Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Wirtschaft

BMW erwartet Verlust und baut Arbeitsplätze ab

Im April hat BMW nur noch halb so viele Autos verkauft wie im Vorjahresmonat. Die Rückkehr aus dem Krisenmodus ist schwerer als gedacht. Das Unternehmen streicht jetzt Stellen und Investitionen - hat aber auch gute Nachrichten.



BMW
BMW will Stellen streichen.   Foto: Tobias Hase/dpa

Der Autobauer BMW rutscht ebenso wie Volkswagen und Daimler in die roten Zahlen. «Das zweite Quartal wird negativ sein», sagte BMW-Finanzchef Nicolas Peter am Mittwoch in München. Wie hoch der Verlust ausfalle, «werden wir sehen».

Im April seien die Verkaufszahlen um 44 Prozent eingebrochen, sagte Vorstandschef Oliver Zipse. Der Weg aus der Corona-Krise werde länger dauern als gedacht. Die Lage sei extrem volatil und ändere sich dauernd. Das wirtschaftliche Umfeld dürfte sich erst zwischen Juli und September wieder zu stabilisieren beginnen. Der Absatz und der Jahresgewinn vor Steuern «werden deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen», sagte Zipse. «Die Situation bleibt ernst.»

Um die Zahlungsfähigkeit zu sichern, kürzt BMW die Investitionen um ein Drittel auf unter 4 Milliarden Euro und baut Arbeitsplätze ab. Derzeit beschäftigt BMW in Deutschland 90 000 Mitarbeiter, 30 000 von ihnen sind derzeit in Kurzarbeit. Zipse erklärte, jedes Jahr verließen etwa 5000 Mitarbeiter das Unternehmen, die Hälfte von ihnen gehe in Rente.

Ob Stellen nachbesetzt werden, werde jetzt in jedem Einzelfall sehr kritisch geprüft. Außerdem beschäftige BMW bislang mehr Zeitarbeiter als andere Autobauer, auch das werde flexibel genutzt. Der Start des geplanten BMW-Werks in Ungarn werde um mindestens ein Jahr verschoben, und auch sonst komme jede Investition und jedes Projekt auf den Prüfstand.

In China gebe es im April zwar erste Erholungszeichen - aber das sei nur bedingt eine Blaupause für andere Märkte, betonte Zipse. Man müsse kein Prophet sein, um zu sagen, dass die Nachfrage in Großbritannien, Italien und Spanien dieses Jahr gering bleiben werde. Zwischen null und 3 Prozent vom Umsatz dürften bei BMW dieses Jahr als Betriebsgewinn aus dem Verkauf von Autos hängen bleiben.

Zugleich erwartet BMW ein niedrigeres Ergebnis im Kredit- und Leasinggeschäft. Schon im ersten Quartal wurden weniger Neuverträge abgeschlossen. Die Risikovorsorge für Kredite und den Restwert zurückkommender Leasingautos musste erhöht werden. Das mit Daimler zusammen betriebene Carsharing- und Taxigeschäft «Your Now» leide sehr stark unter der Krise, sagte Zipse.

Im ersten Quartal kam BMW noch mit einem blauen Auge davon. Der Autoabsatz fiel zwar um 21 Prozent auf 477 000 Fahrzeuge, aber unter dem Strich fuhren die Münchener 574 Millionen Euro Gewinn ein - mehr als VW und Daimler zusammen und fast genauso viel wie im Vorjahr. Allerdings war das Vorjahr bei BMW wegen einer Rückstellung von 1,4 Milliarden Euro für eine mögliche Kartellstrafe schwach gewesen.

Die Werke in China und den USA sind inzwischen wieder angelaufen, das größte europäische Werk Dingolfing in Bayern soll ab nächstem Montag langsam wieder anfangen. München, Regensburg, Leipzig und Oxford folgen «frühestens am 18. Mai», sagte Zipse. Wann wieder im Zwei-Schicht-Betrieb Autos gebaut werden, hänge von der Nachfrage ab. «Wir werden jedenfalls nicht übereilt handeln», betonte der BMW-Chef.

Eine Kaufprämie in Deutschland könnte helfen, die Konjunktur insgesamt anzuschieben, sagte Zipse. Sie müsste auch für saubere Verbrenner bezahlt werden, denn «der Effekt entsteht durch das Hochlaufen der Stückzahlen». Das Spitzentreffen der Autobranche mit Kanzlerin Angela Merkel am Dienstag sei sehr umfassend und konstruktiv gewesen, die Entscheidung sei auf Juni vertagt.

Die CO2-Vorgaben der EU sind aus Sicht von BMW nicht anzutasten: «Wir stehen fest zur Erfüllung der Klimaschutzziele», betonte Zipse. «Forderungen nach Moratorien, sprich einer Verschiebung der Fristen, treten wir entscheiden entgegen.» BMW habe seine Hausaufgaben gemacht und werde in drei Jahren 25 Elektro- und Plug-in-Modelle auf der Straße haben.

Nach der Hauptversammlung nächste Woche will BMW den Aktionären die versprochene Dividende wie geplant auszahlen, ebenso wie die daran gekoppelte Erfolgsbeteiligung für die Mitarbeiter. Die Corona-Krise werde sich dann in der Dividende 2021 widerspiegeln, sagte Zipse.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 05. 2020
14:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auto Autobranche Autofirmen Autoverkäufe BMW BMW-Chefs Bundeskanzlerin Angela Merkel Daimler AG Dividenden Mitarbeiter und Personal Oliver Zipse Unternehmen VW Volkswagen AG Vorstandsvorsitzende Zeitarbeiter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bilanz BMW

18.03.2020

Virus legt die Autoindustrie lahm

Zwei Monate nach dem Einbruch von Autoproduktion und Nachfrage in China droht der Industrie jetzt in Europa und Nordamerika das gleiche Szenario. Wie bereits andere Konzerne müssen auch BMW, Porsche, General Motors, Ford... » mehr

BMW-Elektroauto i4

03.03.2020

Coronavirus und Klimavorgaben machen Autobauern zu schaffen

Die deutschen Autobauer sehen sich von mehreren Seiten unter Druck: Sie müssen den Wandel zur E-Mobilität bewältigen und die CO2-Emissionen ihrer Flotten reduzieren - sonst drohen Strafen der EU. Nun kommen die Folgen de... » mehr

Schrott

24.04.2020

Schulze will «Innovationsprämie» für Autoindustrie

Sollen Autobauer wegen des Corona-Nachfrageeinbruchs neue staatliche Förderung bekommen? Die Umweltministerin meint: Ja, aber abhängig von der Art des Antriebs. Umweltschützer stimmen dem zu - und auch manche Branchenver... » mehr

Eröffnung

02.07.2020

BMW will in Dingolfing jährlich 500.000 E-Antriebe bauen

In Niederbayern baut BMW die Antriebe für seine wachsende Elektroflotte. Die neuesten gehen nach China. Der Betriebsrat freut sich über neue, gut bezahlte Arbeitsplätze - und der Vorstandschef schont seine Kasse. » mehr

BMW

29.05.2020

BMW verhandelt über raschen Stellenabbau ohne Kündigungen

BMW will Jobs streichen und auch an anderer Stelle beim Personal sparen. Das soll ohne Kündigungen funktionieren. Der Betriebsrat kündigt Widerstand gegen einzelne Maßnahmen an. » mehr

Continental Jahreszahlen

05.03.2020

Conti geht in heikles Autojahr 2020

Branchenwandel, Verkaufsflaute, jetzt noch das neue Coronavirus. Für Autozulieferer kommt es knüppeldick. Continental sieht schwierigen Monaten entgegen. Man sei aber vorbereitet - so gut es eben geht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 7 Bilder ansehen

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 05. 2020
14:03 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.