das in der Regel längere Reisezeiten und vollere Züge. Auch daran will die Bahn arbeiten. «Wir haben die baubedingten Störungen für den Fernverkehr in den letzten Jahren um 54 Prozent reduziert», sagte Pofalla - und das bei immer mehr Baustellen. Nach traditioneller Zählweise komme er für dieses Jahr erneut auf 800 bis 1000.

Viele dieser Projekte würden aber inzwischen in Baukorridore überführt, hieß es. Dabei werden Bauvorhaben entlang eines Abschnitts, die zuvor einzeln geplant wurden, nun gemeinsam koordiniert und umgesetzt. Über langfristige Verträgen mit der Bauwirtschaft soll diese zudem mehr Planungssicherheit erhalten. Auf diese Weise könnten unter anderem Bauzeiten verkürzt werden.

Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, ist dabei allerdings skeptisch. «Weiterhin ist es so, dass wir viel zu lange Planungszeiten haben», sagte er auf Anfrage. Zudem kritisierte er, dass die Bahn größere Bauprojekte zu spät ankündige und den Kunden nicht genug Zeit bleibe, sich darauf einzustellen. «Wenn es um langfristige Ausbaumaßnahmen wie etwa Weichenwechsel geht, dann muss das sieben Monate vorher bekannt werden», forderte er. «Das ist häufig nicht der Fall.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 01. 2020
18:11 Uhr

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29. 01. 2020
18:11 Uhr



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